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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Laicharding-Lenzi, Band 14
Seite - 320 -
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Leibenfroft 320 Leibenfrost der Graf hält die Karte von Tirol in der Hand). Leibenfrost, Franz (Humanist und Industr iel ler, geb. zu Wien 23. März 4790). Der Sohn eineS- Wiener Bürgers, der während der ver- hangnißvollen Ueberfiurhung des Jahres 1839 durch Aufopferungen jeglicher Art, durch Kühnheit und Unerschrockenheit, durch namhafte Wohlthaten und durch erfinderische Linderung des Unglücks als einer der seltensten Retter in den Tagen der Gefahr einen Namen erworben. Schon am frühen Morgen des 1. März, als in der Stadi daS Unglück der Vor« stadte noch wenig bekannt war, hatte stch L. mit Lebensmitteln in die Leopoldstadt begeben und dieselben an die Bedrängten in der Leopoldstadt, Roßau und Erdberg vertheilt und bei dieser Gelegenheit 21 Pferde gerettet. Nachdem er sich aber überzeugt, daß den der Stadt nächst« gelegenen Vorstädten Hilfe von allen Seiten ward und seine Mitwirkung da» selbst weniger dringend war. richteteer scin Augenmerk auf das Marchfeld, wel« ches er durch oftmalige Bereisung genau kannte und wo die Verwüstungen der Fluth ebenso gräßlich, als rasche Lin« derung der entsetzlichen Noth der Be> wohner dringend geboten war. L. begab sich dahin, alle Brücken waren bereits weggerissen, die weite Fläche, sonst die Vorrathskammer Wiens, war ein unüber- sehbares Meer, nur die Kronen der Bäume, die Thurmspitzen und die Dächer der höheren Gebäude blickten aus der mit zahllosen Eismaffen bedeckten Wasser- fluth. Der Jammer, der sich hicr den Blicken darbot, wär ein entsetzenerregen» der. Sollte den Tausend und Tausend Verlassenen und dem qualvollsten Tode Ausgesetzten Hilfe werden, so galt es zunächst, die Communication mit den ein» zelnen Ortschaften herzustellen. Mit jeder Stunde wuchs die Hilflosigkeit und Noth der Bewohner. Endlich hatte 3. dreißig Pontoniere zusammengebracht, die auf seine Kosten die Wege reinigten und mit Schiffen fahrbar machten. So stellte er durch seine Energie die Verbindung zwischen Leopoldau und Floridsdorf, Eßling und Stadl-Enzersdorf. Wittau, Rutzendorf, Glinzendorf. Leopoldsdorf, Naasdorf u. s. w. her und brachte nach allen diesen Ortschaften Hilfe und Lebens, mittet. Aber die Fahrt war mit großer Lebensgefahr verbunden. Niemand fand sich, der ihn bei diesem Wagniß begleiten wollte, waS er auch bat und bot, Alles war vergebens, er mußte allein die Fahrt unternehmen. Acht Tage hatte diese Fahrt gedauert, und wie oft hatte 3. wahrend derselben dem Tode unerschrocken in's Auge geblickt! Wenn er die Eismaffen mit seinem Nachen nicht überschiffen konnte, so kletterte er über dieselben; bar« fuß ging er über das Glatteis, zerschnitt sich die Füße, achtete aber keinen Schmerz; klomm über Eismaffen und Gerölle und riß sich daran die Hände wund; brach mit der Eisdecke ein und rettete sich — oft wun- derbar genug — nur mit einem Schiffer» haken. Wahrend er so von Haus zu Haus schiffte, schwamm, kletterte und allen Bedrängten Rettung brachte, wartete der Diener in der Leopoldstadt seines Herrn, ohne Nachricht von ihm zu haben und es nicht wagend, in deffen HauS zurück« zukehren, wo Frau und Kinder in Angst harrten und denen er nicht hatte sagen können, wo er seinen Herrn gelassen. — Bei der widerstandslosen Gewalt, mit welcher die Eisftuth plötzlich über diese Gegenden hereingebrochen war, ging auch eine Menge von Hausthieren zu Grunde. Allgemein wurde die B^sorgniß rege, daß, wenn der Frost nachließ, durch die
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Laicharding-Lenzi, Band 14
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Laicharding-Lenzi
Band
14
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1865
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
550
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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