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gewaltiger Weise künstlerisch zu illustriren
versuchten. Diese Blätter erschienen spä-
ter unter dem Titel: „Bilder aus dem
Leben des h. Severm, im Holzschnitte
ausgeführt von Martin Speer, mit Text
von dem Domcapitular Dr. I . Schei-
ner" im k. k. Schulbücher «Verlage.
Wenige Wochen vor seinem Tode hatte
er zwei Miniaturen vollendet, welche für
das von dem Wiener Kunstvereine vor-
bereitete UissHis romanum. bestimmt
waren.
Das Vaterland (Wiener Parteibwtt) 1861,
Nr. 74: „Bonaventura Emler's Dantc«Zeich»
nungen". — Wiener Zeitung 1862, Ta-
gesbericht Nr 97, und 1363, Nr. 123, S. 637.
"Ellgel, Joseph (Bi ldhauer, geb.
zu Sä.tor-al j -Ujhely im Zemplincr
Comitate im Jahre 1813). Ein Sohn
armer jüdischer Eltern, der eine traurige
fugend verlebte und mühsam nach der
Palme der Künstlerschaft rang, die ihn
jetzt zwar schmückt, aber nicht nährt. I n
frühester Jugend verrieth stch durch
Schnitzereien E.'s ausgesprochenes Talent,
aber dasselbe zu bilden, durfte er bei dem
talmudischen Spruche: „Du sollst dir
kein Bildniß machen", an dem sein
orthodoxer Vater mit Strenge hielt, gar
nicht denken. Im Alter von 13 Jahren
verließ er das Elternhaus und wanderte
nach Nnghvär, um dort bei dem berühm«
ten Rabbi Hirsch Heller stch auch
zum Rabbi zu bilden, mußte aber ob
mangelhafter Vorbereitung vorher nach
Igor, einem Dorfe in der Heveser Ge-
spanschaft, wo er zwei Jahre Vorbe-
reiwngsunterricht erhielt. Im Jahre
1830 ging er nach Preßburg, wo er als
fleißiger Talmudjünger nicht minder
fleißig schnitzelte und drechselte und Ar»
beiten ausführte, wie z. B. ein Basrelief
mit der Ansicht des Wiener Stephans-
domes, welches die Aufmerksamkeit von Kennern auf den talentvollen Jüngling
richtete. Von ihm wohlwollenden Glau«
bensgenoffen erhielt er den Rath, nach
Wien zu gehen, und auch die erforder«
lichen Geldmittel zur Reise. I n Wien,
1832, wollte E. bei einem Drechsler in
die Lehre treten, wurde jedoch von Scich»
verstandigen, welche seine Schnitzereien
sahen, berathen, die Akademie der bilden«
den Künste zu besuchen, was er auch that.
Einige kleinere Stiftendien boten kärg<
liche Mittel zu seinem Lebensunterhalt,
aber muthig schritt er auf dem Pfade der
Kunst weiter, erhielt bald bei einem
Concurse den zweiten Preis, im folgen«
den Jahre für die Nachbildung einer
Antike und eine Nachbildung der Natur
zwei erste Preise. Als der Vater Nach.
richt von seinen Kunstwerken erhielt,
mußte er der Kunst entsagen, Wien
verlassen und sich als Pfeifenschneider
in Preßburg verdingen. Sein Talent
brachte ihn auch in diesem Gewerbe
vorwärts, als aber sein Vater starb,
litt es ihn nicht länger bei der gewerb-
lichen Beschäftigung, er kehrte nach
Wien zurück und besuchte fleißig die Aka»
demie. Im Jahre 1837 begab sich E.
nach Paris; dort fehlte es ihm an zwei
Hauptsachen: an der Kenntniß der fran-
zösischen Sprache und an Freunden. Nach
kurzem Aufenthalte in Paris wanderte
er also nach London, wo seine Bemü»
hungen, in die dortige Akademie einzu»
treten, gleichfalls erfolglos blieben. Eine
zufallige Begegnung mit dem Fürsten
Eßterhäzy, damaligen österreichischen
Gesandten in London, war für E.
folgenreich. Als der Gesandte einen
ungarischen Landsmann in ihm erkannte,
seine Arbeiten prüfend betrachtete, lud er
ihn zu stch und E. wurde bleibender
Gast an des Fürsten Tafel. Zugleich
erhielt er, über des Fürsten Verwendung,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Band 14
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Laicharding-Lenzi
- Band
- 14
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 550
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon