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Fichtner 448 Fichtner
ner Zeitung 4864, Nr. 33. S. 484. und
Nr.36, S.491. — Fremden-Blatt (Wien
4«.) i864, Nr. 4l. — Süddeutsche Zr i
tung l364, Nr. 89 sonach dieser geboren ani
28, September 1788). — ^äi-o ä-, d. i. das
Volk (äechisches, in Prag erscheinendes Par
.. teiblatt) 1864, Nr. 48 snach diesem geb. am
29. September t?88). — Porträt. Blatt in 4«.
ohne Namen. Kriehuber lith. (1824).
V Fichtner , Karl s^. d. Bd. I
S. 217). Am 31. Jänner 1863 betrat
dieser seltene und unersetzbare Künstler zum
letzten Male die Bühne des Burgtheaters.
Am 3. August 1824 war er als Peter
Solbert in I f f land's Lustspiel „Der
Herbsttag" zum ersten Male auf dieser
Bühne, zu deren Zierden er durch vierzig
Jahre gehörte, erschienen und hatte in die-
sem Zeitraume in 460 Stücken 513 Rol-
len, im Ganzen 8497 Mal gespielt. Sein
Repertoire umfaßte, um die ganze Peri«
pherie seines reichen und seltenen Talentes
zu ziehen, 33 Stücke von Kotzebue,
29 von Bauernfeld, 18 von Sha«
kespeare, 13 von I f f land, 12 von
der Weissenthurn, 12 von Rau-
pach, 10 von Deinhardstein, 10
von Schiller, 3 von Goethe, 3
von Gri l lparzer, 5 von Gutzkow.
4 von Laube. 4 von Halm, 3 von
Hebbel. DaS Treffendste über Ficht-
ner — über den ja so viel gesagt wor»
den — mochte wohl Emil Kuh in
folgenden Worten geschrieben haben:
„Die Poesie dieses Künstlers war es,
welche den Kreis des sogenannten Con«
versationsstückes, wo er am schönsten und
am liebsten waltete, in eine höhere Welt
zu rücken schien. I n Fichtner erblicken
wir die Anmuth, die über enge Schran«
ken nicht hinaus konnte, keine stürmische
Kraft, die auf halbem Wege stehen
bleiben muß. Grazie und guten Ton,
warme Empfindung und Sitte sahen wir
in jeglicher Rolle Fichtner's bald offener, bald versteckter mit einander
gepaart. Wie man in einem vornehmen
Cirkel sich des allzulauten Sprechens
enthält, der heftigen Geberden, des
ungezähmten Lachens und Weinens, so
vermied Fichtner die starken Aeuße«
rungen des Seelenlebens, auch wo sie
ihm zu Gebote standen. Und diese Vor»
ficht bewahrte seine Leistungen vor dem
Fragmentarischen, und schützte ihn vor
dem Vorwurfe, daß sein Spiel hie und
da ein unzulängliches sei. Er durfte auch
an Aufgaben gehen, die der Sphäre
seines Talentes nicht angemessen waren,
denn er brauchte nicht zu besorgen, er
werde den feineren Sinn beleidigen, d a
er der feinere Sinn selber war.
Uneigennützig, wunschlos, muthete seine
Darstellung den Zuschauer an. Das
Vollendete kann nicht ersetzt weiden;
die Persönlichkeit, in welcher der künst«
lerische Geist sozusagen eine Lese des zur
holdesten Reife Gezeitigten hält, kann
keinen Nachfolger haben," Fichtner's
Abschied von der Bühne gestaltete sich
zu einem förmlichen Familienfeste, dem
nur ein zweites, der einige Jahre frü«
er erfolgte Abschied der Künstlerin
Luise Neu mann, an die Seite gestellt
werden dürfte. Von den Geschenken,
Ehrengaben und Erinnerungsspenden
geben die in den Quellen verzeichneten
Journale — namentlich daS Fremden«
blatt — ausführliche Nachricht. Sie
kamen nicht bloß aus Wien, sondern
auch aus Berlin, Breslau, Coburg,
Hamburg, Leipzig, München, und unter
Anderen vonDaroison, Maria See<
bach, Emil und Fritz Devrient,
Marr u. A. Daß es an Gedichten nicht
fehlte, versteht sich von selbst, doch
gedenken wir unter den zahlreichen Poeten
nur Halm's und Bauernfeld's. Ein
paar Tage vor seinem letzten Auftreten
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Band 14
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Laicharding-Lenzi
- Band
- 14
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 550
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon