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Krüger 273 Krüger
K. sofort einen Antrag des Regisseurs
der Dresdner Hofbühne. Opitz, annahm
und diesem, der mit seiner Gesellschaft
bereits nach Prag abgegangen war.
nacheilte. Statt aber' bei Opih Auf-
nahme zu finden, der, da er keinen Brief
Krüger's erhalten haben wollte, sich
um einen Anderen umsah, wurde K. von
dem Director des Nationaltheaters in
Prag, von Spengler, engagirt. K.
gefiel sehr in Prag und wurde Regisseur
des Nationaltheaters. Als aber dieses eine
Beute der Flammen wurde, grämte sich
- Spengler so sehr über seinen schweren
Verlust, daß er an den Folgen seines
Kummers in kurzer Zeit starb. Krüger
heirathete nun Spengler's Witwe.
Nach mannigfachen Wechselfällen über»
nahm er mit seiner Fraiz die Direction
einer Truppe, welche in Prag. in Karls-
bad, in Leipzig und in Chemnitz spielte.
Die Direction in Leipzig richtete aber
K. vollends zu Grunde und es kam so
weit, daß er seine, Gesellschaft auflösen
mußte und gastliche Aufnahme bei dem
Grafen Wald stein zu Dux in Böhmen
suchte, welche er auch fand. Von Graf
Waldstein erhielt er Empfehlungen an
den Grafen Ugarte in Brunn, wo er nun
Gastrollen gab und so sehr gefiel, daß er
sofort engagirt wurde. Kaum ein halbes
Jahr war K. in Brünn thatig, als
er einem Nufe des Irciherrn von Braun
Md, I I , S. 123) an die Wiener Hof>
bühne folgte, welche er im Jahre 1892
zuerst betrat und deren Mitglied er bis
zu seinem Tode, also volle 26 Jahre
blieb. Seine vorzüglichsten Rollen waren
die chargirten Charaktere des Lustspiels,
polternde gutmüthige Alte, komische
Intrigants, z. B.: Capitän Franz
Bertram in Kohebue's „Bruder-
zwist"; Baron Pelz in „Sorgen ohne
Noth", eine Hogarth'sche Figur; Hof»
v. Wurzbach, biogr. Lexikon. XIII. lGed marschall von Kalb in „Kabale und
Liebe"- Geheimrath von Wallenfeld
in I f f land's „Spieler"; der Capi>
tän in „Heinrich's V. Jugend"; Baron
Prachenstein in Clauren's „Bräuti»
gam aus Mexiko"; der Amtsrath im
„Hotel von Wiburg"; derWannerin
Iff land's „Herbsttag"; der alte
Klingsberg in Kotzebue's „Die
beiden Klingsberg"; Rasch in den
„Falschen Vertraulichkeiten". Tragische
ernste Rollen sagten ihm hingegen wem«
ger-zu. Krüger zahlte zu den Künstlern
der im Aussterben begriffenen alten
deutschen Schule, und mit einem kräf«
tigen Auffassen der Gesammtheit des
Charakters, an welche Stelle jetzt das
stückweise Zusammenleimen einzelner Mo»
mente s^iehe D awison^ getreten, ver«
band er eine erstaunliche Bühnenstcher»
heit. Als der einst so beliebte Veteran
Müller von der Bühne abtrat, ward
K. der Erbe seiner Rollen und es gelang
ihm, seinen so tüchtigen Vorganger als»
bald vergessen zu machen. — Krüger's
Tochter Anna Fcodorownn (geb. zu St.
Petersburg 28. Februar 1792. gest. zu
Pesth 4. August 1814) war eigentlich nur
dessen Adoptivkind, welches er mit noch
zwei anderen Kindern aus der ersten Ehe
'einer Frau, der Witwe Spengler,
adoptirt hatte. K. vertrat Vaterstelle an
hnm und bildeteA nnaFeodorowna,
die großes Talent für dieBühm beurkun-
dete, mit aller Sorgfalt für dieselbe.
Früh trat sie in Kinderrollen auf. Im
Alter von 15 Jahren wurde sie bei dem
Theater an der Wien engagirt und betrat
.ich Bühne zum ersten Male am 1. Sep-
tember 1804 als Amal ie in Schi-
aneder's „Hauer in Oesterreich". Als
Schikaneder im Jahre 1803 die
Direction des Brünner Theaters über«
nahm. folgte ihmNnnaFeodorowna
27. Jänner l865.) 13
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Kosarek-Lagkner, Band 13
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Kosarek-Lagkner
- Band
- 13
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon