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magnetischen Vereins, dessen Beobach«
tungen und Mittheilungen Gauß in
den Stand sehten, in Verbindung mit
Weber die Theorie deS ErdmagnetiS«
mus zu entwickeln. Die Arbeiten Kr e i l's,
die. auch was Genauigkeit und Vielseitig»
keir in dieser Richtung betrifft, einzig in
ihrer Art dastehen, erwarben ihm die
Anerkennung berühmter Manner von
Fach, unter denen ein Gauß, Sir John
Herschel, SartoriuS vonWalters-
hausen und Humboldt genannt sein
mögen. Seine schon im Jahre 1832
begonnenen Beobachtungen des Mondes,
welche er durch fünf Jahre fortsehte,
führten ihn zu der Entdeckung, daß auch
der Mond magnetische Kräfte besitze und
daß demnach der Magnetismus, der bisher
bloß als terrestre Kraft angesehen wurde,
sich nun als kosmische Potenz zeige. Als
K. im Jahre 1838 bei seiner Ernennung
zum Adjuncten an der Prager Stern«
warte seinen bisherigen Wirkungskreis
Mailand mit Prag vertauschte, so bot
sich ihm an seinem neuen Bestimmungs-
orte eine dankenswerthe Aufgabe. Die
Prager Sternwarte war durch längjäh»
rige Krankheit ihres Directors ganz in
Verfall gerathen; daS Observatorium be«
fand sich in einem unerwartet schlechten
Zustande. Ein seit 38 Jahren vergeblich
betriebener Neubau war unumgänglich
nöthig geworden. K. griff energisch die
Sache an und brachte zu Stande, was
dei den damals obwaltenden Verhält«
niffen zu Stande zu bringen war. Die
Ausführung eines dem gegenwärtigen
Zustande der Wissenschaft entsprechenden
Observatoriums war auch seinen rastlosen
energischen Bemühungen nicht möglich
geworden, und in diesem Momente ist die
Nrsache zu suchen, warum K. auf seinem
Posten in Prag die astronomischen For»
fchungen und Beobachtungen den meteo» rologischen unterordnete. Aber auch dazu
ftossen die ämtlichen Mittel nicht reichlich
genug. „Von den Ersparnissen", wie
sein Biograph schreibt, „die er
sich durch
eine beispiellos einfache Lebensweise von
seinem, eines Gelehrten wie er es war,
ganz unwürdigen Gehalte (800 ft.) ab»
gekargt hatte, kaufte er sich die einfach-
sten und billigsten Instrumente selbst an;
aber es gelang ihm nicht, den Aufbau
einer eisenfreien Hütte auS Holz für die
magnetischen Beobachtungen durchzusetzen;
er war gezwungen, in einem gewöhnlichen
Locale sein Observatorium einzurichten
und an den Beobachtungen durch zeit»
raubende Berechnung die nöthigen Cor»
rectionen der örtlichen Einflüsse des im
Gebäude vorhandenen Eisens wegen an-
zubringen." Durch das Mühevolle seiner
Arbeiten unter so bewandten Umständen
ließ aber K. sich nicht abschrecken, viel«
mehr
steigerte
dieß seine Energie und um
so mehr, als es ihm gelang, mehrere
jüngere Kräfte um sich zu versammeln,
dtze Lust an magnetischen Beobachtungen
hatten, was ihn in die Lage setzte, den
Prager Beobachtungen eine größere Aus«
dehnung zu geben, als dieß selbst in Mai-
land der Fall war. So geschah es, daß
in der Frist von nicht mehr denn ander-
thalb Jahren das magnetische Obfervato-
rium in Prag für die damalige Zeit den
ersten Platz nach jenem von Göttingen
einnahm. Die obenerwähnte Mitwirkung
wiffensdurstiger Jünglinge war aber nur
von geringer Dauer. Die jungen Leute
mußten Einer nach dem Andern ihrem
Berufe nachgehen, bei dem magnetischen
Observatorium gab es für Kandidaten
keine Zukunft und bald blieb Kr eil wie-
der fast ganz selbst sich überlassen; nur
einer harrte bei ihm auS, K. Fritsch,
dessen biographische Skizze eines der
nächsten Supplemente dieses Lexikons
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Kosarek-Lagkner, Band 13
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Kosarek-Lagkner
- Band
- 13
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon