Seite - 442 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Klácel-Korzistka, Band 12
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Kopitar 442 Kopp
I'ii-miu viäot 5röl-63 5ous?3. äirsotion äs
HI. 1s Dr. lloetsl (Paris 1830 Vt 8., 8".)
I'omo X^.VNI, V- ^"- — 2Iomoir65 äs
I'aeaäeilliy äs LcienceL äs sclint ?6t6r5-
dourß. seotwn ^dilologicins et littsrails,
toms VI (l537), V- 4- — Aopitar'5 litera-
rische Charakteristik. Wie schon oben in der
Lebensstile anssedeutet worden, hat K. nach
Dobrowsky's Tode gewissermaßen das Pa<
triarchat der slavischen Literatur angetreten,
zugleich sich aber einen Dornenkranz um die
Schläfen gewunden. dessen Nadeln ihn nur
zu fühlbar ritzten und jene Nuhe ihm vergif-
trten, deren Segen er kennen gelernt, als er
ackt Jahre im Baron Z oiö'schm Hause seinen
leichten Pflichten und ernsten Studien mit
einem Behagen ohne Gleichen lebie. In
Hanka 'ö Biographie ^Bd. ^ ^ wird
^S. 3«5 u. f.) deö Fundes der Königinhofer
Handschrift nähere Erwähnung gethan und
jener Hoffnungen gedacht, welche die nana«
nale («echische) Partei in Böhmen an die>
sen Fund knüpfte. Kopitar. dessen nüch-
terner Vlick sich durch oas rasch abblitzende
Feuerwerk dieses Jubels nicht trüben ließ,
gehörte zu jenen, we.'ck^ ' argen die Echtheit
dieses Dichtungs'Zragmcnteö mit Wort und
Schrift auftrat. DaS war ein Verbrechen an
der cechischen Literatur, welche Sühne forderte.
Und in drr That war es einem Rechen gelun»
gen, sich in die deutsche Presse einzuschmug«
geln. nur um Kopitar zu verdächtigen.
Man hatte es geschickt angefangen. Ein viel»
gelesenes cncnklopädisches Werk wurde dupirt
und aus diesem machte die niederträchtige
Phrase weiter ihre Nunde. Zuerst brachte das
„Conversations'Lenkon der Gegenwart" den
Gallimatbias, aus diesem fcmd er in mancher«
lei Veränderungen seinen weiteren Weg. bis
ihn das viel verbreitete Meyer'sche Universal»
Lerikon, ja selbst das Brockbaus'sche Con«
versations-Lerikon noch in seiner 10. Auflage
wieder aufwärmte, nur letzteres mit Weglas«
sungen. Die abgeschmackte Stelle aber lautet:
„Am bemerkenswerthesten für Kopitar's lite-
rarischen und sonstigen (!) Bestrebungen möchte
sein „(3lk3o!itk 01o2ikuu2" seyn, ein Werk,
das eine der vorzüglichsten Erscheinungen im
Gebiete der slavischen Philologie und Kirchen«
geschichte bildend, als gelehrte Arbeit vielfach
gewürdigt, keineswegs aber in seiner vollen
Bedeutung (!) erkannt wurde, rücksichtlich des
seit Jahren, aber nur im Geheimen fort»
gesponnenen Krieges zwischen Oesterreich und Nußland in Beziehung auf die Union der
lateinischen und griechischen Kirche in dem
östlichen Europa. Durch den <3laFo1ita so<
wohl, als durch andere seitdem mit und ohne
Nennung seines Namens veröffentlichte Auf<
sätze hat K. unter dem Scheine unbefangener,
rein historischer gelehrter Forschung sich auch
auf kirchlich politischen Boden gestellt, als
Vorkämpfer für die Union, vornehmlich bei den
slavischen Völkern. Zu diesem Behufe suchte
er auch den byzantinischen Ursprung der sla«
vischen Liturgie in Abrede zu stellen, vielmehr
der slavischen Kirchensprache das österreichische
Pannonien als ursprüngliche Heimat anzw
weisen und somit die Christianisirung der süd»
donauischen Slaven der lateinischen Kirche zu
vindiciren, um dadurch die Unionirung der
österreichischen nicht unirten Griechen, welche
Rußland aus politischen Zwecken bisher zu
hintertreiben suchte, als ehemals bereits da»
gewesen, zu erleichtern und zu bewirken. Ob»
wohl die wissenschaftliche Kritik die philolo-
gischen Leistungen K.'s beifällig aufnahm, so
konnte sie sich doch mit diesen daraus abgelei»
teten historischen Resultaten nicht befreunden,
die auch außerhalb des kirchengeschichtlichen
Kreises, vom reinhistorischen Gesichtspuncte
aus. gründliche Widerlegung fanden" (!!). —
Vralidenkmal Aapitar's. Kopitar's vieljäh«
riger Freund, der (1864 verstorbene) Dr. M.
I . Fesl, veranstaltete eine Sammlung unter
den Verehrern deö Verblichenen, zu welcher
Einzelne ansehnliche Summen, wie z. B. die
Bischöfe von Iaibach und Trieft je 30 fl., Fürst
Milosch, Graf Dietrichstein je 30 fl.
u. s. w. beisteuerten. Hofbaurath Sprenger
besorgte die Zeichnung nach antiken Mustern
und in der Steinmetzwerkstatt Wasser bür-
ge r's wurde es aus Granit ausgearbeitet.
Die Inschrift des Denkmals, das am 21. Octo«
ber 1845 aufgestellt wurde, lautet:
23. in.
literis
obiit Vinäobonas 6. N. m. ^uznäti 1844.
I . Eutychius (Geschichts-
forscher, geb. zu Beromiinster im
Canton Luzern am 23. April 1793).
Nicht in Oesterreich geboren, nicht im
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Band 12
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Klácel-Korzistka
- Band
- 12
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 528
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon