Seite - 428 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Laicharding-Lenzi, Band 14
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war, widerstand ihm. Dübler hat Niemand
den Kopf abgehauen, sich nirgends ein Bein
ausreißen lassen; wie seine Natur eine feine,
vornehme, so war es auch seine Kunst. Das
Publicum, das rasch vergeßliche, spricht noch
heute von der reichen, geschmackvollen, glän«
zend beleuchteten Scene, die er
sich
geschaffen,
von der Erscheinung des schönen Mannes,
der im knappen Sammtkleide, mit freiem
Halse, das wohlgeformte Bein in schwarzer
Seide und lakirtem Schuh, beim ersten Auf'
treten, namentlich auf die weibliche Hälfte
seines Auditoriums eine wirkliche natürliche
Magie ausübte Im persönlichen und geselli-
gen Verkehre blieb er einfach, anspruchlos,
heiter, gemüthlich; ein echter Wiener der
alten Schule in Sprache und Sitte. Wohin
er kam. suchte er Künstler und Gelehrte vor
Allem auf; sein Salon in Petersburg, in
Paris, in Wien, war ihnen vorzugsweise
geöffnet. Wie viel heitere Abende hat er
nicht gehabt und gemacht, in Petersburg mit
Louis Schneider, Charlotte von Hagn,
in Wien mit Bauernfeld, Castell i ,
Saphir, in Paris mitHeine, Gutzkow.
Herwegh, Dingelstedtl Welch ein beweg»
tes, wander» und wunderreiches Leben ist
mit ihm geschieden!"
"Donberger, Georg Joseph (Ton-
setz er und Chorherr, geb. zu Brück
an der Leitha 11. Februar 1709, gest.
im Stifte zu Herzogenburg I.April
1768). Besuchte die Pfarrschule seineS
Geburtsortes und den ersten Musikunter»
richt erhielt er von dem Schulmeister
daselbst, der ihn zum festen Sänger und
Violinspieler ausbildete. Im Jahre 1720
erhielt der talentvolle Knabe Aufnahme
im Jesuiten-Seminar zu Wien, in dem
er die Humanitätsclaffen beendete. Zu-
gleich aber setzte er seine Ausbildung in
der Musik fort und übte sich insbeson«
dere auf der Orgel, Violine und Viola
d'amour, einem zu jener Zeit sehr belieb-
ten Instrumente. Schon damals begann
D. mit kleinen Kompositionen, aber erst
das theoretische Werk: „6raäu8 aä I>Ä!>
NÄ8LUIN« des k. k. Hofcapellmeisters
2- 2. Fux >M. V, S. 41) ward ihm auf seinem Künftlerpfade die Leuchte, der
er in seinen musikalischen Studien folgte,
während ihn der Unterricht des k. k. Vice-
Hofcapellmeisters Antonio Caldara
sBd. II) S. 236), den D. auch einige
Zeit genoß, in der Vervollkommnung
seiner musikalischen Kenntnisse nicht un-
wesentlich förderte. Nach beendeten Hu»
manitätsclassen verließ D. das Jesuiten»
Seminar und hörte, während er
sich mit
Musikunterrichtertheilen fortbrachte, in
Wien die Philosophie. Bei seiner großen
Neigung zur Musik entschied er sich für
den Gintritt in das Stift der regulirten
Cyorherren zu Herzogenburg, in welchem
die Musik mit besonderer Varliebe ge»
pflegt wurde. So trat er denn im Jahre
1728 in den Orden ein, legte am 1. No«
vember 1730 das Gelübde ab und
empfing am 16. August 1733 die Priester-
weihe. Der^ Propst des Stiftes ernannte
nun D. zum KeFons okori, welche Stelle
er bis an sein Lebensende versah, nur
mit Unterbrechung einer kurzen Zeit, als
er nämlich als Pfarrer auf's Land gehen
mußte, von wo er aber bald wieder in's
Stift zurückberufen wurde. D. war ein
fleißiger Komponist, schrieb aber meist im
ernsten Style und bediente sich zu den
Entwürfen seiner Kompositionen der
Viola d'amour. Er componirte für das
Stift, defsen Mitglied er war und auch
für andere Klöster und Stifter in Oester-
reich. Im Stifte Herzogenburg werden
von seinen Arbeiten aufbewahrt: „ks-
ZponLoria. a<1 uaatutiiiuia. kOdäoiQaäao
83.notÄ6 auf vier Stimmen"; — „M882.
in N-inoil auf vier Stimmen unter dem
Titel: Dominos! ^ortituäo in6k"; —
„Zwei R.6<iui6lli auf vier Stimmen mit
Instrumentalbegleitung"; — „Orato-
riuia 2.6. sepulokrum D. N.<I." (deutsch);
— „Zwei I's Osum in Oäur auf vier
Stimmen"; — „Ein3tad2,tlQ2.t6r" und
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Band 14
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Laicharding-Lenzi
- Band
- 14
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 550
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon