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Eberhöfer 431
Nation zur Norm wurde. I n lateinischer
Sprache aber verfaßte er ein^us oanoni-
cmu. Als lyrischer Dichter nahm er eine
nicht unbedeutende Stellung bei seiner
Nation ein. Der Umstand, daß er selbst
frühzeitig die Lieder seines Volkes sam>
melte, verlieh seinen Dichtungen den
nationalen Charakter, der ihnen bei
seinen Landsleuten eine freundliche Auf-
nähme sicherte. Viele seiner Lieder sind
in verschiedenen Sammlungen erschienen,
viele andere, obgleich noch ungedruckt,
leben im Volksmunde. Sein Lied: „^a Eckardt
^ i , Horn i buäu,", d< i. Russine
war ich, bin ich, bleib' ich, wird als
Volkslied in Ungarn und Galizien
gesungen und unter dem Namen „dahko
Ouoknovic;") d< i. Väterchen D., war D.
im ganzen Lande eine volksthümliche
Erscheinung. Eine reiche Sammlung von
Liedern hat sich in seinem Nachlasse vor-
gefunden.
Slavische Blätter. Illustnrte Monatshefte
für Literatur, Kunst und Wissenschaften u. s. w.
der slavischen Völker. Von Abel Luksio
(Wien. 4«.) I. Jahrg. (l86ä). S. 211 ^mit
seinem Bildniß im Holzschnitts.
E.
'^Eberhöfer, Franz (Naturdichter,
geb. zu Marte l l in Tirol). Zeitgenoß.
Er wird gemeiniglich der Lateiner
Franz genannt und ist ein in jeder Hin»
ficht merkwürdiger Mann. Er hat nie ein
Gymnasium besucht, sondern erlernte selbst
aus Büchern mehrere Sprachen, er spricht
und schreibt gut lateinisch, befitzt und
liest lateinische, griechische, italienische, ja
auch französische und englische Klassiker.
Dabei war er längere Zeit Bauernknecht
und jetzt (1863) ist er Weber und Tag-
löhner und hat selten seine Heimat, ein
von Schlanders im Vintschgau gegen das
Valtelin sich öffnendes, drei bis vier
Stunden langes Thal verlassen. I n die«
sem Thale besitzt er ein Hauschen, an
dem er alles selbst gearbeitet hat; er
mauerte, zimmerte, tischlerte, schlofsecie
daran, bis er fertig war. Auch seine
Kleidung, vom Kopf bis zu den Füßen,
hatte er
sich selber verfertigt. Was er von
Wolle am Leibe trug, war ganz und gar
sein Werk; er schor daS Schaf, wusch die
Wolle, spann
sie, wirkte und walkte die
3oden und schneiderte sich Rock und
Hosen daraus. Höchst einfach lebend, liest und arbeitet er und nimmt an allen
Landesfragen, insbesondere aber an der
in Tirol Alles bewegenden Glaubensein«
heit den regsten Antheil. Seiner Unduld«
samkeir gegen Andersglaubende muß aber
leider die Muse dienen und er legt ihr
in seinen Naturgedichten die heftigsten
Ausdrücke, Gedanken und Gleichnisse in
den Mund. Im übrigen bleibt er immer
ein Autodidakt merkwürdiger Art und
ist die in der unten genannten Zeitschrift
mitgetheilte Probe ein interessantes Stück
bäuerlicher Selbstbildung, Belesenheit
und Humoristik.
Tiroler Stimmen (ein Innsbrucker Partei»
blatt, 4o.) Jahrg. 1863. Beilage zu Nr. 220,
S. 1125 u. f.
N Eckardt, Ludwig ^s. d. Bd. 111,
S. 418, und Bd. XI, S. 398^. Indem
E. durch dritthalb Jahre als dritter
Bibliothekar bei der großherzoglichen
Bibliothek in Karlsruhe beschäftigt war,
erhielt er am 17. November 4864 mit
einem Male seine Entlassung. Als Grund
derselben wird daS von dem Karlsruher
Nationalverein ausgegebene und ihm zu«
geschriebene Programm bezeichnet. Jedoch
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Band 14
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Laicharding-Lenzi
- Band
- 14
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 550
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon