Seite - 393 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Klácel-Korzistka, Band 12
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Aolowrat 393 Kolowrat
wickelte er als solcher in jenen Tagen der
Kriegsnoth nnd aller mit dem Kriege
verbundenen schweren Drangsale eine all>
gemein anerkannte Wirksamkeit. Die Ar»
muth und derBettel traten in immer dro«
henderen Gestalten und immer größeren
Massen auf. Da erfaßte K., um diesem
Uebel zu steuern, sofort die Idee, ein
großes Armenhaus zu stiften, und zwar
durch freiwillige Beiträge der Bewohner
Prags. Adel und Bürgerstand Wetteifer«
ten, dieneueAnstalt zu unterstützen, deren
Fonds K. verwaltete und die sich bald
als ein wahrer Segen für die Hauptstadt
erwies. Im Jahre 1868 wurde K. zum
Hofrath befördert und half thätig bei der
Organisation der deutschen Landwehren.
Als im Frühjahre 4809 der Krieg mit
Frankreich sich erneuerte und Graf Wal-
l is, bisher Oberstburggraf von Böhmen,
zum General'Landescommifsär ernannt
wurde, trat K. in dessen Stelle ein, frei-
lich seiner Jugend wegen anfänglich nur
als Verweser des Oberstburggrafenamtes,
aber schon im folgenden Jahre als wirk«
licher Oberstburggraf. War früher, da er
Stadthauptmann war, die Stadt Prag
und ihre nächste Umgebung seiner Umsicht
anheimgestellt, jetzt war es das ganze
Land, für dessen Wohl K. Alles that.
was unter den gegebenen Verhältnissen
überhaupt möglich war. Als endlich der
fortdauernde Krieg immer neue und
größere, und für die Betheiligten stets
empfindlichere Opfer nöthig machte, es
-also galt, im Volke die Stimmung zu
beschwichtigen, den Ausbrüchen des Un>
willens vorzubeugen und doch AlleS bei.
zustellen, was zur Verpflegung der Armee
nöthig war, entwickelte K. eine Thätigkeit
der rühmlichsten Art, und als höchste
Anerkennung wurde ihm schon im Jahre
4313 das goldene Vließ, am 26. Mai
das goldene Civil-Ehrenkreuz verliehen, welches für ausgezeichnetes
Wirken in den Kriegsjahren gestiftet
ward und wovon 99 Kreuze in Gold
und 143 in Silber vertheilt wurden.
Kolowrat war, als er starb, der
letzte Besitzer des goldenen Kreuzes.
Sechzehn Jahre versah K. die Stelle
des Oberstburggrafen von Böhmen und
nicht gering sind die Verdienste um
die schöne Kömgstadt und das Land,
welche er sich wahrend dieser Zeit erwor-
ben. Für die Verschönerung der Stadt
geschah sehr viel unter ihm; das von den
Brüdern den Grafen Sternberg an»
geregte Nationalmuseum wurde von ihm
wesentlich gefördert und seiner so einfluß»
reichen Thätigkeit zugeführt; theils durch
ihn, theils durch seine Anregung und
beharrliche Mitwirkung das Witwen«,
Taubstummen- und Blinden-Institut ge«
gründet; überhaupt verstand er es, unter
seinen Landsleuten den Sinn für alles
Gute, Schöne und Nützliche nicht bloß zu
wecken, sondern auch stets lebendig zu
erhalten. Im Jahre 1823 wurde K. als
Staats« und Conferenzminister nach Wien
berufen. Die Verwaltung der innern An-
gelegenheiten und zum Theile die Finan»
zen gehörten in sein Ressort. Durch seine
Berufung, als einer bedeutenden Kapaci-
tät, sollte ein nicht ganz unbeabsichtigtes
Gegengewicht zu dem Einstuffe Metter«
n i ch's gebildet werden. Sein Augenmerk
war nun zunächst darauf gerichtet, das
Finanzwesen auf eine festere Grundlage
urückzuführen und die bedeutenden Aus-
gaben für die geheime Polizei und die
Diplomatie zu beschränken. I n der Her-
anbildung eines kraftigen Mittelstandes,
in der Erleichterung des Bauern erblickte
er, wenngleich selbst Aristokrat durch und
durch, die Hauptaufgabe des Staates.
Wenn auch von Natur und aus Grundsatz
conservativ, so war er doch kein Feind
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Band 12
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Klácel-Korzistka
- Band
- 12
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 528
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon