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Mdekrandt 478 Hildebrandt
"Hildebrandt, Hermann (Iourna>
list, geb. zu Magdeburg 42. Iu l
1823, wurde seit dem 13. December 4864
in Wien vermißt, in den Tagen vom 33
bis 23. April 4863 zu Karlsburg im
Wieselburger Comitate Ungarns, von der
Donau ausgeschwemmt, am Strande
gefunden). Hi ldebrandt wurde, da er
Talent zeigte, ungeachtet die Vermögens»
Verhältnisse der Eltern ziemlich beschränkt
waren, für die wissenschaftliche Laufbahn
bestimmt; beendete 4843—4846 in Halle
die Theologie und kehrte dann in seine Va-
terstadt zurück, wo er, die Theologie auf<
gebend. Lehrer an einer höheren Mädchen
schule wurde. Die Bewegung des Jahres
4848 machte ihn zum Journalisten. Ein
Artikel über den damaligen Krieg in
Schleswig > Holstein im Magdeburger
Volksblatte, welches H. redigirte, wurde
Gegenstand eines Hochverraths»Proces-
, ses. deffen Ergebniß nach dreimonatlicher
Untersuchungshaft die VerurtheilungH.'s
wegen Majestätsbeleidigung zu uier Mo<
naten Gefängniß und Verlust der Ehren-
rechte war, welche letztere er für sein Vater»
land erst durch die Amnestie vom Jahre
4864 wieder erhielt. Durch diesen Vor«
gang aus seiner Redactionsstellung ge-
rissen, ertheilte er Privatunterricht, arbei-
tete für die Magdeburger Zeitung und
übersiedelte im Frühjahre 4835 nach
Paris, um sich dort eine selbstständigere
Lebensstellung zn begründen. Von Paris
aus schrieb er wahrend der großen In«
dustrie»Ausstellung des genannten Jahres
Correspondenzen für das Wiener Iour«
nal „Ostdeutsche Post" und trat nach
einigen Monaten in ein festes Engage«
ment bei diesem Blatte. Obgleich ein
Norddeutscher, fühlte er sich bald in
Wien heimisch und war mit ganzer Seele
bei dem Journale thätig, bei dem er seit
seinem Aufenthalte in Wien bedienstet war. Wie sein Freund und Biograph
Bruno Bucher schreibt, „hatte er, einen
kurzen Urlaub nach Ischl abgerechnet,
während der 82/g Jahre seines Aufent-
Haltes in Wien nicht einen Tag Urlaub
genommen. Im Gegentheil ruhte oft,
wenn seine Collegen
sich
erholten, wochen»
und monatelang die ganze Last des Blat«
teS auf ihm, sorgte er für den Leitartikel
oder schrieb Kunstartikel, welche durch
feines Urtheil und glänzende Darstellung
Aufsehen machten...". So im Laufe
der Jahre mit dem Institute der Zeitung
völlig verwachsen, lehnte er vortheilhaste,
seinen Fähigkeiten und Leistungen mehr
entsprechende Anerbieten ab. Da wurde
ihm am 9. December 4864 von dem
Bescher der „Ostdeutschen Post" brieflich
angezeigt, die Regie des Blattes bedürfe
der Erleichterung, sein Posten müsse ein«
gehen, seine Arbeiten auf die übrigen
Nedactionsglieder vertheilt werden. Ver>
antwortlicher Redacteur könne er als
Ausländer doch nicht werden. Uebrigens
bleibe ihm seine Stellung so lange ge>
wahrt, bis er eine andere entsprechende
werde gefunden haben. So wenig H.
Ursache haben mochte, um seine Existenz
besorgt zu sein. so demüthigte ihn doch
der Gedanke, die Jahre in Wien als
großentheils verloren betrachten, sich ein»
gestehen zu müssen, daß alle seine Kennt-
nisse und sein Fleiß ihn doch eigentlich
um keinen Schritt vorwärts gebracht
hatten. Sein Freundeskreis, zu welchem
einst Ernst vonSchwarzer, L.I.Sem«
titsch, Theodor Mannheimer und
Nudolph Fröhlich, Alle vor ihm und
Letzterer auch eines freiwilligen Todes in
den Fluthen des Mondsee's gestorben,
gehört hatten, war sehr klein geworden.
So sehr er auf werkthätige Theilnahme
bei jedem rechnen konnte, der ihn kannte
und als tüchtige Arbeitskraft gewiß bald
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Band 14
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Laicharding-Lenzi
- Band
- 14
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1865
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 550
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon