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Aitner 347 Leitner
lands Dichter und Schriftsteller (Berlin 1862,
Alb. Bach. 8«.) S. 200.
II. Porträte. Als Beilage Nr. 8 zur Wiener
Zeitschrift für Kunst, Literatur u. s. w. von
Witthauer (Wien. Jänner 4843), gez. u
lith. von Krieh über; — und im „Album
österreichischer Dichter" nach einer Photoara«
phie von Brückner lith. von Stadler, gedr.
bei Haller 4837; beide mit der Namens»
Unterschrift.
III. Zur literarischen Charakteristik Mner's.
Einer der Biographen Leitner's schreibt:
„Nicht Brockhaus' Conversations'Lexikon,
nicht Gervinus, nicht Julian Schmidt,
nicht Gotisch all — daß Letzterer einen
Namen wie den Leitner's übersehen konnte,
ist bei der Reichhaltigkeit und Vollständigkeit
seiner Literaturgeschichte ein kleines Räthsel
— nennen seinen Namen. Wolf's „Haus»
schätz", der das herrliche Gedicht „Der Herr
des Meeres" enthielt, weiß in den biogra-
phischen Notizen jenes Personenverzeichnisses
über Leitner nichts anzufügen, als: „Ueber
seine Lebensverbältnisse war nichts Näheres
zu ermitteln". Der Pamphletist im „Oesterrei-
chischen Parnaß, bestiegen von einem herunter«
gekommenen Antiquar" (Frey'Sing, bei Atha»
nasius und Comp.) nennt ihn ein „großes
Talent" und bemerkt bei Aufzählung seiner
Werke: „Gedichte in Journalen und Almana-
chen. worunter ausgezeichnet schöne". Rühmend
wird auch Leitner's erwähnt in Dr. Julius
Seidlitz's „Poesie und Poeten in Oester»
reich" (Grimma 1827, Gebhardt, l. Band,
S. 116); und Johannes Scherr's „Freund-
licher Wegweiser durch die deutsche Dichter»
welt" (Winterthur 1842) führt Leitner's
Namen in jener Liste der „trefflichen Dichter"
an. von denen es ihm nicht vergönnt gewe-
sen, jeden derselben auch nur in einem poeti-
schen Stücke vorzuführen. Leitner theilt die
Ehre dieser Auslassung mit den Oesterreichern
Egon Ebert, Friedrich Halm, Gabriel
Se id l . D räx le r .Man f red . 3. A.
Frankl, Dul ler , mit den Ausländern:
Dingelstedt, Ferrand.Gruppe,Hoff»
mann von Fallers leben, Kopisch,
Mörike. Prutz. Reinit, Sal let, Sim-
rok, Smets, Bischer, Zeising; er ist
also, wie man sieht, in der besten Gesell-
schaft. Es würde zu keinem großen Ergebniß
führen, die Motive dieser Auslassung zu un-
tersuchen, an welcher zum Theil der Dichter
selbst Schuld tragt, da seine Zurückgezogen-
heit, seine Abgeschiedenheit nicht dazu beitru» gen, seinen Namen in weiten Kreisen bekannt
zu machen. Daß er seinen Sangesgenossen
in der Heimat nicht fremd geblieben, Beweis
dessen ist. daß sein Name niemals fehlen
durfte, wenn es galt, die süddeutsche Sänger»
gruppe würdig zu repräsentiren. Viele aber
haben Leitner's Lieder voll Schmelz und
Innigkeit in ihre Seele aufgenommen, wohl
ohne es zu wissen, daß es seine Lieder
waren, ein Fall. der immer dann einzutreten
pflegt, wenn sich der Arbeit des einen Mei»
sters ein zweiter Meister bemächtigt und ihr
neues Leben, Klang und Melodie einhaucht;
denn unsere besten Comvonisten, ein Schu«
bert, ein Lachner, ein Thalberg, ein
Hüttenbrenner, ein Lannoy, haben es
nicht verschmäht, diese sangbaren Weisen in
Musik zu setzen und in dieser Art haben
Leitner's Lieder die Runde durch Deutsch-
land gemacht, sind aber meistens incognito
gereist. Doch eben diese stillen Siege find
es zumeist, welche für die Bedeutenheit des
Talentes Leitner's sprechen und welche seine
Stellung in der Gruppe des österreichischen
Parnasses rechtfertigen. Nur ein Band —
ja im Verhältnisse zu den compreß gedruckten
Dichtungen anderer Poeten — nur ein Bünd-
chen Gedichte ohne prägnanten Titel, ein-
fach „Gedichte" benannt, und mit diesem sich
eine Stellung in einer ganz schönen Gesell«
schaft erobert, das will etwas sagen! Worin
bestehen diese Dichtungen? Es sind „Lieder"
verschiedenen Inhalts, ein änderer Cyclus,
überschrieben: „Erste Liebe", ferner „Sonette
und Sinngedichte", „vermischte Gedichte", mei-
stens Gelegenheitsdichtungen und endlich „Bal<
laden und Romanzen". Man hat Leitner
— und nicht ganz mit Unrecht — öfter den
österreichischen U hl and genannt; wenn man
die Dichtungen Beider vergleicht, so ist die
Aehnlichkeit Beider nicht abzuweisen, und
kann Leitn er, der Dichter, in Beziehung
auf Uhland der wohlgerathene Sohn eines
ausgezeichneten VaterS genannt werden. In
einer Zeit, in welcher die Poesie — nicht
wie heut zu Tage als etwas Ueberflüssiges —
eben als das aalt, was sie eigentlich ist,
als die freundliche Fee, welche uns im Iam«
mer des Lebens unveräußerliche Augenblicke
des höchsten Glückes bereitet, in einer Zeit,
in welcher es im deutschen Dichtergarten
klang und immer mächtiger klang, in welcher
nach den eben beendeten Befreiungskriegen
der Sinn für Poesie mit neuer Kraft und
Innigkeit erwachte und Ludwig Uhland,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Band 14
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Laicharding-Lenzi
- Band
- 14
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 550
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon