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Kraus 185 Kraus
vertrat stets die unbehindert freie Ent«
Wickelung aller Nationalitats» und Sprach,
elemente der verschiedenen Völker Oester«
reichs. Von der deutschen Sprache
meinte K. ganz richtig, sie werde in
natürlicher Entwickelung der Dinge aus
sich selbst zum Gemeingut aller Gebildeten
in Gesammtöfterreich werden, und sofort
durch das allgemeine Bedürfniß ganz un»
vermerkt und in nicht sehr ferner Zeit zu
der von Allen selbstgewollt vorherrschen,
den und endlich erclufiven Geschäftssprache
der Centralregierung und der gemeinsamen
Reichsvertretung Oesterreichs ausgebildet
sein. Aus diesem ununterbrochenen'Fort«
leben in und mit der Wissenschaft und
jener wahren Religiosität, von der sein
innerstes Wesen durchseelt war, wuchs
jene Humanität , die sich in seinem
ganzen Wirken und als reiner Ausfluß
seines innersten Wesens in allen seinen
Handlungen aussprach. Wie er einerseits
daS heuchlerische Treiben derjenigen ver»
abscheute, welche „in Religiosität machen",
so mied er für seine Person mit fast angst«
licher Sorgfalt daS Bekanntwerden seines
religiösen Wandels und jewede Osten-
tation seiner Frömmigkeit. Im Verkehre,
der zufolge seiner Stellung ein äusge»
breiteter war, war er gegen Hoch und
Nieder. Reich und Arm. Gleichgestellte
und Untergebene sich unverändert gleich,
immer freundlich und wohlwollend. Be»
sonders im Verkehre mit seinen Unter»
gebenen — wie Herausgeber dieß selbst
erprobte — waren seine Herzensgüte
und Bescheidenheit wohlthuend. Seine
Mikrologie war seinen Gegnern eine
Waffe gegen ihn; bei jenen aber, welche
sie empfinden mußten, war sie für ihn
ein Grund mehr der Anerkennung ihrer
Leistungen; wenn er die Ausarbeitungen
seiner Referenten änderte, so geschah dieß
in der schonendstmWeise, und der Umstand, daß es ihm im Grunde Niemand ganz
recht machte, ließ ihn doch nie Talent und
Verdienste verkennen und für letztere die
ganze Macht seineS Einflusses zur Geltung
bringen, wenn es galt, sie zu belohnen.
Ueber seine Bescheidenheit wird nach»
stehende Thatsache eine Aufklärung geben.
Als er zu Ende des Jahres 1834 nach
Niederlegung seines Minister-PortefeuilleS
in den Reichsrath berufen wurde und in
diesem ihm, als bisherigen Minister, der
Rang als erster Rath unmittelbar nach
dem Präsidenten gebührte, bat er aus-
drücklich darum und hat es auch erwirkt,
daß er den beiden ältesten Rathen Krieg
und Purkhar t nachrangirt werde,
„weil diese beiden von ihm zugleich so
hochverehrten Männer einst seine Vor-
gesetzten und gütigen Gönner gewesen
und eS seinen Gefühlen widerstreben
würde, denselben nunmehr im nämlichen
Collegium vorzusitzen". I n hochherziger
Weise gab sich aber sein Wohl thät ig,
keitssinn kund. Von jeher gehörte ein
sehr bedeutender Theil seines jeweiligen
Einkommens den — Armen; inSbeson«
ders fanden wahrhaft noth leid ende Faun«
lien und HauSarme bei ihm zu allen
Zeiten großmüthige und stetige Unter«
stützung; nicht selten suchte er in Gesell«
schaft seiner gleichgesinnten Gattin arme
Kranke in den entferntesten Winkeln
dunkler Vorstädte auf und brachte ihnen
Trost und Hilfe. Manchen talentvollen
Knaben des einm und anderen Amts»
dienerS oder Hausmeisters ließ er auf
seine Kosten in einer Realschule oder bei
einem Gewerbsmanne ausbilden, reichte
manchem dürftigen Studirenden monat»
lich eine bestimmte Gabe oder leistete
für ein braves armes Mädchen einen
jährlichen Beitrag an irgend eine Er.
ziehungs« oder Kinderwartanstalt, und
verabfolgte mehreren dienstunfähig ge«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Kosarek-Lagkner, Band 13
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Kosarek-Lagkner
- Band
- 13
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon