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Ferien deS I . 1864. welche er wie seit
mehreren Jahren auf des ihm voll Liebe
zugethanen Cardinals Schwarzenberg
Besitzung Bre2an zubrachte, beschäftigte
er sich
lebhaft mit dem Entwürfe zu Vor»
lesungen überReligionöphilosophie. Diese
ewige Frische des Geistes täuschte Alle
und verleitete die nächste Umgebung
Ehrlich's zu der Meinung, er sei wem-
ger krank als hypochondrisch. Allein die
Körperkraft war aufgezehrt, und, erst
34 Jahre alt. starb er zu Prag, von
Allen, die ihn kannten, hochverehrt. Weit
über die Mauern der Säle, in denen sein
Herz und Geist mächtig erfaffender Vor-
trag in Oesterreich, Steiermark und Böh»
men die edelsten Kräfte wachgerufen,
ertönte die Klage aller Kreise um den
Mann, der die Theologie als Wissenschaft
zu Ehren gebracht, der die Harmonie
zwischen Glauben und Wissen dargethan
hat. Neber seinen Mund war nie ein
intolerantes Wort gekommen; so sehr cr
der erkannten Wahrheit überall beredtes
Zeugniß gab, hatte er doch die Eng»
Herzigkeit und Einseitigkeit verachtet,
welche da glaubt, der Religion einen
Dienst zu erweisen, indem sie die albern«
sten Schriften, gingen sie nur von Glau»
bensgenoffen aus, mit Lob überschüttet
oder gar wohl die politische Wieder-
geburt deS theuern Vaterlandes mißach»
tet, weil statt des ohnmächtigen Schutzes
durch Censur oder andere geistbeengende,
alte StaatShausmittel der Wettkamps
der Geister eröffnet ist. Einer seiner viel-
jahrigen Freunde und Ordensbrüder, der
hochw. ?. Augustin Schwetz, entwirft
von E. folgende Charakteristik: „Seiner
Aufmerksamkeit entging keine bedeutende
Erscheinung, auf was immer für einem
Felde wissenschaftlicher Thätigkeit, und,
was die Hauptsache ist, Ehrlich gehörte
zu einer Gattung Philosophen, wie sie eben nicht häufig anzutreffen sind, die
nämlich nach den Grundsätzen, die sie
lehren und verfechten, auch ihr Leben ein-
richten. Er war vor Allem ein gediegener
Charakter, und was sein Eigenname in
der Sprache bedeutet, das war er durch
und durch, in seiner Seele war nicht das
Geringste falsch, stets waren die Motive
bei all' seinem Thun und Lassen, wie der
Grund eineS klaren Gewässers schon an
der Oberstacke erkennbar. Uneigennützig,
mit Wenigem zufrieden, hielt er, obwohl
feinfühlend und mit ästhetischem Blicke
begabt, so viel wie nichts auf äußeren
Prunk und Lurus, desto mehr jedoch auf
Sittlichkeit und Anstand. Nichts war ihm
verhaßter als Gemeinheit. StetS freund«
lich und höflich im Umgänge und von
feinen ungezwungenen Manieren, nahm
der hochgewachsene, schlanke Mann, von
edler Stirne und sprechenden Augen, mit
seinen angenehmen Gesichtszügen und
seiner interessanten Persönlichkeit Jeder«
mann für sich ein. Seine Schüler ins»
besondere, die ihn zu gleicher Zeit ehrten,
liebten und fürchteten, waren immer für
ibn begeistert. Auf's Imponiren, wo es
Noth that, verstand er sich meisterlich.
Gewöhnlich war sein Antlitz mild ernst,
ohne daß es den Philosophen zur Schau
trug." An seinem Orden hing er mit
treuer Liebe und unter allen Auszeich'
nungen, die er spater erhielt, machten
ihm keine eine größere Freude, als die«
jenigen, welche ihm die Liebe und daS
Vertrauen seiner Brüder und Vorstände
verliehen, wie er denn das Amt eineS
Provincial'Consultors, Directors der
Cleriker und Vice-Nectors der Ordens«
familie zu Krems, mit ungemeiner Be«
rufsfreudigkeit gesührt hat. Niemals hat
er nach Würden gestrebt, die mit seinen
Gelübden in Widerspruch gerathen könn«
ten. Sein Herzenswunsch, allenfalls nach
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Band 14
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Laicharding-Lenzi
- Band
- 14
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 550
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon