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schen Charakters halber hochwillkommen
war. Die nähere Umschau auf dem
französischen Boden rief das dreibändige
Werk „Französische Lustschlösser" hervor,
worin er die Geschichte der französischen
Helden vonFranz-1. bis zu der Maitres-
senwirthschaft in Versailles in färben-
reichen Skizzen dargestellt. In der 6a-
1<3ris äsä «6l58 zu Fontainebleau trat
aber die Erinnerung an den von der
schwedischen Christine gemordeten M o-
naldeschi so mächtig an ihn heran, daß
er ihn zu seiner ersten Bühnendichtung
verwendete, nachdem er über ein Iahr-
zehend hindurch der dramatischen Muse
untreu gewesen. Weiter schildert L. die
Lustschlösser Chambord. Eu. Pau, St.
Germain. Versailles und das ehemalige
Residenzschloß der arabischen Emire, die
Kaschba. Das Leben des ritterlichen
Franz I. bot ihm in der bekannten
Maitresse desselben. der anmuthigen
Franyoise Chateaubriant, Stoff zu
einem größeren Roman, in welchem er
das traurige Schicksal dieser Frau poetisch
behandelte. Noch fallen in diese Zeit
„Der Prätendent", eine Skizze, hervor»
gerufen durch das plötzliche Auftauchen
des Urmachers Naundorf als Lud»
wig XVII., „Der belgische Graf", und
gleichsam den Schluß dieser französischen
Eindrücke bildet seine „Charakteristik der
Frauenbilder der George Sand", eine
ebenso geistvolle als im Wirrsal der folgen«
den Jahre leider zu rasch vergessene Arbeit.
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland
schildert 3. im Roman „Die Bandomire"
die Geschicke eines böhmischen Adolsge»
schlechtes, das im 47. Jahrhundert nacb
Kurland übersiedelt war und dort ihr
tragisches Ende gefunden hat. Indem
man daraus eine treue Darstellung der
Physiognomie dieses deutschen, aber den
Deutschen fast völlig unbekannten Landes erhält, Aufschlüsse über die geistige und
sittliche Richtung der Bewohner, färben»
volle Schilderungen der kräftigen Mann»
lichkeit der Helden, ist doch der eigentliche
Roman für das Massenhafte des Stoffes
zu sehr zusammengedrängt und dieses
Buch wohl dasjenige Laube's, welches
am wenigsten Glück gemacht. Glücklicher
ist er, als er wieder zu der ihm so geläufi»
gen Reisenovellistik zurückkehrt und seinen
Aufenthalt in Skandinavien in seinem
„Die drei Königästädte im Norden", Reise»
schilderung mit Novellistik und geschicht»
licher Charakteristik verschmelzend, in
lebendiger und anziehender Weise schil»
dert. Auch hat L. in dieser Zeit, 1842
bis 1844, neuerdings die Redaction der
„Zeitung für die elegante Welt" über'
nommen. Vergebens hat sich Heraus-
geber bemüht, irgendwo aufzufinden, wie
es denn kam, daß Laube in sein eigent»
liches Element, das Drama, endlich
hineingerieth, daß er dann auch, nach»
dem er es als solches erkannt, nicht
wieder verließ, es wäre denn, daß er
ihm nach dem so erfolgreichen Wieder»
auftreten im Roman in neuester Zeit,
wieder untreu würde. Kurz vor der
Wiederaufnahme der Redaction der
„Zeitung für dic elegante Welt" eröffnete
er in Leipzig mit „Monaldeschi" die Reihe
seiner Dramen, welche, wie einer seiner
Biographen treffend bemerkt, den zur
hohlen Phrase gewordenen Kothurngang
der deutschen Bühne mit dem frischen
Reiz kecker Probleme und gesunder dreister
Natürlichkeit verdrängen halfen. Bald
machte „Monaldeschi" ^inWienzumersten
Male am 23. März 1843 und bis zum
10. Jänner 1864 38 Mal gegeben^ die
Runde auf allen deutschen Bühnen von
einiger Bedeutung, und bald erkannte
man, welch eine Kraft inLaube der deut-
schen Bühne gewonnen sei. Nachdem er die
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Band 14
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Laicharding-Lenzi
- Band
- 14
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 550
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon