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Leitner 348 Lettner
uhne zu wollen, die schwäbische Töchterschule
begründete; in dieser Zeit trat auch Leitner
mit einzelnen kleinen Arbeiten vor das Pudli«
cum. Die Arbeiten gefielen, die Sangbar«
keit der Lieder blieb unsem besten Liedcrcom.
ponisten nicht fremd, und wenn es zulässig
wäre. in der Poesie untergeordnete Momente
zu Eintheilungsmotiven zu benutzen, Karl
Gottfried Leitner stünde heute als Haupt
der
steirischen
Dichterschule ganz ehrenwerth da.
Nun aber das würde eben nicht viel zu sagen
baben. So gehört er denn zu den edelsten
Sängern der österreichischen Dichter-
schule, eine Bezeichnung, die nicht von dem
Verfasser dieser Zeilen erfunden worden, son«
dern welche Gotisch all in seiner Literatur«
geschichte angenommen, mit dem über diesen
Umstand weniger zu rechten, als über die
Auslassung von Namen wie eben Leitner,
Schneller, Kuffner, Kompert, Stelz«
Hammer. Kaltenbrunner u. A. Es ist
nicht leicht festzusetzen, ob Leitner Schöne»
res im Liede oder in der Romanze geleistet;
in beiden Gattungen sieht man es den Arbei»
ten an: sie sind gedichtet und nicht ge»
macht. I n der Form tadellos, durchweht seine
lyrischen Poesien ein Hauch zarter Wehmuth,
den nie der Schrei der Verzweiflung durch»
bricht, so sehr die Seelenzustände öfter einer
solchen Gefühlsäußerung nahestehen mögen.
In der Romanze und Ballade ist aber der
Uhland'sche Ton, in welchem Leitner
snne dichterischen Bilder ausführt, in einer
Weise angeschlagen, wie sich dieß bei keinem
andern Dichter Deutschlands und Oesterreichs
so bestimmt ausprägt. Es ist dieß ein Vor»
zug der Leitner'schen Dichtungen und in
ihrer Art identisch mit der Weise tüchtiger
Maler, welche die Vorzüge ihres Meisters
beibehalten und dieselben mit der Richtung
ihres eigenen Genius nach und nach ver«
schmelzen, wobei jedoch das Charakteristische
- ihres ersten Meisters die Bildung dieser und
jener Schule erklärt."
Leitner, Roman (M al er und 3 it ho-
graph, geb. zu Kühetei in der Ge-
meinde Silz in Tirol im Jahre 1803,
gest. zu München im Jahre 1834).
Sein Vater war Förster zu Sellrain im
Dienste des Grafen Wolkenstein. Zu
ImHbruck erhielt L. den ersten Unterricht
in der Kunst, im Jahre 1824, 19 Jahre alt, ging er aber nach München, wo
eben damals eine neue Aera für die
deutsche Kunst anbrach und 3. mit regem
Eifer seiner Ausbildung oblag. In der
ersten Zeit beschäftigte sich 3. mit der
Bildnißmalerei. vertauschte aber dieselbe
später mit der 3ithographie, in der er
Vorzügliches leistete. Von seinen Arbeiten
sind bekannt: „Gin Musikant, der zn seinem
Gesänge die Geige spielt", nach A. Brau»
wer, in der Sammlung des Domherrn
Speth zu München; — „Maria und
Marthll mit dem Jesnkinde", nach dem Bilde
eines unbekannten Meisters in der herzogl.
3euchtenbergischen Sammlung; — „Jesus
llls Hirt", nach Mur i l l o ; — „Johannes",
nach Carlo Dolce in der 3euchtenber.
gischen Sammlung; — „Hie betende Alte",
nach G. Dow's Bild in der königl.
Pinakothek zu München; — „Nie hllllün-
tusche Nllurrnschllnke", nach D. Teniers
in ebenderselben Sammlung; — „Nie
Mrthsstube an t>er preussischen Grenze zur Eha-
lerazeit". nach I . Pehl — und „Fenrlan
dringt einer Nauerntamilie die unm Feinde
geraubte Kuh", nach H ersent.
Nagler (G. K. Or.), Neues allgemeines Kunst.
ler<Lerikon (München 1838, Fleischmann, 8".)
Bd. V^I, S. 409 sführt ihn unter dem Namen
Roman Leiter auf^. — Tirolisch es Künst-
ler »Lexikon oder kurze Lebensbeschreibung
jener Künstler, welche geborne Tiroler waren
(Innsbruck 1830, Felic. Rauch, 8°.) S. 146.
— Außer obigem Roman L. sind noch meh»
rere Tiroler des Namens Leitner, u. z. eine
ganze tirolische Künstlerfamilie bemerkens werth.
Einer davon lebte um die Mitte des 17. Jahr«
Hunderts als Hofmaler des Erzherzogs Fer-
dinand Kar l zu Innsbruck und malte um
die Zeit 1646—1662. Seine zahlreichen Arbei.
ten finden sich in Innsbruck, im königlichen
Schlosse zu Hall und in anderen benachbarten
Schlöffern. Er wird als geschickter Mann
gerühmt, der auch längere Zeit in Italien sich
aufgehalten hat. — Sein Enkel Joseph,
nach Anderen Ignaz, war ein geschickter
Landschaftsmaler zu Innsbruck. Mehrrrc Land'
schaften befinden sich im Prioatbesitze in Inns-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Band 14
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Laicharding-Lenzi
- Band
- 14
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 550
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon