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Krüger 272 Krüger
seiner Bedingung, den ersten Versuch
nicht in Berlin zu wagen, abzubringen
und ihm dann Gelegenheit zu verschaffen,
in Berlin selbst aufzutreten. Fleck fand
sich willig, ertheilte aber dem jungen
talentvollen Manne vorerst selbst Unter«
richt und studirte ihm drei Rollen, den
Kosinsky in den „Räubern", den Gra-
ftn Blumenkranz in Ayrenhoff's
„Postzug" und den französischen Be>
dienten in der „Henriette" ein. K. löste
zu Fleck's Zufriedenheit seine Aufgabe,
dieser überredete auch, wie der Sohn
gewünscht, den Vater, und am 14. Fe»
bruar 1783 betrat K. in den „Räubern"
zum ersten Male die Bühne. K. spielte
den Kosinsky und gefiel. Noch trat K.
nach der Reihe in den oben genannten
Rollen auf, gefiel auch in diesen und
wurde sofort engagirt. So lange Dob-
belin Director war, fand K. Gelegen»
heit, sein Talent zur Geltung zu bringen;
nicht so, als Prof. Engel, der bekannte
Verfasser der „Mimik", die Leitung der
Bühne übernahm. Engel hatte gegen
K. eine vorgefaßte Meinung, erklärte ihn
für talentlos und setzte ihn in so auf>
fälliger Weise zurück, daß K.. dieses
demüthigende Verhältniß länger zu er»
tragen außer Stande, seine Stelle aufgab.
K. war als Erbe der mittlerweile gestor-
benen Eltern wohlhabend und nicht
gedrängt, eine neue Stelle zu suchen.
Seine Schwester, nachmals verheirathete
Demmer, war auch zum Theater gegan»
gen; mit ihr verband er sich nun zu
einer Kunstreise durch Deutschland. Eine
kurz vor ihrer Abreise staltgehabte Zu«
sammenkunft mit Koch, der eben in
Berlin gaftirte, hatte eine Einladung
Koch's zur Folge, auf ihrer Künstler-
fahrt nach Mainz zu kommen, wo Koch
das churfürstliche Theater dirigirte. um
dort auf Engagement zu gastiren. Krü- ger nahm diesen Antrag an, ging vorerst
nach Magdeburg, dann nach Braun»
schweig, wo er und seine Schwester sehr
und am letzteren Orte so sehr gefielen,
daß der eben damals in Braunschweig
anwesende Director des Theaters von
Hannover, der Dichter Groß mann.
den Geschwistern Anträge der vortheilhaf»
testen Art für die dortige Bühne machte.
Beide hielten sich zwar durch Koch
gebunden; endlich aber siegte Groß-
mann und da dieser einen bestimmten
Engagementsantrag machte, während
sie in Mainz erst auf Engagement
spielen sollten, nahmen sie denselben
an und gingen nach Hannover. Im
Herbste 1788 betraten die Geschwister
mit durchgreifendem Erfolge die dortige
Bühne. Ein Jahr lang blieben beide
in Hannover, als der mißliche Stand
der Großmann'schen Vermögensver»
hältniffe eine Auflösung des Krüger-
schen Engagements zur Folge hatte. Im
Sommer 1789 begaben sich die Ge-
schwister nach Amsterdam, wo Krü g er'S
Schwester den trefflichen Tenoristen
Demmer kennen lernte und bald dessen
Frau wurde. Demmer's Berufung an
die Weimarer Bühne hatte zur Folge,
daß auch Krüger dort Engagemem
fand und Anfangs 1791 dahin über»
siedelte. Drei Jahre bildete er sich dort
unter Goethe's unmittelbarer Leitung,
kam mit Gotter und Schiller in
Berührung, und eine Vorlesung der
„Räuber" Schiller's durch Ersteren
erregte Krüger's Bewunderung und
hatte jene Auffassung der Rolle des
Franz Moor durch ihn zur Folge, mit
der er einen so glänzenden Erfolg erzielt
hatte. Ostern 179o folgte K. einem
zweiten Rufe nach Amsterdam, wo aber
die theatralischen Verhältnisse mittler«
weile sich so verschlimmert hatten, daß
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Kosarek-Lagkner, Band 13
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Kosarek-Lagkner
- Band
- 13
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon