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8. PVocop (I.) Graf L. (geb. 14. Septem'
der 1741, gest. o. August 1804), ein Sohn
des Grafen Mar im i l i an Joseph aus
dessen Ehe mit Theresia Gräfin Lissau.
Seine Bildung erhielt er in Wien im There«
sianischen und Saooyischen Institute. Erst
20 Jahre alt, wurde er als Appellationsrath
auf der Herrenbank installirt und bald dar«
auf Kreishauptmann des Berauner Kreises.
Im Jahre 1730 ernannte ihn Kaiser Io«
seph I I . zum Appellations'Präsidenten in
Galizien, bei welcher Gelegenheit er auch
die geheime Nathswürde erhielt. Im Jahre
1783 wurde er Vicepräsident des böhmischen
Guberniums in Praa und im folgenden
Jahre oberster Lehenrichter in Böhmen. 1789
Landrechtspräsident und oberster Landrichter
in Böhmen. Im nämlichen Jahre wählte
ihn die kön. böhm. Gesellschaft der Wissen,
schaften an Stelle des durch den Tod ab»
berufenen Kar l Egon Fürsten zu Fürsten»
berg zu ihrem Präsidenten. Im Jahre 1792
zum Gubernial'Vräsioenten und Oberstburg«
grasen in Böhmen ernannt, wirkte er bis
1794 auf diesem Posten, in welchem Jahre
er als Präsident der obersten Staatscontrolle
nach Wien berufen wurde. 1796 zum obersten
Directorialminister ernannt, wurde er bald
darauf Hofkammer« und Banco«Hofdeputa<
tions.Präfident. Als im Jahre 1800 seine
Berufung zum obersten und ersten österrei«
chischen Kanzler erfolgte, verlautete es in
maßgebenden Kreisen, seine Entfernung vom
Finanzfache sei über Anstiften der Geistlich«
keit geschehen, welche fich in ihrem materiellen
Verhältniß schwer gefährdet sah durch einen
von ihm verfaßten Vorschlag, dem zu Folge
das in den österreichischen Landen entstandene
Deficit in den Finanzen dadurch gedeckt wer-
den sollte, daß man die Güter der Geistlich«
teit zum Besten des Staates verwalten, und
die Geistlichkeit auf Besoldungen setzen sollte.
Im Jahre 1802 wurde L. oberster Justiz«
Präsident. L. war ein hochverdienter und
humaner Staatsmann. Als böhmischer und
oberster Kanzler übte er auf das Studien»
und Censurwesen einen wohlthätigen Einfluß
und schützte und ehrte verdienstvolle Gelehrte,
um die Bürger Wiens aber hatte er sich so
viele Verdienste erworben, daß sie ihm daS
Bürgerrecht, eine damals viel seltenere Aus»
zrichnung, als heutzutage, verliehen. sAllge«
meine Li teratur .Zei tung 1805, Intelli«
genzblatt Nr. 3, S. 23. — Baur (Samuel).
Allgemeines historisch.biographisch.literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen,
die in dem ersten Iahrzehend des neunzehnten
Jahrhunderts gestorben sind (Ulm 1816, Stet'
tini. gr. 8«.) Bd. I, Sp. 811. — Oester.
reichische B iedermanns 'Chron ik .
Ein Gegenstück zum Fantasten- und Prediger«
Almanach (Freiheitsburg sAkademie in Linz j^
1783. kl. 8<>.) I. (und einziger) Theil. S. 130.
— Parträt. Unterschrift: Procop Graf La«
^anZky, Direktorialminister und Präsident der
obersten Staatscontrolle. V. Kininger ä.si.,
C. Pfei f fer 20. Visunao 1797, Medaillon«
format.) — 9. Procop (II.) (geb. im Jahre
1771, gest. 5. August 1824), der älteste Sohn
des Grafen Procop (I.) aus dessen erster
Ehe mit Walburg is Gräfin Kolowrat<
Krakowsky. I n der Theresianischen Ritter«
akademie erzogen, beendete er die Rechts»
studien an den Hochschulen in Wien und
Prag, betrat 1791 als Praktikant des Kaurzi«
mer Kreises die politische Laufbahn, nach«
dem er früher zwei Jahre als Lieutenant des
Carabinier» Regiments Herzog Albrecht den
Kriegsdienst kennen gelernt. Im Jahre 1796
wurde er Kreishauptmann in Leitmeritz, drei
Jahre später k. k. Gubernialrath in Böhmen.
Im Jahre 1803 zum Vicepräsidenten des
galizischen Landesguberniums und zugleich
zum geheimen Rathe ernannt, erfolgte schon
in -kurzer Zeit darnach seine Berufung als
Gouverneur von Mähren und Schlesien. Im
Jahre 1813 wurde er zum Hofkanzler in
Wien und im folgenden Jahre zum Präsi«
denten der für die Organisirung der wieder
acquirirten Provinzen aufgestellten Central-
Hoftommission ernannt. Nach Beendigung
deS OrganisirungSgeschäftes :rat L. in seine
frühere Eigenschaft als Hoftanzler der ver-
einigten Hoftanzlei zurück und führte, da
auch im politischen Organismus Veränderun-
gen stattgefunden hatten, in der neuen
GeschäftSeintheilung die Leitung der Angele»
genheiten in den böhmisch'galizischen Provin«
zen und das Präsidium der Studien'Hofcom-
mission. Als Gubernialrath in Böhmen, zur
Zeit der militärischen Rüstul«yen daselbst
entwickelte 3., mit der Leitung derselben in
einer kritischen Periode betraut, eine solche
Rührigkeit und Umsicht, daß Erzherzog Kar l
ihm öffentliche ehrenvolle Anerkennung zollte.
Nicht minder that sich aber L. als Landes-
chef in Mähren hervor, als der Feind das
ganze Land überschwemmte und es galt, die
Interessen einer hartbedrängten Provinz dem
anmaßenden Feinde gegenüber zu vertreten.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Band 14
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Laicharding-Lenzi
- Band
- 14
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 550
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon