Seite - 366 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Laicharding-Lenzi, Band 14
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Mann, und in der That löste er diese
ihm hochwillkommene Aufgabe in so ge>
lungener Weise, daß noch heute dieses
erhebenden Festes im Lande mit wehmüthig
süßem Entzücken, als eines leider bergan»
genen, gedacht wird. Der Erzherzog selbst
dankte Zentner für so manche Freude,
die er ihm und seinem Hause verschafft.
Bemerkenswerth ist es, daß der amtliche
„Tirolerbote" von diesen Festlichkeiten,
welche das Volk im Etschlande dem Erz«
Herzoge gab. kein Wort berichtet. Einiges
über die äußerst sinnigen Festzüge und son«
stigen Feierlichkeiten erzählt Steub in der
indenQuellen erwähnten Lebensskizze3.'s.
DaS Jahr 4846 bescheerte 3. endlich eine
Aufgabe, die so ganz nach seinem Her-
zen war. Der damalige Kronprinz von
Bayern, Max. der nachmalige, zu früh für
des Volkes Glück und Segen hingeschie»
dene König, beschloß des „Bayerlandes
Volksthum gleichsam zu inventarifiren".
Alles was sich in Städten und Dörfern,
in allen Ortschaften zu Berg und Thal
noch an altem deutschen Herkommen
finden ließe, sollte der Sammler aufzeich,
nen, zusammentragen, vergleichen und
auslegen. Lieder und Sagen, Volksmei«
nungen und Bauernregeln, Glauben und
Aberglauben. Gebräuche im Winter und
Sommer, bei Geburten, Hochzeiten und
Sterbefällen, ältere und neuere Trachten,
die Arten des Haus- und Feldbaues, kurz
das ganze Thun und Lassen in soweit es
nicht in das sprachliche Gebiet einschlug,
das schon Andreas S chmeller in seinem
bayerischen Wörterbuche in mustergiltiger
Weise behandelt, das Alles sollte nun-
mehr zusammengesucht werden. Es ist hier
nicht am Platze, darzustellen, mit welcher
Freude und welcher Rastlosigkeit sich 3.
dieser schönen Aufgabe unterzog. Er hatte
Ober.undNiederbayern.Bayerisch.Schwa«
ben. den bayerischen Wald. einen Theil der oberen Pfalz durchwandert, durch,
forscht und alles nach der oben angeführ-
ten Uebersicht Angedeutete aufgezeichnet,
gesammelt und das Ergebniß dieser Pil.
gerschaft seinem königlichen Herrn in einer
Unzahl von Heften des reichsten anzie.
hendften Inhalts überreicht. An der Fort.
setzung und Vollendung seiner Arbeit hin»
derte ihn der Tod. Wahrend 3. den
Sommer über für sein Bayerland in un»
ermüdlicher Weise thätig war, verlebte er
den Winter in Meran, mit Sichten und
Ordnen der im Sommer gesammelten
Materialien und mit sonstigen poetischen
Arbeiten beschäftigt. Am Charsamstage,
3. April 1847, erhielt er eine Vorladung
zum Landgerichte, wo ihm eröffnet wurde,
daß er im Mai g. I . in seine Heimat
sich zu begeben und nie wieder nach
Meran zurückzukehren habe. Die Ursache
dieses unerklärlichen Befehls konnte 3.
nicht ergründen, er selbst hatte dieses
Mal nicht den geringsten Anlaß zu einer
solchen Maßregel gegeben. Alle Versuche
von seiner und von Seite selbst einfluß«
reicher Freunde blieben erfolglos und
mit dem Bescheide, daß auch andere Orte
das für seine Gesundheit erforderliche
günstige oder noch vortheilhaftere Klima
besitzen, war jede weitere Erörterung
in dieser Angelegenheit abgeschnitten. Als
Strafe gegen die verbotene Rückkehr
wurden ihm drei bis sechs Monate Ge>
fängniß nebst Schub angedroht. I n dieser
seiner Noth wendete sich 3. an den Erz«
zog Johann. Jedoch bevor von da
eine Entscheidung herablangte, mußte er,
wollte er nicht die angedrohte Strafe
auf sich laden, sich auf die Fersen machen.
Immer noch eine Zurücknahme dieser
Maßregel erwartend, zog er sich ansang»
lich in ein Versteck zurück und fand es
ür einige Zeit in Löwenberg, wo ihm
der Besitzer dieser Burg, Herr Kirch«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Band 14
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Laicharding-Lenzi
- Band
- 14
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 550
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon