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Kopacsy 429 Aopäcsn
daselbst und Veszprimer Archidiakon. Im
Jahre 1807 erfolgte seine Ernennung zum
Veszprimer Domherrn, 1813 zum Abte
des h. Jacob von Simigh und Propste
vonHant. Im Jahre 1817 ernannte ihn
Kaiser Franz zum Prälaten der kön.
Tafel, 1819 zum Beisitzer der Septem»
viraltafel, bei welcher er durch seine
gediegenen Kenntnisse in der Vaterland!«
schen Geschichte und durch seinen Scharf»
sinn bei Lösung verwickelter Falle und
Fragen glänzte. Im Jahre 1819 wurde
' er Weihbischof von Prisztin, im Jahre
1822 Bischof von Stuhlweißenburg und
1823 von VeSzprim. Groß war der
Jubel, als K. in semer Vaterstadt als
Bischof den Einzug hielt. Im Jahre 1838
erfolgte seine Ernennung zum Erzbischof
von Gran, mit welcher Kirchenwürde die
des Primas von Ungarn verbunden ist.
K., ausgezeichnet als Kirchenfürst durch
seinen humanen Sinn, den er in zahl-
losen Acten der Wohlthätigkeit — wie
Einiges weiter unten folgt — bethätigte,
war auch ein großer Staatsmann, wie es
sein kluges, gewandtes und stets ver>
mittelndes Auftreten beurkundet. Der
Primas von Ungarn nimmt als solcher
in den Dicasterien dieses Landes eine der
wichtigsten Stellen ein. Das Verhältniß
der herrschenden Kirche zu den übrigen
gleichberechtigten Confessionen erheischt
bei den nicht seltenen, oft verwickelten
Religionsangelegenheiten ebenso Umsicht
als juridische und staatsrechtliche Kennt»
nifse, um die längst bestehenden, gesetzlich
bekräftigten recipirten Landeskirchen im
versöhnenden Einklänge zu erhalten. K.
war in dieser Hinsicht stets seiner Auf»
gäbe gewachsen und, von echt evangeli»
schein Geiste der Duldung erfüllt, besaß
er auch dieSympathien der übrigen Con»
fessionen, und es ist bekannt, daß bei
seinem als Erzbischof am 27. Mai 1837 stattgehabten feierlichen Einzüge in Gran
auch die Israeliten zn dieser Feier einen
mit Inschriften und Insignien geschmück-
ten Altar errichtet hatten. K. war ein
glänzender Redner und bewies sich als
solcher ebenso auf den Landtagen, aufwei-
chen er die Rechte seiner Kirche vertrat,
als bei festlichen Gelegenheiten; mehrere
semer bei solchen Anlässen gehaltenen
Neden sind im Drucke erschienen; sonst
veröffentlichte er durch den Druck nur
noch eine ungarische Uebersetzung des so
oft gedruckten Werkes von dem Cardinal
Fleury: „Uo6iir3 ää3 I3ra6lit63 et
äe8 Okrstions" unter dem Titel: „^5
". Als Oberhirt seines Kirchen-
sprengels hinterließ er vielfache Spuren
seines segensvollen Wirkens, er erbaute
neue Kirchen und Schulen, ließ bereits
vorhandene, wenn sie baufällig waren,
restauriren; auf die Hebung der Volks-
bildung besonders Bedacht nehmend, er»
richtete er in Gemeinschaft mit dem Vesz-
primer Domcavitel zu diesem Zwecke ein
eigenes Institut. I n seiner Vaterstadt
Veszprim baute er an der Stelle, wo das
Haus seines armen Vaters gestanden,
eine Elementarschule, die er reich dotirte;
arme Lehrer unterstützte er auS eigenen
Mitteln, brave Schüler beschenkte er mit
guten Büchern, zu deren Herausgabe er
bedeutende Summen verwendete. Viele
Künstler wurden nur durch seine Unter-
stützung in die Lage gefetzt, ihre Kunst«
studien fortzusetzen und zu vollenden; die
ungarische Akademie, deren Ehrenmitglied
er war. besaß an ihm einen edlen Mä<
cm. Auch in seinem letzten Willen traf er
mehrere Verfügungen zur Förderung
wohlthatiger und humanistischer Zwecke,
und zwar bedachte er u. a. die Vesz»
primer Dlöcesan», die von ihm gestif»
tete Normalschule und das königliche
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Band 12
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Klácel-Korzistka
- Band
- 12
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 528
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon