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A.
"Aghich, Anton (gelehrter Minor i t ,
geb. zu Ragusa in der 2. Hälfte des
18. Jahrhunderts, gest. im Kloster 8anta
>!ar!a äs^Ii ^u^ I i bei A M 28. Octo-
ber 1830). Trat in jungen Jahren in
den Minoritenorden und wurde nach be-
endeten philosophischen und theologischen
Studien im Lehramte verwendet, zuerst
im Conuente zu Fermo, wo er drei Jahre
Philosophie, dann in jenem zu Ragusa,
wo er Theologie vortrug. Als er bald
darauf im Pledigtamte sich hervorthat,
wurde er als italienischer Prediger an
mehrere der ersten Kirchen berufen. In
der Folge wurde er vom Senat der Stadt
Ragusa mit einer wichtigen Mission in
das benachbarte Bosnien betraut und
begleitete zweimal, in der Eigenschaft
eines Gesandschafts-Caplans, die Gesand.
ten von Ragusa nach Constantinopel. Als
ihm nach dem Tode des Mons. Sorgo-
Bobal i , Bischofs von Slagno, das erle»
digte Bisthum angetragen wurde, schlug
er diesen ehrenvollen Posten auS und zog
die klösterliche Einsamkeit auf der Insel
Daksa demselben vor. Auf der genannten
Insel lebte er ganz seinen Studien und
landwirtschaftlichen Arbeiten. Daselbst
befand er sich auch zur Zeit, als Ragusa
unter französischer Occupation stand und
blieb dort, bis die rusfisch-montenegrini'
schen Truppen die Franzosen ablösten.
Als er sah, wie die Soldateska in feinem
Kloster hauste, ging er in seiner Ohn«
macht, diesem Treiben Einhalt zu thun,
und in tiefer Verbitterung darüber nach Rom, wo er unter anderen literarischen
Arbeiten sich damit beschäftigte, die zer»
streuten Werke des Mo Lampridio Ser-
vil? o. eines gekrönten Poeten Ragusa s
aus dem 14. Jahrhunderte, zu sammeln.
Das im Jahre 1808 versammelte Ordens,
capitel erwählte ihn einstimmig zum Pro»
vinzial in Ragusa, aber auch diese Wahl
lehnte er, um seinen Aufenthalt in Rom
verlängern zu können, ab. Der Napoleo-
nifche Erlast der Aufhebung aller religiö«'
sen Orden veranlaßte ihn zur Rückkehr
in sein Vaterland, wo er aber bald als
ein Verdachtiger aufmerksam beobachtet,
und als er den Kid der Treue dem Kaiser
der Franzosen zu leisten
sich
weigerte, ver«
haftet, im Convente der Dominikaner zu
Ragusa gefangen gehalten und erst am
24. December 48iO wieder aus seiner
Haft entlassen wurde. Als im Jahre 1814
Oesterreich sich Ragnsa's und ganz Dal.
matiens bemächtigte, begab er sich wieder
nack Italien und lebte im Kloster auf
der Insel Mezzo, welche bisher im eng»
lischen Besitze verblieben war. Als aber
auch diese in die Hände Oesterreichs über-
ging, schiffte er sich nach Zante ein, wo
er längere Zeit bei dem Bischöfe Scacoz,
einem Dalmatiner und gleichfalls Mönch
des Minoritenordens, verblieb. Von dort
begab er sich nach Rom, wo er eine
Stelle im Vatican erhielt. Ein Sturz
brachte ihn dem Tode nahe und nur
der sorgfaltigen Behandlung des be»
rühmten Chirurgen Bel l i , an den er
von dem damals am päpstlichen Hofe
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Band 14
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Laicharding-Lenzi
- Band
- 14
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 550
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon