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die Iesuitenschule besuchte. Da er von
seinen Eltern keine Unterstützung erhielt,
brachte er sich durch Unterrichtertheilen
kummerlich fort. Im Jahre 1763 begann
er zu Neuburg die philosophischen Stu«
dien und trat nach deren Beendigung
Armuth halber, da sich ihm keine Aus«
sichten auf ein anderes Fortkommen dar»
boten, im Jahre 1770 im Reichsstifte
Kaisersheim in das Noviciat. Eine Unter«
redung mit o^em Conventual, der in K.
bald den Menschen, dem jeder Beruf
zum Klosterleben fehle, erkannt hatte,
veranlaßte ihn zum Austritte aus dem
Kloster, und K. ging, nachdem erSchwa»
den und die Schweiz durchwandert, nach
Ingolstadt, wo er sich mit besonderer
Vorliebe auf mathematische Studien
warf. Seinen Lebensunterhalt bestritt er
vom Privatunterrichte in der Mathematik,
vom Zeichnen u. dgl. m. und wurde dann
Magister der Philosophie und freien
Künste. Schon um jene Zeit begann er
mit der Verfertigung von Compassen.
Nach erlangtem Licentiat wurde er im
Mai 4772 als Lehrer, der Elementar-
gegenstände in dem neu errichteten Wai»
senhause zu Neuburg angestellt. Aber nur
ein Jahr blieb er auf diesem Posten, es
drängte ihn in die Fremde und so verließ
er im Juni 1773 die Pfalz und begab
sich nach Wien, wo er unter dem berühm«
ten Astronomen I>. Max. Hel l ^Bd.VIII,
S. 262^ seine Lieblingswiffenschaft, die
Mathematik, fleißig betrieb und auch bald
von diesem als Aushilfsarbeiter verwen»
det wurde. Als im Jahre 1775 die neue
Normalschule zu Gratz in Steiermark
errichtet wurde, erhielt er im Juni g. I .
die Anstellung als erster Lehrer an der»
selben. 12 Jahre wirkte- er an dieser
Anstalt. I n der Zwischenzeit, im Jahre
4779, wurde er mit Bewilligung der Kai»
serin nach Pfalzbayern berufen, um den neuen österreichischen Normalschulplan
dort einzuführen und die imHerzogthume
Neuburg neu zu errichtenden Schulen zu
organisiren. Nach glücklich gelöster Auf-
gäbe wollte ihn der Churfürst als Hof.
kammerrath im Lande behalten. K. zog
es aber vor, zu seinem Lehramte nach
Gratz zurückzukehren. Da zu jener Zeit
eben die neue Steuerregulirung statt»
fand, bei welcher sich K. als geschickter
Geometer zur Ausmessung mehrerer Herr-
schaften u. dgl. m. verwenden ließ, zog
er sich bei dieser angestrengten Beschäf«
tigung, die meist im Freien stattfand, ein
Leiden zu, welches endlich einen so hefti»
gen Charakter annahm, daß es ihn öfter
wahrend des Vortrages in der Schule
befiel und er in Folge dessen 1737 seine
Entlassung erhielt. Da die Lehrer zu
jenerZeit noch nicht pensionsfahig waren,
ward K. brotlos. Alle Versuche, eine
andere Anstellung zu erhalten, waren
fruchtlos. K. übersiedelte also anfangs
1738 mit der Familie nach Wien. wo er
nach anderthalbjährigen Diensten als
Praktikant bei der Hofrechnungskammer
im Juni 1789 als Accessift zur inner-
österreichischen Buchhaltung nach Gratz
und von dort Ende Februar 1792 bei
Gelegenheit der Theilung Inneröster-
reichs in die drei Provinzen Kärnthen,
Krain und Steiermark als Raitofsicier
z'ur kärnthnerischen Provinzialbuchhaltung
nach Klagenfurt kam. Das Klima daselbst
sagte ihm wenig zu und nach mehrjähri»
gemLeiden starb er im Alter von 49 Iah-
ren. K. construirte mehrere mathematische
Instrumente, am meisten aber Compaffe,
von denen viele Tausende, die er ver»
fertigt, in alle Welttheile gingen. Dem
Tode nahe, arbeitete er noch an der»
gleichen, und als er ausgehaucht, fand
man ihn mit einem Magnete m der
Hand. Neben anderen mathematischen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Kosarek-Lagkner, Band 13
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Kosarek-Lagkner
- Band
- 13
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon