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Lentulu« 371 Lentulus
schreiben". Lentulay war in fremden
Händen ungefügig. Croatien verdank!
ihm während der kurzen Zeit seiner
Amtsthätigkeit viel. I n dm letzten Iah
ren verlor er daS Augenlicht und starb
als Greis von 86 Jahren an Alters«
schwäche. Seine Bestattung war seit
jener des Banus Ie l laü io die groß
artigste Trauerfeier, welche Agram ge»
sehen.
/ii'itü?'^«'^/, ^H^säln slovulcslc novma/üi
I^ onvoi'La.6ui, d. i. Kleines TascheN'Conver»
sations.Lerikon (Prag 1850. l2".) Theil I I ,
S. !i37. — lilusi, d. i. die Stimme (daS
Votuni) (uechisches, in Prag erscheinendes
Parteidlatt) l86i. Nr. lIH.
Lentllllls, Robert Scipio Freiherr
(königl. preußischer Gener al»3ieute
nant. geb. zu Wien l8. April 1714,
gest. zu M o n r e p o s bei Lausanne
26. December 1786). Entstammt einem
alten Patriciergeschlechte deg Freistaates
Bern, welches der Sage nach seinen Nr«
sprung von der berühmten römischen
Familie dieses Namens herleitet, deren
Stammvater Servius Cornel ius,
ein berühmter Landwirth, durch den Bau
oder die Verbesserung der Linsen den
Namen Lentulus erhalten haben soll.
Ein Rupert Scipia Lentulus (gest.
zu Bern l712) war Mitglied des großen
Rathes zu Bern, stand aber früher in
markgraflich brandenburg<culmbachischen
Kriegsdiensten. Einer seiner Söhne,
Joseph Cäsar, trat in kaiserlich öster-
reichische Kriegsdienste, stieg in den»
selben zum Range eines Feldmarschall«
Lieutenants, war Commandant der
Festung Kronstadt in Siebenbürgen und
erlangte den erblichen österreichischen Frei«
Herrnstand. Freiherr Joseph Cäsar
starb im Jahre 4744. . Sein Sohn
Robert Scipio wurde in Wien und
Prag von einem eigenen Hofmeister und
auch bei den Jesuiten unterrichtet. Im Alter von 14 Jahren kam er als Fähn-
rich in ein kaiserliches Dragoner-Regi-
mmt. Mit demselben ging er nach Ita-
lien. Dort besuchte er während eines
halbjährigen Urlaubes die vornehmsten
italienischen Städte. Als im Jahre 1737
der Krieg zwischen Oesterreich und der
Pforte ausbrach, begab sich 3. auf den
Kriegsschauplatz und wohnte in Ungarn
der Belagerung von Orsova, den Schlack)-
ten bei Groczka, Pcmcsowa und Mehadia
bei. In letzterer war der Sieg bereits
zweifelhaft, als L. mit zwei Schwadronen
in einen I amtscharen Haufen einhieb, ihn
zerstreute und dadurch einen günstigen
Ausgang vorbereitete. Als financielle
Verhältnisse den Kaiser Karl VI. zwan-
gen, den nachtheiligen Belgrader Frieden
zu schließen, wurde 3., obgleich erst
23 Jahre alt, zur Bestätigung der Grenz-
scheidung als außerordentlicher Gesandter
nach Constantinopel gesandt. Da sich die
Verhandlungen in die Länge zogen, be«
nützte 3. diese Zeit zu Reisen in der Tür-
kei, Kleinasien und Egypten und kehrte,
nachdem zu Constantinopel der Grenz»
leldungs.Vertrag ratisicirt war, nach
Wien zurück. Im österreichischen Succes-
sionskriege stand L. als Dragoner-Haupt«
mann in Prag. Als durch die Capitu«
lation des österreichischen Commandanten
General Ha rsch 1744 Prag in die Hände
der Preußen siel, wollte 3. diese Capitu-
lation nicht unterschreiben und bei seinem
Ausmarsche sagte er zu seinen Dragonern,
sie sollten thun, was sie ihn thun sehen
würden. Er zerbrach hierauf zwischen
den Neihen der Preußen seinen Degen
und alle seine Dragoner thaten mit den
ihrigen ein Gleiches. Diese That gefiel
dem Könige Friedrich I I . so wohl, daß
er ihn dm folgenden Tag zur Tafel lud
und ihm Dienste anbot, welche aber L.
ablehnte, weil er nicht gegen die Königin
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Band 14
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Laicharding-Lenzi
- Band
- 14
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 550
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon