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248 Arombhol)
nafial.Gegenftanden zu unterrichten. Aber
nicht lange blieb K. in Bömisch'Leipa; als
ihm eines Tages ein Professor befahl,
einem Collegen, der seiner Nachlässigkeit
wegen bestraft werden sollte, einige Hiebe
mit dem Stocke zu geben, weigerte sich K.
entschieden, diesen Auftrag auszuführen
und verließ aus diesem Anlasse das Gym
nasium, zugleich aber auch die Stadt. Er
kam nun nach Prag und machte dort eine
harte Schule der Entbehrungen durch.
Nach vielen Bemühungen erhielt er end
lich die Stelle eines Chorknaben an der
Theinkirche in der Präger Altstadt. und
dadurch Kost und Wohnung. Zugleich
erhielt er eine Verwendung im Theater»
Orchester, bei dem Praupner,Musik«
director war. Nachdem er das Gymnasium
beendet hatte, verzichtete er auf jegliche
Unterstützung von Seite seiner Eltern und
Verwandten, und beschloß sich selbst fort«
zubringen. Eine kurze Unterbrechung in
seinen Studien veranlaßte im 1.1800 sein
Eintritt in die böhmische Legion, welche
im genannten Jahre errichtet worden.
Nachdem die Legion aufgelost worden.
setzte K. seine Studien fort und trat 1803
in den niedern Curs der Chirurgie. Er
beendete denselben und erhielt von dem
berühmten Arzte Dr. Held j^Bd. VIII ,
S. 243^ die Erlaubniß, seinen Leichen-Er«
Öffnungen beizuwohnen, welcher praktische
Unterricht für ihn von großem Nutzen
war. Nun begab sich K. nach Wien, um
dort die Vorträge über Augenheilkunde
und Staar-Operationen des berühmten
Professors Beer M . I , S. 222^ zu
hören. Nach seiner Rückkehr wurde er
1803 Magister der Chirurgie; begann
aber auf den Rath mehrerer Aerzte, die
ihn bereits kennen zu lernen Gelegenheit
gehabt, das Studium der Medicin und
trat 1808 in den ersten Jahrgang der
höheren Arzeneikunde. Während seiner Studienzeit erhielt K. provisorisch die
Prosectorsftelle. Zu gleicher Zeit unter»
nahm er, wenn es ihm sein Amt gestattete,
wissenschaftliche Reisen in's Ausland und
besuchte die für die Aerzte wichtigsten
Städte Bamberg, Berlin, Erlangen,
Erfurt, Halle, Jena und Würzburg.
I n Bamberg hielt er sich am läng»
sten auf, und das dortige Krankenhaus
und Irrenhaus und die medicinisch«chirur>
gische Schule unter des berühmten Dr.
Markus Leitung nahmen seine ganze
Aufmerksamkeit in Anspruch. Wie ernstlich
es K. mit seinem Berufe und den dazu
nöthigen Studien nahm, erhellet aus der
Thatsache, daß er sich in Bamberg bei
einem Irrsinnigen einsperren ließ und bei
demselben, um ihn zu beobachten, so lange
Zeit blieb, bis seine eigene Gesundheit
im hohen Grade gefährdet war und er
eine weitere Fortsetzung seines Beginnens
einstellen mußte. An der Erfurter Hoch»
schule erlangte er im Jahre 1811 die me»
dicinische Doctorwürde und im nämlichen
Jahre wurde K. Hausarzt im Prager
Privat>Waisenhause zu St. Johann dem
Täufer. Im I . 1813, nach Dr. O e ch y's
Tode, wurde er zum supplirenden und
bald darauf zum wirklichen Professor
der theoretischen Chirurgie. Iustrumen-
ten» und Bandagenlehre ernannt,' welche
Stelle er bis zum Jahre 1820 versah, in
welchem er, nachdem er in der Zwischenzeit
mehrere und oft länger dauernde Supft»
lkungen anderer medicinischer Fächer
versehen hatte, zum Professor der Staats-
arzeneikunde ernannt wurde. Eine noch
in demselben Jahre erfolgte Ernennung
zum Landisprotomedicus von Dalmatien
lehnte K. ab. Indessen wuchs sein Ruf
als Arzt und Lehrer immer mehr und
mehr; trefflich die klinische Anstalt leitend,
ver stand er es, genial und nutzbringend
zu lehren. Als Kliniker war er weit über
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Kosarek-Lagkner, Band 13
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Kosarek-Lagkner
- Band
- 13
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon