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Areutzberg 208 Areubberg
Erlanger Hochschule beziehen konnte. Dort
lehrten um jene Zeit Kanne. Schu
berr, Schel l ing; durch Kanne kam
K. mit Jean Paul in Berührung, der
ihn beredete, sich dem Erziehungsfache zu<
zuwenden. Eben im Begriffe, einen be<
stimmten Zebenslauf einzuschlagen, riefen
ihn die Conscriptionsgesetze seines Vater»
landes in dasselbe zurück, wo er zwar der
Militärstellung entging, aber die Erlaub
niß, zur Fortsetzung seiner Studien in's
Ausland zurückzukehren, nicht erwirken
konnte. Bei seinem nicht beendeten Bil>
dungsgange trat nun K. in einen kaiser-
lichen Kanzleidienst und arbeitete mehrere
Jahre bei dem Pilsner Kreisamte. I m
Jahre 1828, ob in Folge seiner Geschick»
lichkeit oder sonstiger günstiger Umstände
ist nicht festzusetzen, kam er zum Landes
gubernium nach Prag, wo der damalige
Oberstburggraf Kar l Graf Chotek
I M . II) S. 360) den jungen strebsamen
Mann bald erkannte und dem alltäglichen
geisttodtenden Manipulationsdienste ent-
zog. um ihn bei edleren selbstständigen
Arbeiten zu verwenden. K. wurde nun
den Geschäften der damals eben im Zuge
befindlichen Gewerbe-Ausstellung und des
Gewerbevereins zugewiesen, und nach»
dem er sich mit dem Detail dieser Ange-
legenheit und mit der. Bedeutsamkeit
der damit verbundenen Zwecke vollkom»
men vertraut gemacht, veröffentlichte er
die Schrift: „Ner Verein znr Onnnnternng ties
Gemerbsgeistts in Nähmen, seine Begründung nnd
Wirksamkeit" (Prag 1833). Nachdem K.
ebenso im Geschäfte wie mit dieser Arbeit
seine Befähigung vollkommen erprobt,
wurde er von den Vorstehern des Vereins
zu deffen Geschäftsführer ernannt und
veröffentlichte den „Nericht über dir böhmizche
Gewerbe-Ausstellung im Jahre 3831" (Prag
1833), die erste Arbeit dieser Art im Kai-
serstaate, da die böhmische Gewerbe-Aus« stellung der allgemeinen ersten in Wien
auch um volle vier Jahre vorangegangen
war. Im Jahre 1834 begründete K. m
den Mittheilungen für Handel und Ge«
werbe" ein eigenes Organ für die gewerh.
lichen Interessen zunächst seines Heimat»
landes, welches aber in Folge von Zer»
würfnissen, in die er mit den Vorstehern
des Vereins gerathen war, schon nach
^wei Jahren zu erscheinen aufhörte. Aber
auch den Staatsdienst, in welchem sich
ihm unter den bestehenden Verhältnissen
eben keine verlockenden Aussichten dar«
boten, gab er auf und widmete sich fortan
ausschließlich literarischen Arbeiten und
der gewerblichen Chemie. Die nachstfol«
gende Arbeit, welche durch das Geschick
m der Behandlung und das reiche statt»
stische Material die Aufmerksamkeit der
Fachmänner auf sich zog, wgr die „Zkiz-
sirte Ardermcht des gegenwärtigen Stankes nnd
üer Leistungen ulln Böhmens Oemerbä- nnb
FüllriksintlNZtrir in ihren uarMlichsten Zweigen"
(Prag 1836); diese Arbeit fand auch im
Auslande Anerkennung, und das ihm von
der philosophischen Facultät in München
zuerkannte Ehrendiplom eines Doctors
war eine anerkennende Frucht derselben.
Nm diese Zeit vermalte er sich mit der
Tochter eines in der industriellen Tech-
nik als Autorität geltenden hochgeschätz-
ten Mannes, nämlich Wilhelm Heinrich
von Kurre r's, eines gebornen Schwarz«
wälders, der aber zu jener Zeit eben Di«
rector der Kattunfabrik der Gebrüder
Porges in Prag war. Diese Verbindung
hatte nicht geringen Einfluß auf K.'s
spätere Lebensstellung. Seine umfassende
Kenntniß der Industrie seines Vater-
lanbes, seine Vertrautheit mit den all'
gemeinen für dieselbe giltigen Principien
und Forderungen, wie mit den jeweiligen
Verhältnissen im Einzelnen, seine schrift«
ftellerische Gewandtheit in Behandlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Kosarek-Lagkner, Band 13
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Kosarek-Lagkner
- Band
- 13
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon