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Aolowrat 379 Kolowrat
l?17, gest. 17. Mai 1762). Tochter des Gra-
fen Max im i l i an Norber t K. Kr. aus
dessen zweiten Ehe mit Mar ia Anna
Theresia Freiin von Ste in . Die Gräfin
Franziska' Mar ia Antonia war seit
29. April 1734 imt dem polnischen und
chmsächsischen Staatsminister Heinrich Grafen
von Vriiljl vermalt, und ihre Heiraths-
geschichte erzählt in fesselnder Weise Brach»
vogel in seinem Roman „Friedemann Bach",
welche Episode im Jahre 1837 unter dem
Titel „Die schöne Kolowrat" die Runde,
durch mehrere deutsche Blätter machte. —
21. Friedrich Freiherr K.. Herr auf Lib»
stein (gest. 15. Juli 1433), ein Sohn
des Freiherrn Herbor t . In Gemeinschaft
mit seinem Bruder J o h a n n (Hanusch)
bekämpfte er anfänglich die Hussiten, welche
dann. um sich zu rächen, vor die Kolowrati«
schen Schlösser zogen und sie — freilich ver«
gebens — zu erstürmen suchten, dafür aber
die umliegenden Gegenden gräulich verwüste»
ten. Ko lowra t mit seinem Bruder Johann
und Andrre vom böhmischen Adel erbaten
von Kaiser und Reich Abhilfe gegen die
Gräuel der Hussitcn. Sie wurde ihnen nicht
und so verbanden sie sich, um ihre letzte
Habe zu retten, selbst mit den Hussiten gegen
deren Bedränger. Friedrich zog mit den
Hussiten vor Iglau, fand aber dort an König
S ig ismund einen mächtigen Gegner. Nach
mehrtägiger grimmiger Schlacht mußten die
' Hussiten mit großen Verlusten weichen. Auch
in einem Kampfe mit den Karlsteinern, welche
seine ausgesprochenen Feinde'waren und ihn
eines Tages im Jahre 1432 übcrn'clen, war er
nicht glücklich und muhte sich durch die Flucht
retten. Friedrich, der am 1'> Juli 1433 starb,
wird als Begründer der Krakowsky'schen Linie
der Ko lowrat bezeichnet. — 22. Heinrich
Graf K. L. (geb. 1570. M . 6. März j<>4tt).
ein Sohn Albert 's (VI.). im Jahre 16l4
Hauptmann von Prag. Heinrich war eS,
der vornehmlich die Wahl Fe rdinand'6 51.
zum böhmischen Konige beförderte, dafür
aber auch 1619 von den mißvergnügten pro»
testantischen Ständen seines Amtes entseht,
seiner Güter verlustig erklärt und sammt
seiner Familie des Landes verwiesen wurde.
Ueberhaupt hielt die Familie Kolowrat
treu zum Kaiser, und wurden in den standi»
schcn Unruhen nicht weniger denn fünfzehn
Ko low rat als Anhänger Ferdinand's I I .
des Landes verwiesen. Nach der Schlacht am
weißrn Berge wurde Heinrich in seine alten Rechte, Würden und Besitzungen eingesetzt
und in Anerkennung seiner Treue in den
Reichsgrafenstand erhoben. K. bekleidete noch
mehrere hohe Aemter und war 1635 Oberst,
kämmerer, im Jahre 1638 aber Commissär
in den Universitätsangelegenheiten, als solcher
von den Jesuiten, denen Kaiser Ferdi»
nand I I I . die Prager hohe Schule entzog,
alle Privilegien, Regalien, Kleinodien, Ur«
barien, Bücher u. dgl. m. übernehmend. Im
Jahre 1646 wurde er noch Oberstlandhof»
Meister. Für den Glanz seiner Familie war
Heinrich sehr thätig. Auch hat Heinrich
die zur Zeit des feindlichen Einfalls der
Schweden zerstörte Kirche zu Noczow neu
erbaut und in der Strahower Stiftskirche
eine Fundation gemacht. Aus seiner Ehe mit
C-lisa0elh Freiin von cMiowitz (gest. 1668)
hatte er einen Sohn, Ulrich Franz.
sTo mek (Wenzel Wladiwoj). Geschichte der
Vrager Universität (Prag 1849, Gottl. Haase
Sühne. 8°.) S. 263. — Taschenbuch
für die vaterländische Geschickte von Hor-
mayr und Mednyansky (Wien, kl. so.)
Jahrg. 1524, S. 420.) — 23. Herbort, auch
Herburt Freiherr K. (gest. 1427), ein Sohn
Albert 's (I.), dessen schon oben ^Nr. 1)
Erwähnung geschah. Schon im Jahre 1403
war er von König Wenzel zum Beisitzer
des königl. Gerichts und später zum Obersten
Nichter ernannt worden. Dieses Amt hatte
Kar l IV. nach seiner Heimkehr aus Italien
im Jahre 133!» gegründet, um den durch
Raubritter zerrütteten Landfrieden wieder
herzustellen. Und zwar bestellte er in jedem
Kreise einen solchen obersten Richter. König
Wenzel erneuerte, als sich der Geist der
Zwietracht im Lande wieder kundgab, dieses
Amt und für den Leitmeritzer Kreis wurde
von ihm Herbort bestellt. Noch gedenkt
man der Freundschaft Herbort '6, die er
für den nachmals so unglücklichen Huß
trug, der auf seiner verhängnißuollen Reise
nach Constanz mehrere Tage auf Herbort's
gastlichem Schlosse Krakowetz zubrachte. —
24. Hermann K. (gest. 1358). Ueber dessen
Fllluilienavstammung liegt nichts Näheres
vor. H. erhielt seinen ersten Unterricht im
Vaterlande, seine gänzliche Ausbildung und
die Doctorwürde im Auslande, denn noch
besaß Böhmen damals keine Hochschule. H.
war einer der vertrautesten Räthe des Königs
Johann und seines Nachfolgers Kar l IV.,
und meistens zu Geschäften bei der Curie
verwendet. Papst Benedict XI I . weihte
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Band 12
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Klácel-Korzistka
- Band
- 12
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 528
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon