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ihn „ein Muster von Ehrlichkeit und
Sonderlichkeit". Seine Furcht vor einem
Scheintode äußerte sick in den letzt-
willigen Anordnungen, in welchen er
unter anderem die Oeffnung seiner Leiche
verfügte und den Leichenwächtern für
eine genaue Beobachtung, ob sein Kör-
per noch Lebenszeichen gebe, beson-
dere Entschädigungen in seinem letzten
Willen ansetzte. — Gin Fritz Altschul,
auch aus Prag gebürtig und vielleicht
ein Sohn oder doch naher Verwandter
des Obigen, war ein geschickter Ton<
künstler. der sich zu Weimar unter Franz
L isz t als Piano-Virtuos ausgebildet
hatte. Zu Anfang 1864 starb er in noch
jungen Jahren in Venedig. Nach dem
„Tagesboten aus Böhmen" war er lan°
gere Zeit als Capellmeister in Italien
angestellt.
z-rrmden-Vlan «Wien, 4«.) lä«5. Nr. l9?
— Presse (Wiener polit. Blatt. Fol.) t8üo.
Nr. l!>6 u. l3U. — Zellner's Blätter für
Theater (Wirn, 4".) l8U4. Nr l«. — Wie-
ner Zcitung 1864, Nr. 20, 2. :j<)2 ^ic
zwei l> tzten Blältrr übrr ,v ritz '.'I! t s ch
u l^.
-i-N Ander, Alois ^s. d. Bd. I, S. 32).
gestorben im böhmischen Bade Warten-
berg 11. December 1864. Im Jahre
1853 traf Anders Gesundheit der erste
Stoß: ein durch allzugroße Anstrengung
und Ausregung hervorgerufener Blutsturz.
Er und noch weniger seine Stimme könn-
ten sich davon wieder ganz erholen. All-
mälig kräftigte sich wohl letztere wieder
und in der zweiten Hälfte der Fünfziger«
Jahre erweckten feine Leistungen bei jenen,
die ihn in seiner Blüthezeit nicht gehört,
große Bewunderung. Besonders sein
„Lohengrin" in Wagner's gleichnami-
ger Oper war eine Leistung, die in gewis-
sem Sinne Ander's „Propheten-Ruhm"
— jedoch nur in einer schönen Nachblüthe
— wiederholte. Von da ab wurden lei» der die Unterbrechungen von Ander's
Thätigkeit hausiger uno länger. Wenn
früher die Zahl seiner Spielabende im
Jahre auf 70 bis 80 sich erhob, so sang
er in der Saison 1839/60 schon nur
37 Mal, 1861/62 40 Mal, 1863/64
41 Mal; aber noch immer war er so sehr
Liebling des Publicums, daß der Wiener
Witz ihm, als er bereits sehr leidend und
mit der Stimme sehr heruntergekommen
war, das glänzende Zeugniß ausstellte:
„Der Ander ohne St imme ist uns
noch immer lieber, als die Andern mit
Stimme". I n den letzten Jahren brachte
A. an neuen Rollen: Tann Häuser,
den Herzog in „Rigoletto" (1860).
Ianko in den „Kindern der Haide"
(186l). Faust von Gounod (1862)
und den Franz Bald ing in den
„Rhein Nixen". Aber schon war sein Ner-
venleben so aufgeregt, daß-ihn vor jedem
Auftreten ein heftiges Fieber schüttelte.
Ander's letztes Auftreten fand am
N). September 1864 in Rossini's Oper
.„Nilhelm Tell" in der Rolle des Arnold
Melchthal Statt. Es war dieß ein trau-
riges Theaterereigniß, welches lange den
Gesprächsstoff in den Musikkreisen der Re-
sidenz bildete und dem unmittelbar die
Transportirung des Sängers nach der
Wasserheilanstalt Wartmberg in Böhmen
folgte. Dort erwies sich sein Zustand bald
als hoffnungslos, grauenhafte Nacht senkte
sich auf sein Bewußtsein und nach mehr-
stündigen entsetzlichen Krämpfen, nachdem
es kurz zuvor dcn Anschein hatte, als bes»
sere sich sein Zustand, erlag er. erst 43 Jahre
alt, seinen Leiden. Sehr treffend charak-
terisirt einer seiner Biographen den Künste
ler: „Eine ganze Reihe von Jahren war
A. der bevorzugte Liebling des Wiener
Publicums und namentlich der Damen,
die für ihn schwärmten, wie sie es nicht
mehr hatten thun können, wäre er auch
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Band 14
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Laicharding-Lenzi
- Band
- 14
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 550
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon