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Koniass 412 Aoniass
mathemansche Schule in der Staats
Wissenschaft. Seine im Jahre 1831/32
in magyarischer Sprache gehaltenen Vor-
lesungen über die Statistik der österrei
chischen und übrigen europäischen Länder
sind nur lithographirt erschienen.
d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von
Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy
und Ios. Daniel ik (Pesth 1858. Gustav
Emich. 8°.) I. Thl. S. 266.
Koniass. Anton (Priester der Ge.
sellschaft Jesu. geb. zuPrag im Jahre
1091. gest. ebenda 27. October 1760).
Er trat im Jahre 4708 in den Orden
der Gesellschaft Jesu, nachdem er früher
schon das Magisterium der Philosophie
erlangt hatte. Im Orden versah er das
Lehramt in den kleineren Schulen, spater
das Predigtamt durch 8 Jahre. Darauf
wirkte er, allen Leibesgebrechen und
Krankheiten, die ihn nicht selten heim»
suchten, Trotz bietend, durch 34 Jahre
als Missionär in Böhmen und Mahren.
Als Probe seines Eifers sei nur be-
merkt, daß er oft an Einem Tage vier»
bis fünfmal, und zwar in deutscher und
c-echischer Sprache zu predigen pflegte;
dabei strengte er sich so sehr an, daß er
nicht selten entkräftet von der Kanzel
nach Hause getragen werden mußte.
Seine Beredsamkeit wird als hinreißend
geschildert und sollen seine Zuhörer oft in
lautes Schluchzen ausgebrochen sein. so
daß er in der Predigt innehalten mußte.
Wenn er von dem jüngsten Gericht pre-
digte, erschien er mit einer Kette um den
Hals auf der Kanzel. Die Qualen der
Hölle und des Fegefeuers soll er so leb«
haft und Entsetzen erregend geschildert
haben, daß sein Biograph Pelzet berich-
tet: Leute gekannt zu haben, die in Folge
derselben ihren Verstand verloren haben!
Die Ausrottung hussitischer Bücher lag ihm besonders am Herzen. Wo er hinkam,
um zu predigen, verpflichtete er das Volk
unter der Todsünde, ihm alle irgendwo
befindlichen Bücher zur Durchsicht herbei»
zubringen. Die verdächtigen und anstößt»
gen behielt er dann zurück und über»
lieferte sie den Flammen. Auf diese
Art soll K. nicht weniger denn 60.000
Bände verbrannt haben! Sein Biograph
berichtet ferner, daß er eine besondere
Geschicklichkeit besaß, die Bibliotheken der
Hussiten auszuspüren und daß er, allen
Gefahren Trotz bietend, sein Vernichtungs«
werk fortsetzte. Er mußte öfter Mißhand«
lungen und Schläge erleiden; so hatte ihn
ein Bauer durch drei ganze Tage in einen
Schweinstall eingesperrt. Dem Grasen
Spork , der in seinem Schlöffe eine
Buchdruckerei unterhielt und auch sonst
Personen, die sich mit Schriftstellers
beschäftigten, im Schlosse hatte, wurde
auf seine Anzeige der gan;e Büchervor«
rath consiscirt. Mit dem Gesagten ist
die Schilderung seines Eifers noch immer
nicht erschöpft. So hatte er z. B. viele
Tausende böhmische Bücher durchgesehen,
mit eigener Hand corrigirt und die ihm
anstößigen Stellen mit Tinte überstrichen,
bis sie unleserlich wurden. K. hat Mehre«
res'durch den Druck veröffentlicht und
zwar in deutscher, eechischer und lateim»
scher Sprache; es sind in chronologischer
Folge die nachstehenden Schriften: „
d. i. Gesprach über die
streitigen Glaubensartikel, besonders in
Böhmen (Prag 1728, 8".); — „
6/
i/ a?. 6.« lKöniggratz 1729, 12".,
wiedergedruckt ebd. 1749), es ist dieß
ein Verzeichniß verbotener Bücher; —
?5iiilge über die Ocheimni52e unseres Glin-
5, theils ans alten VllnbZchrckten genannten.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Band 12
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Klácel-Korzistka
- Band
- 12
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 528
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon