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Arommer 262 Krommer
als er 1814 nach Leopold Kozeluch's
ss. d. S. 92 j^ Tode sein Nachfolger als
Hofcapellmeister wurde und den Monar
chen auf seinen Reisen in Frankreich und
Italien begleitete. Bei dieser Gelegenheit
wurde ihm während seines Aufenthaltes
in Paris die Auszeichnung zu Theil, daß
das Pariser Konservatorium, um ihm
einen Beweis der Anerkennung seiner
Verdienste zu geben, den Künstler zum
Ehrenmitgliede erwählte. K. versah die
Stelle als k. k. Hofcapellmeister bis zu
seinem Tode, der ihn im Alter von
72 Jahren der Kunst entriß. Die Par-
titur eines Pastorais, das unvollendet
geblieben, war seine letzte Arbeit. K.
war ein sehr fruchtbarer Tonsetzer und
hat sich in allen Gebieten der Tonkunst,
das dramatische ausgenommen, mit mehr
oder weniger Erfolg versucht. Seine
Arbeiten gehören ihrem Charakter nach
jener Periode an, welche den Uebergang
von Haydn zu Beethoven kennzeich-
net. Ohne Mozart's Genie und Beet-
hoven's Schwung ist sein Styl correct,
seine Harmonie kräftig, seine Melodien
lieblich und natürlich, und erzielen seine
oft unerwarteten Modulationen eine vor»
treffliche Wirkung. Obgleich er viel für
die Kirche geschrieben, so ist doch nur eine
vierstimmige Messe in ut mit Orchester-
und Orgelbegleitung im Drucke erschienen.
Sonst sind nahezu anderthalbhundert
Compositionen von ihm bekannt und die
Hälfte davon ist gedruckt. Indem hier
die einzelnen derselben in ihrer Gattung
numerisch zusammengefaßt werden, wird.
wer ihre Titel einzeln kennen lernen will,
auf Dlabacz und Gerber gewiesen.
Krommer schrieb also fünf Symphonien
für großes Orchester, die erste in la, die
zweite und dritte in re., die vierte in
ut illinor^ die fünfte in rni Zs-mol- sie
sind bei Andre in Offenbach im Drucke, erschienen; — acht Harmonien, meist
für neun bis zehn Instrumente; —
sechs Marsche und ebenso viele nach
geschwindem Tempo; — fünf Violin»
concerte; — achtzehn Quintetten für zwei
Violinen, zwei Alto und Violoncell; —
neunundsechzig Quartetten für zwei Vio-
linen, Alto und Baß; — vier Duetten
für zwei Violinen; — zwei Concerte;
— sieben Quintetten und vier Quai-
tetten für die Flöte; — zwei Concerte
und zwei Quartette für die Clarinette;
— eine Concert-Symphonie für Flöte,
Oboe, zwei Alto, zwei Hörner, Violon«
cello und Contrabaß; — eine zweite
für zwei Clarinetten; — eine dritte für
Flöte, Oboe, obligate Violine, zwei Alto.
zwei Hörner, Violoncello und Contrabaß,
und eine vierte für Flöte, Clarinette und
obligate Violine. Während Zeitgenossen,
wie Gerber, nicht anstehen, K.'s Com>
Positionen so hoch zu stellen, daß er z. B.
sagt: „sie haben inneren Gehalt genug,
um die Aufmerksamkeit der Quartetten»
liebhaber auf
sich
zu ziehen und sich daran
mithalten zu können, wenn einmal in
den Novitäten. Verzeichnissen der große
Name Haydn außen bleiben sollte";
ein spaterer und tüchtiger Musikkenner,
wie Gaßner, seinen Tonstücken nach»
sagt, daß „sie ebenso sehr durch einen
humoristisch heiteren Charakter, als durch
eine interessante Behandlung sich auszeich-
nen", ja selbst die Franzosen „sog in61o-
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das Schladebach » Bcrnsdo r f'sche
Musik-Lerikon sein Urtheil über K. in
den unbegründeten Ausspruch zusammen:
Daß er geraume Zeit schon seinen eigenen
Ruhm überlebt hatte und alle seine Com«
Positionen in einem eingänglichen, ge.
müthlich heiteren Style, der nicht selten
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Kosarek-Lagkner, Band 13
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Kosarek-Lagkner
- Band
- 13
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon