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Döbler 426' Zöblöv
Beschäftigung so sehr den Grimm seines
Meisters, daß dieser, als er einst seinen
Lehrling in der Lectüre von Kleuker's
„Magikon" vertieft fand, ihm das Buch
mit den Worten: „Schau^ das ist ein
Experiment das alleweil gelingt" um die
Ohren schlug. Das Alles aber half wenig,
D. trieb seine Liebhabereien fort, gab in
kleinen Kreisen seine physikalischen und
mechanischen Kunststücke zum Besten und
erwarb bald einen solchen Ruf, daß er
vor dem Fürsten Metternich und Kai-
ser Franz spielen dürfte. Nun folgten
öffentliche Vorstellungen in Wien und
diesen bald Reisen, auf denen er die volk-
reicheren Städte Oesterreichs und des
Auslandes besuchte. So durchzog er ganz
Deutschland. Rußland, Schweden, Eng-
land, Holland, Belgien, Frankreich, und
wurde überall von den Höfen, Nnivcr-
sitäten. Akademien und dem Publicum
mii Auszeichnung aufgenommen, mit
Ehren aller Art entlassen. König Fried»
rich Wilhelm I I I . ernannte ihn zu
seinem Hofkünstler, die kön. preußische
Akademie zum akademischen Künstler.
So stand er in den zwei Decennien der
Dreißiger« und Vierziger.Iahre im Zenith
seines Ruhmes und hatte durch seine
reichen Einnahmen ein ansehnliches Ver»
mögen erworben. Von vielen schweren
Künsten verstand er aber, wie Dinget»
stedt schreibt, eine schwerste, nämlich
die: zu rechter Zeit aufzuhören. Um die
Mitte der Vierziger«Iahre stellte er mit
festem Entschlüsse seine Vorstellungen ein,
„er selbst war müde geworden und wollte
nicht Andere ermüden". Mit seinem er»
worbenen ansehnlichen Vermögen zog er
sich zurück und aus dem berühmten Ma-
gier, dem selbst Altmeister Goethe in
das Stammbuch folgenden Vers: „Be»
darf's noch ein Diplom besiegelt? Un«
mögliches hast du uns vorgespiegelt'." geschrieben, wurde ein vortrefflicher Land-
wirth und ein wahres Muster von Bür»
germeifter. Im Jahre 1847 kaufte er näm-
lich den im Traisenthale unweit St. Pöl-
ten anmuthig gelegenen Landsitz Klafter»
brunn, den er bald in ein kleines Paradies
umwandelte und wo er von Freunden,
die von nah und ferne herbeikamen,'be-
ucht wurde. Bald gewann der Tausend-
künstler, der nun in anderer Weise die
Rolle des Magiers fortfetzte, das Ver-
trauen der ganzen Nmgegend. I n dieser
als Bauer, Kunstgärtner und Architekt
thätig, führte er niedliche Schweizer«
Häuser und Balköne auf, ließ Spring-
brunnen aus der Erde schießen, legte
Landstraßen und Vicinalwege an, stürzte
sich mit unerschöpflichem, immer regem
Wirkungsdrange in Arbeiten für das
Gemeindewohl, betheiligte sich mit einer
maßvollen Freisinnigkeit an dem öffent-
lichen Leben des Staates, dessen Monarch
dem Manne des allgemeinen Vertrauens
der Gemeinde auch ein Zeichen seiner
Anerkennung, das goldene Ve'rdienstkreuz
mit der Krone verlieh. Aber nachdem
Klafterbrunn verschönert fertig stand und
sich dem Schaffensdrangs D.'s dort nichts
mehr bot, sah er sich nach einer anderen
Stelle für seine Thätigkeit um, „sich und
Andern", schreibt sein Biograph, „machte
er weiß, es sei ihm zu unruhig geworden,
während in Wahrheit es nur ihn beun»
ruhigte, daß es nichts mehr zu thun geben
wollte". Er zog demnach tiefer in's Ge»
birge hinein, bis hart an den Saum der
fteirischen Alpen, wo er in der Nähe des
betriebsamen Städtchens Türnih den
Gstettenhof kaufte und wieder aus einer
halben Wildniß ein ganzes Paradies
sckuf. I n dieser ländlichen Ruhe und
Einsamkeit erwachte aber mit einem
Male der künstlerische Drang seiner
Jugend, er griff nach Stichel und Meißel,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Band 14
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Laicharding-Lenzi
- Band
- 14
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 550
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon