Seite - 372 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Klácel-Korzistka, Band 12
Bild der Seite - 372 -
Text der Seite - 372 -
Aolowrat 372 Aolowrat
und geriethen an einen Abgrund. Der Fürst
wäre verloren gewesen, wenn nicht Einer aus
dem Gefolge noch zu rechter Zeit in das Wa-
genrad gegriffen und so mit herkulischer Kraft
das Gespann zum Stehen gebracht hätte
Der Fürst, seinen Retter bewundernd, nannte
ihn Kolowrat ftolo heißt Rad und ni-atir
heißt umkrhnn. zurückkehren), d. i. Rad»
zurückkehrer, Nadaufhalter, und gab ihm
zur Belohnung ein Rad in seinen Schild.
Wir lassen den Ursprung des Namens dahin«
gestellt; die Thaisache, daß das alte Wapvcn
der Kolowrat ein Rad gewesen, ist unbe-
zweifelt und auf alten Familiendcnkmälern
findet sich dasselbe noch hie und da eingemei-
ßelt. Das erste Stammschloß der Kolowrat
ist aber nicht in Böhmen, sondern in Ober»
krain zu suchen, wo seine Trümmer noch ge«
zeigt werden. Erst später bauten sie
ein gleich«
namiges in Böhmen. Jedenfalls ist das Ge<
schlecht ein slavisches, welches durch die Kriegs»
stürme im 9. und 10. Jahrhunderte aus dem
Süden in die nördlicheren Gegenden des
Kaiserstaates verschlagen wurde. Die Anfänge
dieses Geschlechtes sind so verworren, daß stch
ein Zusammenhang aus allen den Sagen,
Gerüchten, Märchen und Namen nicht heraus-
finden läßt. Mit dem eilften Jahrhunderte, in
welchem in Böhmen bereits ein Iaroslaus
von Kolowrat erscheint, erhellet sich etwas,
aber immer noch sehr spärlich, das Dunkel.
Die Namen I aro s laus, Vutko (Zbutko).
Sezyma tauchen wie Meteore hervor, ins»
besondere letzterer, der in der Schlacht auf
dem Marchfelde für König Otto car sein Lc»
ben lieh. Ein Zusammenhang und eine über>
sichtlichere Aufeinanderfolge beginnt erst um
die Mitte des 14. Jahrhunderts, in welchem
ein Albert, der, weil es mehrere dieses
Namens gibt, der leichteren Uebersicht wegen
der I. heißen möge, als der Stammvater des
Hauses erscheint. Ein Jahrhundert später ver»
zweigt sich der bis dahin einheitliche Staunn
in viele Zweige, welche nach ihren Hauptsitzrn
Bezdruzi<>. Kosatek, Krakoueo. Liebstein. Ma»
stov. Novohrad die Beinamen Bezdruzick)',
K o 3 a i e
ck
>-, K r a ko u s k ^ . 3 i e b
st
e i n s k)'-,
Mastowök>-, Novohradük^ führen. Die
meisten dieser Linien sind, einige früher, die
anderen später, erloschen, und erst in unseren
Tagen erlosch in dem Staatsmanne Franz
Anton die älteste von allen, die Linie Ko»
lowr at»L ieb steinsky, und ging das Ma-
jorat derselben aufdie zweite Linie Kolowrat.
Krakow sky über. welche noch in 3 Neben« zweigen, und zwar in den Krakowsky's
von Radönin, Brzeznih und Te in iz l
fortblüht. Was die verschiedenen Adclsstufen
betrifft, so erscheint Albert (II) mit seinen
Söhnen als Freiherr. Die Grafmwürde
gelangte zuerst mit Zdenko Leo und später
mit Franz Kar l und seinen Brüdern in
die Familie. Zdenko Leo wurde für seine,
dem Hanse Oesterreich in den ständischen Wir»
ren in Böhmen bewiesene, in Drangsalen und
Verfolgungen bewährte Treue mit Diplom
vom 15. April 1624 in den Reichsgrafenstand
erhoben. Aber in seinem Sohne Wenzel
Franz erlosch bereits das Kolowrat'sche
Grafenthum. um in dem Enkel seines Bruders
Johann, in dem berühmten Staatsmanne
Franz Kar l , neu und bleibend zu erstehen.
Franz Kar l Kol . Liebsteinsky wurde
zugleich mit seinen Brüdern Ferdinand Lud-
wig , Johann Wilhelm und Leopold
Ulrich am 28. Februar 1660 in den Reichs'
grafenstand erhoben. Die Linie Kolowrat '
Krakowsky erhielt etwas später den Gra»
fenstand, uno zwar zuerst Albert Wi l -
helm mit dem böhmischen Grafendiplome vom
27. August 1671. Wer aber der von Kneschke
aufgeführte Mar imi l ic in Wenzel K. Kr.
sei, der mit Diplom vom 16. October
1701 in den Grafenstand erhoben worden, ist
mir aufzufinden nicht gelungen. Der Begrün»
der des Ko low r at'schen Fam'lien'Majorates
ist auch der oberwähnte Graf Franz K a r l ,
welcher mit kais. Consens clclo. Wien 1«. Au»
gust KNI mittels Testaments cläo. Brünn
29. Juni 1697 dasselbe mit den Gütern Rei'
chenau, Cernikovic, Chroustuvic errichtete,
wozu später das Erbgut seines Bruders Fe r»
dinandLudwig, Vorohradek, hinzukam. Im
Falle des gänzlichen Aussterbens des Manns«
stammes der Liebstcinsky'schen Linie hat
das Fideicommiß auf die Linie Krakowsky
überzugehen. Die Linie der Ku lowra t . N o<
vohradsky, welche der Krakow sky'schen
substituirt wurdr, ist ror der L iebsteins ky«
schen mit dem Grafen Franz Anton Ko«
lowrat 'Nooohradsky im Jahre 1802
erloschen. Was die Stellung der Ko lowrat
in anderen Kronländern der Monarchie betrifft,
so ist zu erwähnen, daß Graf Leopold K. Kr>
für sich und seine Descendenz im Jahre 1802
das Indigenat Ungarns von den dortigen
Ständen erhalten, und der GrafFranz An«
ton Kol . Liebst, am 2;. Juli 1833 in die
Landmannschaft des Herrenstandes im Herzog»
thume Krain aufgenommen worden ist.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Band 12
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Klácel-Korzistka
- Band
- 12
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 528
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon