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378 Kolowrat
vom Kaiser Kar l IV. bestätigt worden war.
Nun wurde Albert Präsident aller Richte
und Rechtsfreunde (tsrrkv kävooktorüm
oaMau6U5), dann Oberstburagraf von Prag
und erster Staatsminister. Noch stiftete K,
auf seiner Herrschaft Roczow ein Kloster, in
welches er Augustinermönche einführte und
das er reich dotirte. Albert erhielt für sich
und seine Söhne die Barons«, damals die
höchste Adelswürde in Böhmen, welche in
späteren Zeiten auch der gräflichen nicht nach«
stand. Albert liegt in den von ihm gestif-
teten Kloster zu Roczow begraben. Von dem
daselbst befindlichen Grabsteine geht die Sage.
daß wenn sich NaMtropfen auf demselben
zeigen, dieß den sichern Tod einer Peison
aus dem Geschlechte der Kolowrat bedeute.
So haben Einige aus der Familie im Jahre
4646 an die Mönche des Klosters den streng»
sten Befehl ergehen lassen, den Stein min«
destens zweimal deS Tages zu besichtigen, und
wenn sie ihn mit solchen Wassertropfen
benetzt fänden, dieß unverzüglich an alle
Mitglieder der Familie zu berichten. Die
Kirche ist um die Mitte des vorigen Jahr«
Hunderts neu erbaut worden, der Stein jedoch
auf seinem Platze geblieben, nur wurde er
um eine halbe Elle von der Erde gehoben,
während er früher mit dem Boden der Kirche
gleich war. Auf einer Wand der alten Kirche
befand sich eine die gehcimnißvolle Eigen«
schaft des Steines verkündende Inschrift,
welche jetzt nur mehr in gedruckten Quel'
len sich findet. ^(Hormayr's) Archiv
für Geschichte, Statistik. Literatur und Kunst
(Wien. 40.) XV. Jahrg. (ls24), S. 2?9,
303. 304. — Austria. Ocsterreichischer Uni«
versal'Kalendcr (Wien. Klang. gr. b".)
VI I . Jahrg. (1846). S. 45 der „Vaterlän'
dischen Denkwürdigkeiten" von I . P. Kal»
te nb äck: I^XIl. Der Grabstein Albert's von
Kolowrat.) — 3. Albert (IV.) Kol. Lieb.
steinsky (gest. 25. Mai lälU), ein Sohn
des Johann sHanusch (II.)). War bereits
im Jahre 1497 Burggraf von Karlstein.
I30l Hofmarschall, Ooersthofmeister und
Oberstkanzler des Königs Wladi sl aw IV.
Auf ihn fiel die Wahl des Königs, als es
galt, den erbitterten Streit zwischen den
geistlichen und weltlichen Stünden Schlesiens
zu schlichten. Und in der That gelang es
ihm; er brachte zu Vreslau den nach ihm be»
nannten Kolowratischen Vergleich zu
Stande, welcher von König W la dis law IV.
zu Ofen am 18. Februar 1304 bestätigt wurde. Sein Lohn dafür war die Erlaubniß aus
dem schlesischen Landeswappen das Perizo«
nimn mit den Lilien auf der Brust und den
Flügeln des Adlers in sein Wappen aufneh»
men zu dürfen. Dann wurde Albert noch im
selben Jahre mit einem Heere dem Pfalzgrafen
Ruprecht nach Bayern zu Hilfe geschickt;
man entledigte sich auf diese Art derschwürigen
Elemente in den niederen Volksmassen, welche
sich bei dem Streite zwischen den Herren
und Städten wegen der bürgerlichen Vor«
rechte der Braugerechtigkeit sehr bemerkbar
zu machen begannen. In Bayern nahm
A l b e r t mehrere Schlösser und Städte
und stieß dann bei Regensburg zum pfälzi«
schen Heere. Dieses, von Kaiser Maximi.
l ian und Herzog Erich von Braun«
schweig am l2. September ernstlich ange»
griffen, ergriff, von panischem Schrecken er«
faßt. die Flucht und ließ die Böhmen allein.
„Lieber sterben als sich ergeben", ging die
Losung von Mund zu Mund. und nur der
wachsenden Macht des Feindes erlag der
Haufen, aus welchem 2100 Todte, darunter
Albert's gleichnamiger Sohn. die Wahlstatt
bedeckten. Im folgenden Jahre belagerte A.
im Namen der böhmischen Stände die Stadt
Elbogen, welche die Herren von Schlik,
wie auch sich selbst unter Sachsens Schutz
gestellt hatten. Als sich die Bürger dessen
weigerten, kam der Herzog von Sachsen,
überfiel die Stadt und brannte einen Theil
derselben nieder. Die Bürger von Elbogen
flüchteten sich nach Prag und erbaten von den
Ständen Hilfe. Diese entsendeten nun Albert,
welcher die Herren von Schlik in Elbogen
belagerte. Nach langer Gegenwehr von Seite
der Schlik's kam am 2l. Mai 1306 ein
Vergleich zu Stande, welchem zufolge das
Elbugner Gebiet wieder der Krone Böhmens
einverleibt ward, die Schlik's aber im
Besitze desselben gelassen wurden. A lb ert
stiftete noch in der Prager Domkicche den
Ottilienaltar und baute im Kloster Maria
Schein bei Teplitz eine Cavelle prachtvoll
um. Gr war zweimal nerheirathet: 1) mit
Anna Freiin von 5lrnz und 2) mit Anna
Freiin von Uownnes, verwitweten U)all>stein,
mit welcher Liebstein durch Vermächtniß an
die Waldstein übergegangen. Nach dem
Tode seiner zweiten Frau soll Albert in den
geistlichen Stand getreten und zuletzt "als
Administrator des Präger ErzbiSthums gestor»
den sein. ^Hormayr's Archiv für Ge«
schichte. Statistik. Literatur und Kunst (Wien,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Band 12
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Klácel-Korzistka
- Band
- 12
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 528
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon