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Leibenfrost 32t Leibenfroft
wachsende Verwesung die Luft verpestet
> und eine Seuche unter Menschen und
Thiere die schreckliche Folge sein würde.
Auch diesen Umstand hatte 3. in's Auge
gefaßt. Er ließ sofort alle Aeser weg
schaffen, nahm, nachdem dieWaffergefahr
sich vermindert, Ärbeitsleute, und unter
seiner persönlichen Aufsicht wurden 4300
Aeser eingescharrt. — Noch drohte eine
andere Gefahr den schwer heimgesuchten
Bewohnern. Die Häuser und vornehm»
lich die Keller waren mit Waffer erfüllt,
das allmälig in Faulniß überging und
nicht minder gefahrlich zu werden drohte
als die oberwähnten Aeser. Auch da war
3. bald rettend zur Hand. Nach allen
Ortschaften ließ er auf eigene Kosten
Pumpmaschinen bringen, mit denen das
faulende Waffer aus Kellern und Löchern
weggeschafft wurde und mehrere Ort-
schaften beschenkte der Menschen/reund
mit solchen Pumpmaschinen zu künftigem
Gebrauche. Die Wafsernoth war nun
wohl schon lange vorüber, aber 3. er-
müdete noch immer nicht und erschien
noch lange als rettender Engel in den so
schwer heimgesuchten Ortschaften, brachte
Geld den Kranken und Hilflosen, kaufte
und vertheilte Getreide zum Anbau,
kurz half mit Rath und That, wo
es zu helfen gab. Noch war der edle
Menschenfreund mitten auf dem Schau»
platze der Verwüstung, und hatte^. keine
Ahnung, wie höchsten Orts die Blicke
auf ihn gerichtet waren. Wahrend er im
Marchfelde den Bewohnern Hilft brachte,
verkündete das amtliche Blatt, daß Se.
Majestät mittelst Allerh. Entschließung
vom 13. März 4830 dem edlen Mew
schenfreunde Franz 3 eibenfrost die gol-
dene Civil-Ehrenmedaille mit Oehr und
Band zu verleihen geruht haben. Noch
einmal sollten sich die seltenen Tugenden
dieses Menschenfreundes bewähren, und
v. Wurzbach, biogr. Lexikon. XIV. zwar als die Choleraseuche unter, einer
rath. und fast hilflosen Bevölkerung zu
wüthen begann. Sofort errichtete 3.
zwei Spitäler, organisirte eine Holzver«
theilung an Arme und sonst Unbemittelte,
wobei er aus eigenen Mitteln Tausende
darbrachte; an der Spitze der Direction
war er Tag und Nacht unermüdet be>
schästigt, Hilfe zu schaffen, und die
drohende Gefahr zu verringern. Diese
rührende, kein Opfer scheuende Menschen,
liebe ist aber ein Grundzug von 3.'s
Charakter, denn wie unsere Quelle be»
richtet — und diese stammt aus dem
Jahre 1846 — so verabreicht 3. während
eines Zeitraumes von fünfunddreißig
Jahren täglich an 80 bis 100 Arme
gratis die Mittagskost. Seine Eigenschaft
als Gastgeber verringert nicht im min-
desten den Werth dieser Handlung, da es
aoch sehr viele Gastgeber gibt, die Nie«
mand gratis speisen. Auch auf industriellem
Gebiete ist 3.'s Wirksamkeit eine bennr«
kenswerthe. 3. ist k. k. Hof-Weinlieferant
und Weingroßhändler, dessen Firma aus
dem Jahre 1780 datirt. Die Kellereien
des Hauses befinden sich in Döbling. wo
an 20.000 Einer der edelsten österreichi»
schen und ungarischen Weine lagern, die
nach allen Ländern der Monarchie, nach
dem deutschen Norden, nach Rußland
und dem Orient versendet werden. Auch
hat das Haus- an der günstig gelegenen
Seite gegen den Kahlenberg bei Wien —
Nußberg genannt — einen Grundcom»
pler von nahezu zwölf Jochen angekauft
und denselben mit den edelsten Nhein«,
Riesling» und Traminer Rebensorten be-
pflanzt. Aus diesen Neben wird der treff-
liche, unter dem Namen „Nußberger"
bekannte Wein gewonnen. Noch sei des
„Tokaiergemaches" gedacht, jener Räum«
lichkeit in den 3 ei b enfr o
st'schen Kellern
Wiens, in welchem dieser König der
!. 17. Sept. 1865.) 21
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Band 14
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Laicharding-Lenzi
- Band
- 14
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 550
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon