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Lauterer 227 Lauterer
Inn von Wrede und Deroy geführten
Truppen unbehelligt zu lassen und wen-
dete dadurch unabsehbares Unheil ab. ES
bot einen ganz eigenthümlichen Anblick,
die zwei feindlichen Machte, ganz schlag»
fertig und gut bewaffnet, aber ruhig
neben einander deS Weges ziehen zu
sehen. Bewaffnete Bauern sprachen unter«
wegs die feindlichen Soldaten um Rauch-
tabak an, und willig reichten diese ihren
Gegnern die Tabaksbeutel dar, woraus
sich die Bauern nun ihre Pfeifen stopften.
Beim Abschied riefen ihnen aber die
Tiroler manchmal boshaft zu: „Auf bal>
diges Wiedersehen". Zwei Monate später
diente 3. als Bataillonsarzt in Leutasch
und leistete durch 6 Wochen mitten unter
blutigen Kämpfen die ersprießlichsten
Dienste, besonders am 43. August beim
Höt t inger Walde, wo er in der
Doppelrolle als Anführer seiner Schützen
und als Wundarzt vollauf zu thun hatte
und als Letzterer auf dem Verbandplatze
der Letzte mit genauer Noth dem andrän»
genden Feinde entging. Hofer berief
nun den erprobten Schühenführer und
Helfer in blutiger Noth als Oberarzt in's
Gericht Ehrenberg, wo 40 Schützencom«
pagnien kampfbereit standen und wo sich
L. nun durch übermäßige Anstrengung
ein schweres Leiden, das ihn Jahre lang
quälte und ihn mehrere Male dem Tode
nahe brachte, geholt hatte. Im Jahre
1848 konnte L. bereits altershalber selbst
nicht mehr mitziehen, aber wesentlich
wirkte er mit, daß zwei Compagnien auS
Pfunds unter Hauptmann Gasser und
Oberlieutenant Preis« Senn an die
Landesgrenze rückten. L. war dreimal
decorirt: mit der großen zehn Ducaten
schweren landschaftlichen Ghrenmedaille,
dann mit einer, die nur den ausgezeich.
netsten Schühen-Officieren verliehen wor-
den und mit einer silbernen. Sämmtliche Medaillen aber wurden ihm Ende No»
vember 1809, wahrend er an einer schwe«
ren Krankheit darniederlag, von einem
plündernden bayerischen Soldaten ge»
raubt. Auch als Arzt besaß L. einen aus»
gezeichneten Ruf und bereits im Jahre
1803, als ihn die Gemeinde Pfunds als
Wundarzt berief, heißt es im Aufnahms-
Protokolle: „Diesen Mann haben die
Pfundser Schützen in den Neunziger Iah«
ren theils als einen tüchtigen Feldarzt,
theils als einen tapferen Hauptmann
kennen und schätzen gelernt, der ebenso
geschickt ist die Lanzette zu führen als
den Degen". 3. lebte seit Iahrzehenden
im Thale Engadein als geachteter und
gesuchter Arzt und war zugleich Haupt«
mann der Albeiner Schützencompagnie.
Durch einen Sturz über eine Dachstiege
zog er sich einen schmerzhaften Tod im
hohen Alter von 84 Jahren zu. Gefragt,
wodurch er so alt geworden, antwortete
er weise: „Mit langsam Leben".
Volks» und Schützen«Zeitung (Innsbruck,
40.) i x . Jahrg. (l333), Nr. 31-33: „Aus
dem Leben eines Veteranenhauptmanns. Von
Alois Mor igg l " snach diesem ist L. am
29. Juli 1777 geboren. Dieser Aufsatz ist auch
in einem Separatabdrucke erschienen^; — die«
selbe, XVI. Jahrg. (!86l), Nr. 6Z: „Laute.
rer'6 Beerdigung"; Nr. 64: „Lauterer's Ne»
krolog" ^nach diesem ist L. am 20. Juli 1777
geboren). — Noch ist eines Künstlers dieses
' Namens zu gedenken, den Dudik Adam
Lauterer, Mechel und Nagler aber Vd.
Lauterer, nennen. Dieser Maler (geb. zu
Wien im Jahre 1700, gest. ebenda nach Du-
dik und Mcchel 1733. nach Nagler 1735).
war ein Schüler des Malers I . Orient;
er malte Landschaften und Historien und nahm
in ersteren die Arbeiten des berühmten Niko»
laus Berghem sich zum Horbilde. Mit
Franz Noldinger und noch einem anderen
Maler betheiligte er sich an der Verfertigung
des Hochaltars in der St. Ignazkirche zu
Iglau in Mähren. In der Belvedere«Gallerie
befinden sich von ihm zwei Bilder: „Land»
schaft. ein Hirt, der seine Herde bei einem
Wasser weidet", auf Leinwand gemalt (Höhe
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Band 14
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Laicharding-Lenzi
- Band
- 14
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 550
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon