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Waldes und wurde im Jahre 1830
Ingenieur daselbst. I n dieser Stellung
war er der Erste, der das von Hundes»
Hagen neu erfundene System der Be-
stimmung der jährlichen Hiebmenge der
Waldungen in Oesterreich im Großen in
Anwendung brachte, wodurch die Licht»
und Schattenseiten dieses Verfahrens zu
Tage traten. Im Jahre 1834 zur Pro-
fessur nach Maria«Brunn berufen, wirkte
er bis 1847 daselbst, anfänglich im Fache
der Naturwissenschaften, spater in jenem
der Forstkunde. Der Ruf, dessen sich G.
als tüchtiger Forstwirth erfreute, lenkte
die Aufmerksamkeit des verstorbenen
Alois Fürsten Liechtenstein auf ihn.
Der Fürst, als Landwirth eine Speciali«
tät, die seines Gleichen nicht sobald
wieder fand, wollte auch den forstlichen
Theil seiner Güter in einer den Ansprü«
chen der Forstwirthschaft der Gegenwart
angemessenen Weise verwaltet sehen und
ersah sich zu diesem Zwecke unseren G.,
den er im Jahre 1847 als Forstrath in
seine Wiener Hofkanzlei berief und an die
Spitze des liechtensteinischen Waldwesens
stellte. G. erfüllte des Fürsten Erwar-
tungen in vollem Maße und bald gehörte
die fürstliche Forstverwaltung zu den
besteingerichteten und bestgeleiteten der
Monarchie. Als aber mit dem im Jahre
1839 erfolgten Tode des Fürsten in der
ganzen Verwaltung der fürstlichen Güter
große Veränderungen eintraten, blieb
natürlich auch das Forstwesen nicht
unberührt und G. mußte manches gesche»
hen lassen, was mit seinen erprobten
Ansichten und seiner bisherigen Leitung
nicht stimmte. Durch Anstrengungen im
Dienste schon von früher her in der Ge>
sundheit geschwächt, waren die Verände»
rungen in seinen dienstlichen Verhält-
haltnissen nicht geeignet, die angegriffene
Gesundheit zu kraftigen. Endlich in den Ruhestand versetzt, der ihm die Mög«
lichkeit der Erholung bot, ging diese
Hoffnung nicht in Erfüllung. Ein plötz«
licher Nervenschlag machte im Alter von
62 Jahren seinem Leben ein Ende. Als
Forstmann war G. frühzeitig wissen»
schaftlich thatig gewesen. Bereits als
Assistent an der Forstlehranstalt zu
Maria-Brunn gab er seine „Anknngsgrünbe
im NlltnrkMbe Kr ben Forstmann" (Wien
1838. Heubner) heraus; bearbeitete
dann die Cotta'schen Baum-Cubi«
rungstafeln für Oesterreich, welche unter
dem Titel: „Gakeln zur Ne3timmung des
kubischen Inhalts lllln rylindrischen und Kegel-
lärmigen Nntz- und NllnhlllzMckln" (Wien
1840, zweite Auflage 1850, dritte
Auflage 1831, vierte Auflage 1861)
erschienen. Ferner veröffentlichte er die
„GrnndMe der Für5tmirth2chllt!5lchre", zwet
Bände (Wien, erster Band 184t,
zweite Austage 1834, zweiter Band
1836); dieses Werk G.'s erfreute sich
auch im Auslande von Seite der Fach'
manner einer ehrenvollen Anerkennung.
Zugleich mit Prof. F. Fiscal i bearbei»
tete G. den erklärenden Text zu den
von Franz Hart inger im Farbendrucke
ausgeführten Werke: „Deutschlands
Forstculturpstanzen in getreuen Abbil«
düngen nach der Natur gezeichnet" (Ol>
mütz 1836, gr. Fol.). Seit 1833 gab er
die „Oesterreichische Vierteljahrsschrift für
Forstwesen" (Wien, 8".) heraus, welche
zugleich das Organ des österreichischen
Reichsforstvereins war und zu den gedie»
gensten Fachblättern zählt. G. half die»
seS Blatt und den Reichsforstverein, dessen
Vice-Präsident er längere Zeit war, be»
gründen. Im Jahre 1837 wurde er
anläßlich der Wiener landwirthschaft'
lichen Ausstellung mit dem Franz Joseph.
Orden ausgezeichnet. G., eine in den
Wiener Kreisen beliebte und wohlbekannte
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Band 14
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Laicharding-Lenzi
- Band
- 14
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 550
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon