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Mcredi 398 Jelcredi
er auf den Posten eines Leiters der
politischen Landesbehörde in Schlesien
berufen, im October 1862 zum Landeschef
in Schlesien, im Mai 1863 zum Vice-
Präsidenten der böhmischen Statthaltern,
und mit kaiserlichem Handschreiben vom
27. Mai i864, unter gleichzeitiger Ver-
leihung der Geheimrathswürde, zum
Statthalter, vom Böhmen ernannt, auf
welchem Posten er Nachfolger des Grafen
Forgach wurde, als dieser durch das
Vertrauen des Kaisers zum ungarischen
Hofkanzler erhoben worden war. Als im
Juni 1863 Se. Majestät von der über
Einladung der ungarischen Magnaten
besuchten landwirtschaftlichen Ausstel«
lung zu Pefth nach Wien zurückgekehrt
war, trat mit einem Male ein Umschwung
in der inneren Politik des Kaiserstaates
ein, und die Tage des Ministeriums
Schmerling, dem es nicht gelungen
war, den Ausgleich mit Ungarn zu be-
werkstelligen, waren gezahlt. Mit Allerh.
Handschreiben ääo. Laxenburg 27. Juli
4865 wurde Graf Belcredi zum
Staatsminister ernannt und mit der Lei-
tung der gesammten politischen Verwal-
tung aller nicht zur ungarischen Krone
gehörigen Königreiche und Länder be-
traut. Ein Allerh. Handschreiben von
demselben Datum übertrug dem Grafen
auch noch den Vorsitz im Ministerrathe.
In der Zwischenzeit war der Graf, der
in zwei Kronländern in den Landtag ge»
wählt worden war, auch parlamentarisch
thätig. Als nämlick im Jahre 1861
der österreichische Reichsrath zusammen-
trat, wurde der Graf in denselben
von dem schlesischen Landtage entsen»
det und nachdem er dort sein Maudat
niedergelegt, als Abgeordneter des Groß»
grundbesitzes von Böhmen wieder ge»
wählt. Gleich bei Eröffnung der ersten
Reichsrathssession nahm der Graf seinen Platz im Centrum auf der sogenannten
„Grafenbank" und behielt denselben auch
als Abgeordneter des böhmischen Land»
tagS., Seit der Eröffnung des Reichs-
ratheS entwickelte B. eine rege Thatig,
keit, und schon in der Adreßdebatte nahm
er das Wort, um der braven Armee die
blutig verdiente Huldigung darzubrin-
gen; in hervorragender Weise betheiligte
er sich an der mehrtägigen Verhandlung
über die Lehenallodialisirung und, über
den damals von polnischer und eechischer
Seite angeregten und fruchtlosen Com»
petenzstreit hinweggehend, vertrat er ent»
schieden den Standpunct eines Gegners
der imperativen Auflösung des Lehen»
bandes. Auch in der Debatte über das
Gemeindegesetz nahm er mehrere Male
das Wort und anläßlich der Berathung
des ersten Staatsvoranschlages verthei»
digte er mit aller Sachkenntniß das
Eigenthumsrecht der katholischen Kirche
auf den Studienfond. Bei allen diesen
Anlässen bewahrte sich der Graf, wie es
in einer gelegentlich seiner Berufung an
die Spitze der Staatsgeschäfte erschie«
nenen Lebensskizze heißt: „als ein vor«
züglicher Redner, klar und präcis im
Gedankengange wie im Ausdrucke, maß»
voll in der Form. stets bemüht, in den
Detailausführungen den Faden der Wis»
senschaftlichkeit durchschimmern zu lassen".
In der zweiten Reichsrathssession wurde
der Graf durch seine amtlichen Geschäfte
gehindert, an den Berathungen theilzu"
nehmen und nahm wiederholt Urlaub;
auch in der dritten Session hielt ihn seine
Thätigkeit in Prag dem Hause fern,
jedoch fand er sich bei Berathungen wich»
tiger Fragen, insbesondere aber bei den
Budgetverhandlungen ein, wo er in jenen
über den Etat der politischen Verwal.
tung zu öfteren Malen das Wort ergriff,
um einerseits die Nothwendigkeit von
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Band 14
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Laicharding-Lenzi
- Band
- 14
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 550
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon