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Kubinek 28? Kubinek
Richtung in seinem Wesen nahm bald so
überHand, daß er das bauerliche Geschäft
aufgab, seinen Grund und Boden ver«
kaufte und nur von den mäßigen Zinsen
seines Capitals lebte, mit denen er über>
dieß viel Gutes wirkte. Seit dem Jahre
1833 besteht in Böhmen die Bruderschaft
des H. Johannes Nepomuk. welche sick
mit Herausgabe andächtiger Schriften für
das Volk beschäftigt. Vorerst begann K.
damit, die Schriften dieses Vereins seinen
Standesgenofsen anzuempfehlen. Als er
den lohnenden Erfolg dieses Vorganges
sah, erbat er sich von dem Erzbischof von
Prag die Erlaubniß, durch Böhmen und
Mähren im Interesse der genannten
Bruderschaft pilgern und ihre Schriften
unter das Volk vertheilen zu dürfen. Als
später in Brünn die Bruderschaft der
Heiligen Cyrill und Method, die neben
kirchlichen auch nationale Zwecke verfolgt,
dann in Königgratz die Bruderschaft der
Kleinen, welche sich die Vertheilung sla«
vischer Schul, und Kinderbücher unter
die Jugend angelegen sein läßt, sich bil»
deten, stellte sich K. sofort beiden zur
Verfügung, um durch Haufirentragen
und Anempfehlungen ihrer Schriften die
Zwecke beider Gesellschaften zu fördern.
Von stattlicher Gestalt, mit schwarzen
Haaren, mit Gesichtszügen, denen der
Stempel slavischer Abstammung aufge»
drückt ist, im langen weißen Neberrock
— wie solchen die mährischen Land»
bewohner tragen— einen Hut auf dem
Kopfe und eine grüne schmale Kiste
auf dem Rücken, so wandert K. seit
15 Jahren Jahrein Jahraus von Ort zu
Ort, von Gemeinde zu Gemeinde als
Missionär, Geschäftsführer, wandelnder
Buchhändler und Werber der oben ge«
nannten Bruderschaften. Aber sein Ge«
schaft ist nicht etwa der bloße Verkauf
und die Vertheilung der Bücher. K. hat sich selbst eine höhere Aufgabe gestellt.
Er wirbt für diese Bruderschaften mit
aller Macht einer Beredsamkeit, die um so
wirksamer ist. als K. nicht eben von einem
Vortheil dabei geleitet wird; denn K.
unterzieht sich diesem schweren Geschäfte
rein aus Ueberzeugung, im Interesse
für die Sache, für die er schwärmt und
die er zu seiner eigenen gemacht. Er läßt
sich nicht so leicht einschüchtern; ein
abweislicher Bescheid macht ihn nicht
irre; er fühlt sich berufen, die Sache zu
erklären; er predigt nicht Nationalhaß,
nichts weniger als das, denn er kennt gar
kein anderes Volk als seine slavischen
Iandsleute, denen er aber eine große
Zukunft prophezeit; dabei malt er mit
lichten Farben und gewinnt auf diese
Art durch seine Beharrlichkeit und sein
Geschick zu werben, immer neue Theil-
nehmer. So hat sich auch das Verhakt«
niß der Dorfbewohner zu ihm eigen-
thümlich gestaltet. K. genießt allgemeine
Achtung und ein unbegrenztes Vertrauen;
er erhebt die Beträge für die Bruder»
schaften von den verkauften Büchern ein-
fach von den Dorfbewohnern, ohne eine
Quittung oder irgend einen Schein, und
es ist noch nie ein Fall vorgekommen,
daß ein bezahltes Geld noch einmal wäre
gefordert worden, weil es K. abzugeben
versäumt oder vergessen hätte. So sind
durch K. viele Tausend und Tausend —
wie der „^oxor" meldet — weit über
Hunderttaufend slavische Andachts« und
Volksschriften der genannten Vereine unter
das gemeine Volk in Mähren vertheilt, und
auf diese Weise die religiösen und natio-
nalen Zwecke dieser Bruderschaften durch
einen schlichten Bauersmann in viel wirk-
samerer Weise gefördert worden, als es
auf anderen Wegen hätte geschehen tön-
nen. Kubinek ist das lebendige Muster«
bild, auf welche Weise große Zwecke mit
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Kosarek-Lagkner, Band 13
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Kosarek-Lagkner
- Band
- 13
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon