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Krunrphol) 279 Krumpholz
ging zuerst nach Deutschland und als er
überall großen Beifall erntete, begab er
sich nach Paris, wo er mit seiner Pedal»
Harfe allgemeines Entzücken hervorrief.
I n Paris wurde er als Lehrer bald sehr
gesucht und K. bildete viele Schüler und
Schülerinen, unter letzteren auch seine
spatere Frau, die ihm seine Liebe mit
schnödem Undank lohnte. I n Paris ver>
besserte er sein Instrument, und zwar
in so bemerkenswerther Weise, daß die
kön. französische Akademie der Wissen-
schaften in ihrer Sitzung vom 21. De-
cember 1787 über seine Verbesserung
nachstehenden Bericht ertheilte: „Mit
Beihilfe des geschickten Mechanicus Na»
der mann hat K. die Harfe mit einem
doppelten Pedal versehen. Durch das
eine öffnet er stufenweise gewisse Klap-
pen, wodurch er nach und nach den
Ton bis zum ^ortissimo anwachsen
lassen, ihn verlängern und wellen»
förmige Bewegungen hervorbringen
kann. Das andere Pedal dient dazu,
um die stärkeren Saiten mit einem
Streifen Büffelleder und die zarteren
mit einem seidenen Bande nach und
nach zu bedecken, mithin die Vibration
der Töne zu hemmen und sie durch
unmerkliche Abstufungen vom ^orto bis
zum ZuiorL^näo zu bringen". I n seinem
vierzehnten Sonatenwerke gab er selbst
einen umständlichen Bericht davon. Eine
andere, für dieses Instrument nicht minder
erhebliche Erfindung machte er gemein»
schaftlich mit Sebastian Nrard , indem
er die Crochets der Harfe durch einen
neuen sinnreichen Mechanismus ersetzte.
Neberhaupt war K. ein Musiker von
ungewöhnlicher Begabung, der überdieß
durch die gute Schule, die er bei
Haydn genoffen, viel gewonnen hatte.
Sein Selbstmord war, wie oben ange»
deutet, durch die Untreue seiner Gattin veranlaßt. Sie war von Geburt ein
Fräulein Meyer aus Metz und ein
vermögenloses Mädchen, wurde seine
Schülerin und zuletzt Virtuosin sonder
Gleichen auf dem Instrumente. K. ver»
liebte sich in sie, als sie noch seine
Schülerin war und heirathete sie. Nach
kurzem Beisammenleben lief sie mit einem
jungen Burschen davon und nach Eng»
land. wo die Zeitungen anfangs März
1790 meldeten, daß ihr Mann mit
einer tödtlichen Wunde am Kopfe in
der Seine ertrunken gefunden worden
sei. Von K.'s Kompositionen ist meh-
reres im Stiche erschienen, u. z.: „Hs-
ü") 0p. 2; —
0p. 3;
— „XXXll «sonnten liir M'fe, mit Begleitung
ürr Viüline", in der Nummernfolge seiner
Opera sind diese Sonaten mit den Opus-
Zahlen 1, 8, 12, 13. 14, 13, 16, 17
und 18 bezeichnet, alle, mit Ausnahme
der drei letzteren zu London erschienen,
sind in Paris gestochen; — „VI grosse
(5llnm'te kür die Mrte, mit vollem Orchester",
in der Nummernfolge seiner Werke
0p. 4, 6, 7 und 9; eines derselben hat
Storace für das Clavier eingerichtet
und in London stechen
lassen; — „Dsnn
. 11 s?a.i-i8); —
1796); — „^'
(?Hri5). Mehreres, vor«
nehmlich Solostücke, hat sich in seinem
Nachlasse gefunden. Seine Gattin feierte
in London mit ihrem Spiele große Er»
folge und lebte dort als eine der ersten
Harfenspielerinen des Kontinents, wenn
sie nicht die erste war, von 1790 bis
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Kosarek-Lagkner, Band 13
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Kosarek-Lagkner
- Band
- 13
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon