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Kriehuber 224 Kriehuber
nach Kriehuber und keinem Anderen
gemalt ist. Noch ist ein Umstand in Krie«
huber's Bildnissen hervorzuheben. Es
ist bekannt, daß Bildnißmaler — und
selbst die besten — in Allem, was nicht
zum Kopfe gehört, mit mehr oder min-
derer Leichtfertigkeit vorgehen, das Bei-
werk sehr oft nach Schablonen arbeiten
und in der Compofition über das Brust»
stück selten
sich hinauswagen. Auch gibt es
Bildnißmaler, die keine Hand zu malen
verstehen; wieder andere haben, der eine
in Frauenköpfen, der andere in Männer»
Porträten ihre Stärke. Das ist bei
Kriehuber Alles nicht der Fall. Ob
Brust» oder Kniestück, ob ganze Figur,
einzeln oder in Gruppen, immer bringt
er ein in seinem ganzen Detail vollende»
tes Werk zu Stande und nicbt bloß der
Kopf, auch Haltung, Stellung der Per-
son sind Portrat. Seine Gruppenbilder
— man erinnere sich nur an eine Mari»
n6e bei LiSzt; an das Komiker-Kleeblatt
Nestroy, Scholz, Treu mann; dann
an die Capellmeistergruppe B i n d e r ,
Proch, Suppö, Storch und T i t l ,
an das Bivouac nach dem Gefechte bei
Schwechat mit den Porträts von Ie l -
laöi 6 , Franz Fürst 3 iechtenstein
und FM3. von Zeisberg, um von
andern nicht zu reden — sind einzig in
ihrer Art; alles dabei ist natürlich, unge-
zwungen, und so einfach es ist, immer im
hohen Grade malerisch. Wag aber ftine
Frauen« und Männerbildnifse anbelangt,
so ist es unmöglich, dem einen vor dem
andern den Vorzug zu geben. Sind seine
Frauengestalten voll Anmuth, Zartheit,
ist allen der Typus der Weiblichkeit und
Lieblichkeit — und selbst bei den minder
Schönen — der Einfachheit und Unge.
suchtheit, welche immer fesselt, aufgedrückt,
so adelt seine Männergestalten eine wohl»
thuende Hoheit und Würde, legt er in Blick und Haltung derselben den möglichst
poetischen Ausdruck, dessen der Einzelne
fähig ist, und wenn er sicb in der Tracht
im Allgemeinen auch an die Sitte der
Zeit hält, so weiß fein künstlerischer Blick
auch dafür Rath, das wechselnde Moderne
durch das künstlerisch Bleibende zu er-
sehen. Inbesonders edel und kraftvoll
sind seine Soldatenbildnifse, welche ge«
wohnlich als Kniestücke behandelt sind.
Der Vollständigkeit halber sei noch be.
merkt. daß K. nicht bloß Bildnißmaler
ist, sondern ihn sein Sinn für Natur und
Naturschönheit als Erholung in seinen
Mußestunden die Landschaftsmalerei wäh«
len ließ. Man wollte in dieser Vorliebe
des Künstlers für das Landschaftsfach eine
— wie man mit Geringschätzung zu
sagen pstegt — „Liebhaberei K r i e«
huber's" erblicken. Nun sei dem wie
ihm wolle. K.'s Landschaften, wenn sie
auch nicht seine Stärke sind, sind in der
That künstlerische Schöpfungen, auS
denen überall das sorgfältige Studium
der Natur spricht. K. unternahm auch
im nächsten Hinblick auf Landschaftsstudien
Ausflüge nach Oberösterreich ^837) und
in den späteren Jahren Kunstreisen nach
Tirol, der Schweiz und nach Oberita»
lieu. Weiter unten folgen die Uebersich»
ten von Kriehuber's lithographirten
Bildnissen, diese in der alphabetischen
Folge der Abgebildeten, ferner jene der
Aquarelle und Landschaften zum ersten
Male in jener Vollständigkeit, wie sie
dem Herausgeber dieses Lexikons nur
dadurch möglich wurde, daß er aus
nahezu 40 Folio«Cartons des Künstlers,
welche mehrere Tausende von Bildnissen
enthalten, selbst die Aufzeichnungen
machen und, da dieselben dennoch lücken«
aft waren, sie aus feiner eigenen, seit
zwei Iahrzehndm angelegten Sammlung
Krichuber'scher Bildnisse, dann aus
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Kosarek-Lagkner, Band 13
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Kosarek-Lagkner
- Band
- 13
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon