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Laube 201 Laube
schuhen die Sache an und ließ sich auch
von dem übermüthig gewordenen Schlen<
drian ganz und gar nicht verblüffen
In seltenem Grade energisch und in
dem Maße eine unverwüstliche Arbeits
kraft, wurde er übrigens von der Iour.
nalistik unterstützt, die es wohl ganz
fühlte, daß sie dem zum Director einer
Hofbühne aufgestiegenen früheren ein>
fachen, wenngleich anerkannten Schrift-
steller in seinem an und für sich schwiert»
gen, unter den damaligen Verhältnissen
aber doppelt schwierigen Geschäfte hilf-
reich unter die Arme greifen müfse.
Nahezu sechszehn Jahre führt nun 3.
die artistische Leitung der Wiener Hof>
bühne in einer Zeit, in welcher das
deutsche Theater entweder in einer Krise
begriffen ist oder seinem Verfalle enr<
gegen geht. Was die Leistungen 3au>
be's in dieser Stellung betrifft, gibt uns
Emil Kuh, als er anläßlich des Con>
flictes, der Ende 4864 wegen Beeinträch»
tigung der Befugnisse des Directors mit
dem Oberftkämmercramte Statt hatte,
Laube's Wirksamkeit übersichtlich schil-
derte, die zuverlässigsten Aufschlüsse. Er
hat, schreibt Kuh, das zerfahrene
Nepertoir D ei n h a r d stein's und
Holbein'S fest gegliedert, und dessen
Lücken nach vielen Seiten lobenswerth
ausgefüllt; er hat für das präcise Ein«
halten der für jede Woche bestimmten
Vorstellungen gesorgt und die Proben
mit einem Fleiß und einer Ausdauer
dirigirt, wovon der jeweilige Theater-
abend sprechend Zeugniß gab; er hat die
Scenirung auf eine Stufe der Ausbil»
düng gehoben, welche vor ihm nicht
wahrzunehmen war; er hat dem Burg»
theater und daher dem deutschen Theater
überhaupt mehrere glänzende achtung«
gebietende Schauspielkräfte zugeführt,
wie die Damen: Seebach, Boßler, Wolier, Baudius, Bognär und
Gabi l lon; die Herren: Dawison,
Sonnenthal, Lewinsky, Bau«
meifter und Gabi l lon — Herr
Wagner war schon in Berlin als ein
sehr guter Schauspieler bekannt; die in
den ersten Jahren seiner Leitung hervor-
stechende Pstege S h a k e s s p e a r e's ssiehe
S. 209, in den Quellen: VI. Einzel-
heiter^; die bühnliche Wiederbelebung
der Werke Gril lparzer's und das
Emporziehen der Dramen Otto Lud«
w i g's; diese Thatsachen werden immer«
hin als würdige Erinnerungszeichen an
Laube's Direction in der Chronik des
Theaters zu bezeichnen sein. Wie schr
ihn auch sein anstrengendes Amt in An«
spruch nahm, beweist die Thatsache, daß
er feit Antritt desselben bis 1837 kein
Zeichen schriftstellerischer Thätigkeit g/>
geben, und im genannten Jahre nach
sechsjährigem Schweigen zuerst wieder
mit dem fünfactigen Drama „Esser"
auftrat, welchem dann in einiger Zeii
das Drama „Montrose, der schwarze
Markgraf" folgte. In neuerer Zeit wie»
der ist 3. zu dem durch zwei Decenni?ti
von ihm vernachlässigten Roman zurück»
gekehrt und mit einem größeren histori»
schen Noman „Der deutsche Krieg"
aufgetreten, mit welchem er vorerst die
durch Louise Mühlbach, Brachvogel
und Consorten verwahrloste oder ricb-
iger gesagt vernichtete künstlerische Form
des Nomans gerettet, überdieß aber auch
m Roman die für die deutsche Geschichte,
die politische Entwickelung und die
Lösung der religiösen Frage so wichtige
Zeit des dreißigjährigen Krieges in höchst
plastischer Weise dargestellt hat. Von
en drei Büchern, die das ganze Werk
ilden soll, sind die ersien zwei und zwar
as erste. «Junker Hanns", in vier Thei-
'en und das zweite. .Waldstein", in drei
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Band 14
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Laicharding-Lenzi
- Band
- 14
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 550
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon