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nun wurde Bischof Zaengerle sein
Zuchtmeister. Der Bischof ließ ihn sofort
zu den Franziskanern bringen, suspen»
dirte ihn äs otüoiis und bestimmte nur
vier Geistliche, welche mit ihm verkehren
durften. So hatte sich Fesl's Lage gar
nicht und nur der Ort seiner Leiden
geändert. Erst im Jahre 1832 erfloß ein
kaiserlicher Befehl, der Fesl'sFreigebung
aussprach. Er erhielt nun die Erlaubniß
zur Ruckkehr nach Wien, wo er seither
bei der Pfarre St. Leopold lebte, aber
nur die heil. Messe lesen, sonst keine
priesterliche Function ausüben durfte.
32 Jahre hatte F. in Wien zugebracht.
Am 28. September 1861 feierte F. seine
Secundiz in aller Stille und widmete
aus diesem Anlasse eine durch langjahri-
ges Sparen zusammengebrachte Summe
von 300 fl. zu einem humanistischen
Zwecke. Der böhmische Reichsrathsabge.
ordnete F. Sebek, dem er diese Summe
übergeben hatte, fügte auS Seinem noch
300 fi. hinzu und schickte das Ganze nach
Hohenmauth zur Begründung eines Fon»
des für eine landwirihschaftliche oder
Handwerks schule bei der dortigen Real«
schule. I n den letzten Lebensjahren wurde
F. noch die Genugthuung, daß sein Name
wieder in den Status dos böhmischen
Clerus aufgenommen wurde, aus dem er
seit seiner Verhaftung gestrichen worden.
Als sich F. im Jänner 1864 bereits
leidend fühlte, begab er sich am 21. Jan-
ner in das Spital der barmherzigen
Brüder in der Leopoldstadt, wo er nach
ein paar Wochen, im Alter von 76 Iah-
ren, starb. Al le seine Habe, vor
Allem seine durch fünfzigjährigen Fleiß
zusammengebrachte kostbare Bibliothek,
welche an 3—4000 Werke, meist theo-
logischen, philosophischen und historischen
Inhalts, enthält, vermachte er dem böh-
mischen Nationalmuseum. Was seine lite« rarische Thätigkeit anbelangt, so umfaßt
dieselbe zunächst das philosophisch'theo«
logische Gebiet. Als Verfechter und
Nachfolger Bolzano's, hat er mehrere
seiner Schriften und seine Biographie
herausgegeben. Wahrend seiner Kloster«
haft in Gratz verfaßte er für die Franzis»
kaner zwei Erbauungsbücher, welche —
eine Ironie des Schicksals — die Appro«
bation desselben Bischofs erhielten, der
ihn als unverbesserlichen Ketzer behalt«
delte und dessen Fastenpredigten Fesl
selbst corrigirte.und zum Drucke vorbe«
reitete. Mehrere wissenschaftliche Abhand«
lungm erschienen in einigen theologischen
und literarischen Zeitschriften. Noch ist
der Vollständigkeit halber anzuführen,
daß F. ein eifriger Anhanger der Wasser«
Heilkunde war und für dieselbe unter
dem Namen Prof. Dr. Sebald auch
schriftstellerisch auftrat. An der Voll-
endung eines diätetischen Volksbuches,
mit dessen Bearbeitung F. beschäftigt
war, scheint ihn der Tod gehindert zu
haben. Schon in der ersten Versammlung
der Wasserarzte zu Aleranderbad, im
Jahre 1842, wurde F. zum Mitgliede
des Vereins für rationelle Ausbildung
der Wasserheilkunde erwählt.
Die Po l i t i k (ein in Prag herausgegebenes
Parteiblatt, kl. Fol.) 4864, Nr. 43. 44 u. 46.
— Bohemia .(Prager Journal, 4°.) 1861.
Nr. 231. Beilage. S. 2175. — Wanderer
(Wiener polit. Journal) 1836, Nr. 166, im
Feuilleton: „Ein theologisches Gutachten".
^Der evangelische Prediger Gustav Porub»
sky trat in einer gedruckten Predigt gegen den
k. k. Schulrath Dr. Anton Iarisch auf. der
bei Gelegenheit eines öffentlichen Vortrages
die Vekenner der Reformation „Ketzer" geschol»
ten. Dieser Umstand veranlaßte den Dr. Fesl
ein theologisches Gutachten abzugeben, auf
welches einige Nummern später in einer Bei'
läge desselben „Wanderers" eine „Entgegnung
aus der Provinz" folgte, die sich den ruhigen
Ton Fesl's in seinem Gutachten immerhin
hätte zum Vorbilde nehmen können.) — Wie«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Band 14
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Laicharding-Lenzi
- Band
- 14
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 550
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon