Seite - 167 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Kosarek-Lagkner, Band 13
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Kran 467 Aray
bereits Nachricht hatte von dem in Italien
ofsiciell abgeschlossenen Waffenstillstände,
schickte er am 24. Juni einen Ofsicier in
Moreau's Hauptquartier, um auch mit
ihm einen Waffenstillstand zu schließen.
Aber dieser Versuch, wie eine am 25. im
DorfeUnterringingen stattgehabte persön»
liche Unterredung mit Moreau blieben
erfolglos. Die Feindseligkeiten wurden
also fortgesetzt und beide Feldherren such«
ten durch ihre Bewegungen Vortheile über
einander zu erringen. Moreau suchte
mit seinem Corps den Uebergang über
drei Flüsse, den Lech, die Wernitz und die
Donau, zugleich zu bewerkstelligen. Da
kam es am 26.Iuni, bereits gegen Abend,
bei Neuburg an der Donau zu einem
blutigen Zusammenstoße. Mit 30.000
Mann griff Kray, welcher bei Neuburg
die Donau überschritten hatte, die Fran«
zosen an, welche noch gar nicht ihre
Stellung genommen hatten. Das Ge-
metzel des Kampfes war fürchterlich.
Tausende sielen auf beiden Seiten, unter
ihnen der berühmte erste Grenadier von
Frankreich Latour d'Auvergne und
die Generale d'Espagne und Forty;
aber auch die Oesterreicher hatten große
Verluste. Kray räumte sofort Neuburg,
brannte die Brücke bei dieser Stadt hin»
ter sich ab und begann seinen Rückzug
nach Ingolstadt, von wo er seine anfäng«
liche Stellung noch Landshut verlegte
und dadurch Tirol näher kam. I n Lands»
Hut schlug er am 1. Juli sein Haupt«
quartier auf. Auch aus dieser Stellung
wurde er durch den massenhaft vordrän»
genden Feind gedrückt und Kray stellte
sich nun zwischen Haag und Ampsing
auf. Die Fortschritte des an Zahl weit
überlegenen Feindes zu verhindern, war
unmöglich; Kray bot nun Moreau
am 12. Juli neuerdings einen Waffenstill,
stand an, der auch am 43. Juli abge« schloffen wurde. Die Eingänge Tirols
am Lech sammt Regensburg blieben den
Unseren, Philippsburg. Ingolstadt. Ulm
den Franzosen. Nachdem Oesterreich
die vorgeschlagenen Friedensbedingungen
nicht annahm und also ein Friedenschluß
nicht erfolgte, so kündigte Moreau am
27. Juli den Waffenstillstand auf. Kray
aber, noch vor Anfang der Feindselig,
keiten des Oberbefehls der Armee
enthoben, den nach ihm Erzherzog Io -
hann übernahm, verließ dieselbe am
21. Juli und zog sich in sein Vaterland
in's Privatleben zurück. Er genoß die
Nuhe desselben noch einige Jahre theils
zu Pesth, theils auf seinem Gute Topr>
lya. bis ihn im Alter von 69 Jahren der
Tod ereilte. Kray hatte auch in diesem
unglücklichen Feldzuge alle Kunst des
gewandten und erfahrenen Feldherrn an
den Tag gelegt, stch als ein wahrhaft
genialer Stratege bewiesen, dem nichts
als das Glück fehlte, und hatte eine-
Reihe von Schlachten geschlagen, blutig,
ja mörderisch und in so rascher Folge-
hintereinander, wie keiner der Generale
in jenem großen Revolutionskriege; aber
der stets wachsenden Uebermacht des
FeindeS auf die Dauer siegreichen Wider«
stand zu leisten, war er außer Stande und
so mußte er selbst den Schmerz erleben,
den hohen Ruhm seiner Thaten in Italien
durch das Mißgeschick seiner Kämpfe in
Deutschland verdunkelt zu sehen. —
Der zweite Sohn Kray's, Franz (gest.
1830), erhielt in der Wiener.Neustädter
Akademie die militärische Ausbildung,
trat 1788 bei Oroß.Infanterie als Fahnen,
cadet ein, wurde 1793 Oberlieutenant
bei Meszaros.Huszaren und zeichnete sich
im October bei Mainz besonders auS.
I m Jahre 1799 erscheint er als Major
und Flügoladjutant bei seinem Vater.
Im August desselben Jahres brachte er
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Kosarek-Lagkner, Band 13
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Kosarek-Lagkner
- Band
- 13
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon