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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Laicharding-Lenzi, Band 14
Seite - 380 -
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380 Ander ihn „ein Muster von Ehrlichkeit und Sonderlichkeit". Seine Furcht vor einem Scheintode äußerte sick in den letzt- willigen Anordnungen, in welchen er unter anderem die Oeffnung seiner Leiche verfügte und den Leichenwächtern für eine genaue Beobachtung, ob sein Kör- per noch Lebenszeichen gebe, beson- dere Entschädigungen in seinem letzten Willen ansetzte. — Gin Fritz Altschul, auch aus Prag gebürtig und vielleicht ein Sohn oder doch naher Verwandter des Obigen, war ein geschickter Ton< künstler. der sich zu Weimar unter Franz L isz t als Piano-Virtuos ausgebildet hatte. Zu Anfang 1864 starb er in noch jungen Jahren in Venedig. Nach dem „Tagesboten aus Böhmen" war er lan° gere Zeit als Capellmeister in Italien angestellt. z-rrmden-Vlan «Wien, 4«.) lä«5. Nr. l9? — Presse (Wiener polit. Blatt. Fol.) t8üo. Nr. l!>6 u. l3U. — Zellner's Blätter für Theater (Wirn, 4".) l8U4. Nr l«. — Wie- ner Zcitung 1864, Nr. 20, 2. :j<)2 ^ic zwei l> tzten Blältrr übrr ,v ritz '.'I! t s ch u l^. -i-N Ander, Alois ^s. d. Bd. I, S. 32). gestorben im böhmischen Bade Warten- berg 11. December 1864. Im Jahre 1853 traf Anders Gesundheit der erste Stoß: ein durch allzugroße Anstrengung und Ausregung hervorgerufener Blutsturz. Er und noch weniger seine Stimme könn- ten sich davon wieder ganz erholen. All- mälig kräftigte sich wohl letztere wieder und in der zweiten Hälfte der Fünfziger« Jahre erweckten feine Leistungen bei jenen, die ihn in seiner Blüthezeit nicht gehört, große Bewunderung. Besonders sein „Lohengrin" in Wagner's gleichnami- ger Oper war eine Leistung, die in gewis- sem Sinne Ander's „Propheten-Ruhm" — jedoch nur in einer schönen Nachblüthe — wiederholte. Von da ab wurden lei» der die Unterbrechungen von Ander's Thätigkeit hausiger uno länger. Wenn früher die Zahl seiner Spielabende im Jahre auf 70 bis 80 sich erhob, so sang er in der Saison 1839/60 schon nur 37 Mal, 1861/62 40 Mal, 1863/64 41 Mal; aber noch immer war er so sehr Liebling des Publicums, daß der Wiener Witz ihm, als er bereits sehr leidend und mit der Stimme sehr heruntergekommen war, das glänzende Zeugniß ausstellte: „Der Ander ohne St imme ist uns noch immer lieber, als die Andern mit Stimme". I n den letzten Jahren brachte A. an neuen Rollen: Tann Häuser, den Herzog in „Rigoletto" (1860). Ianko in den „Kindern der Haide" (186l). Faust von Gounod (1862) und den Franz Bald ing in den „Rhein Nixen". Aber schon war sein Ner- venleben so aufgeregt, daß-ihn vor jedem Auftreten ein heftiges Fieber schüttelte. Ander's letztes Auftreten fand am N). September 1864 in Rossini's Oper .„Nilhelm Tell" in der Rolle des Arnold Melchthal Statt. Es war dieß ein trau- riges Theaterereigniß, welches lange den Gesprächsstoff in den Musikkreisen der Re- sidenz bildete und dem unmittelbar die Transportirung des Sängers nach der Wasserheilanstalt Wartmberg in Böhmen folgte. Dort erwies sich sein Zustand bald als hoffnungslos, grauenhafte Nacht senkte sich auf sein Bewußtsein und nach mehr- stündigen entsetzlichen Krämpfen, nachdem es kurz zuvor dcn Anschein hatte, als bes» sere sich sein Zustand, erlag er. erst 43 Jahre alt, seinen Leiden. Sehr treffend charak- terisirt einer seiner Biographen den Künste ler: „Eine ganze Reihe von Jahren war A. der bevorzugte Liebling des Wiener Publicums und namentlich der Damen, die für ihn schwärmten, wie sie es nicht mehr hatten thun können, wäre er auch
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Laicharding-Lenzi, Band 14
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Laicharding-Lenzi
Band
14
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1865
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
550
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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