Seite - 460 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Laicharding-Lenzi, Band 14
Bild der Seite - 460 -
Text der Seite - 460 -
Gindely 460 Vindeiy
Frage, ob die Zusammengehörigkeit die-
ser Länder sich staatsrechtlich begrün«
den lasse. Professor Gindely', als er
nach vergeblichen Forschungen und auf
eine darauf bezügliche Anfrage bei Pro»
fessor Palacky — von dem er den histo«
rischen Bescheid erhalten hatte, „daß ihm
eine darauf bezĂĽgliche
staatsrechtliche Ur«
kĂĽnde, oder ĂĽberhaupt ein Act dieser Art
nicht bekannt, allein daĂź die staatsrecht-
liche Vereinigung dieser drei Länder ein
bekanntes historisches Factum sei" — an
die Ausarbeitung des ihm gewordenen
Auftrages schritt, war er zu dem ErgebniĂź
gekommen, daß die bezeichnete Frage ab«
solut verneinend beantwortet werden
müsse. Wohl seien bei verschiedenen Krö«
nungen böhmischer Könige auch mährische
und schlesische Stände zugegen gewesen,
haben aber bei keiner solchen Prager Krö«
nung als wirklicheTheilnchmer mitgewirkt,
noch die Huldigungen als ein Thei l der
böhmischen Krone geleistet, sondern seien
immer vielmehr entweder lediglich als
Gäste aufgetreten oder haben ihre Länder
selbstständig bei der Krönung vertreten,
d. i. nämlich als mährische und schlesische
Stände im Namen Mährens und Schle»
fiens gehuldigt. Ja, Gindely wies
geradezu nach, daß einige Könige zuerst
die Huldigung in Mähren oder in Schle-
sien angenommen und dann erst in Prag
sich hätten krönen lassen, was eben als
Beweis erscheint, daß diese Länder einzeln
und selbstständig sind >'und nicht eine
staatsrechtliche Einheit mit Böhmen
bilden. Bei anderen Königen wieder sei
das Umgekehrte der Fall gewesen und
der zuerst vorgenommenen Krönung in
Böhmen die Huldigung in Mähren und
dann jene in Schlesien gefolgt. Mit
diesem auf Quellenforschung gestĂĽtzten
Ausspruche des Landesarchivars ist die
Existenz der T01U212. öss^ d. i. staat«. rechtlichen Einheit von Böhmen. Mähren
und Schlesien, nicht nur in Frage gestellt
sondern geradezu ein für allemal ver»
neinend erledigt. Als Schriftsteller hat
G.. der seit dem Jahre 1833 mit seiner
ersten selbstftändigen Arbeit aufgetreten,
bereits eine ungewöhnlich starke Thätig«
keit entfaltet und seine bisher erschienenen
Werke sind in chronologischer Folge (die
mit einem ^ bezeichneten befinden sich
auch in den Sitzungsberichten der kaiser«
lichen Akademie der Wissenschaften, philo»
sophisch.historischer Classe): ^ „Ueber ^
dogmatischen Ansichten der böhmisch-mährischen
Brüder" (Wien 4833, 8<>.); — *„Nrber'
des Iah. AmllS (tĂĽluenins Denen und N5irk-
sauckeit in der Fremde" (ebd. 1835); —
^„Beitrage zur Geschichte der Aeit Kaiser
Nüd°lpt!'6ll."(ebd. 1836, 8".); — „Nähmen
und Mahren im Ieitalter der Arfarmatilln.
l. Geschichte der böhmischen Brüder", 2Bände
(Prag 1857, Bellmann. 80.); — „Oe-
schichte der Grtheilung des böhmischen Maje-
stätsbrieles u°n 5609" (ebd. 1858); —
„Ahrbuch der allgemeinen Geschichte, Nr Nelll-
schaler", 2 Bde. (ebd. 1860); — „Dhr-
buch der allgemeinen Geschichte kĂĽr Ober-Ginn-
nasien", 2 Bde. (ebd. 1860); — "„Nei-
trüge zur Geschichte des dreissigjährigen Krieges"
(Wien 1839, 8".); — „Quellen zur Oe-
schichte der böhmischen Brüder, vornehmlich ihren-
Zusammenhang mit Deutschland betreffend"
(Wien 1861, gr.8".), bildet den 19. Band
der zweiten (Dixiomata 6t ^ota enthal«
tenden) Abtheilung der von der histo«
rischen Commission der kais. Akademie der
Wissenschaften herausgegebenen: ^^on-
te3 romm g.U8triaoI.ruin"; — ^„Meine
Forschungen in fremden und heimischen AHmen"
(Wien 1862); — "Fur Geschichte der
Einwirkung Spaniens aui die HlapstWahlen
namentlich bei Gelegenheit der N5uhl Aeu's XI.
im Jahre 1605" (ebd. 1862); - „Andalph II.,
und seine Zeit, 1600—M2", 2 Bde. (Prag
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Band 14
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Laicharding-Lenzi
- Band
- 14
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 550
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon