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Liechtenstein Liechtenstein
eilte der Fürst zu den Fliehenden, rief
ihnen Muth zu, und nun wurden, die erst
zu stiehen schienen, die Angreifer, die mit
wachsendem Mulhe vorwärts drängten,
und so den Russen unter Souwa r-ow
Zeit verschafften, in die Schlachtlinic
einzurücken und den Gegner über die
Trebia zurück zu werfen. Als am dritten
und letzten Schlachttage, am 49. Juni,
Macdonald noch bei einbrechender
Nacht einen verzweifelten Angriff ver«
suchte, zu welchem er seine ganze Macht
in Massen form irre, Caoallerie heran-
sprengen und ihr die großen Infanterie,
majsen in vollem Laufe nachrücken ließ,
da stellte sich Fürst Johann an die
Spitze vonLobkowitz-Chsvaurlcgers, eini-
gen Zügen Blankenstein-Huszaren und
des Grenadier»Bataillons Wouvermans
den Angreifern mtgegen, warf sie und
brachte ihnen, nachdem sie in vollste Nn«
ordnung gerathen waren, großen Verlust
bei. Liechtenstein hatte in di^'er blu-
tigen Schlacht fünf Pferde unter dem
Leibe, durch eine Knnonenkugel seinen
rechten Rockschoß verloren, selbst aber
war er wunderbarer Weise unverletzt ge»
blieben. Wie bei Würzburg ihn der Grz«
herzog, so umarmte ihn hierSouwa»
row, der am Morgen dieses Bluttages,
am Sieg? verzweifelnd, sich bereits unter
einem Baume ein Grab hatte graben lassen,
in welchem er lebmdig begraben werden
wollte, wenn seine Kosaken dm Sieg
nicht erringen wurden. Diese Scene der
Umarmung durch den russischen General,
vom kleinen Kosakenpferde herab, im
Hemde, mit herabhängenden Strümpfen,
offener Halskrause und statt des Mar«
schallstabes den Kantschu in der Hand,
wäre würdig, durch den Pinsel verherr»
licht zu werden. Wenige Wochen spater
bewies der Fürst neue Bravour in der
Schlacht bei Novi (13. August 4799) und schloß mit der Einnahme von Coni
(3. December) die Reihen seiner Hel.
denthaten in diesem Feldzuge. — I m
unglücklichen Feldzuge des Jahres 1800
deckte der Fürst bei Hohenlinden (3. De«
cember 1800) den Rückzug und über«
nahm nach K o l o w r a t's Abberu-
fung das Commando der Reservearmee.
Bei Salzburg schlug er am 14. Decem«
ber den General Lecourbe, der nur
durch den herbeieilenden Moreau der
ganzlichen Vernichtung entging. Den nun
vereinigten französischen Generalen 3e-
courbe und Moreau leistete er durch
mehrere Stunden den hartnäckigsten Wi-
derstand und zog sich, nur der großen
Uebermacht weichend, aber in größter
Ordnung, nach Birkheim, wo er wieder
in der Nacht vom 14. auf den 13. Decem-
ber M oreau's And: ingen aufhielt und
es unserer Armee möglich machte, das
Lager bei Neufahrn und Kösing zu be»
ziehen. Als am 1s. August 1801 die
66. Promotion des Maria Theresien«
Ordens, und zwar die erste öffentliche,
stattfand. wurde der Fürst mit dem
Großkreuze ausgezeichnet. — Nachdem
sein Bruder Alo is Joseph am 24. März
1803 gestorben, folgte ihm Fürst Io>
hann in der Regierung, ohne jedoch,
nachdem er in schon 11 Feldzügen, in
80 Schlachten. Treffen und Gefechten
seinen Heldenmuth erprobt, die Armee zu
verlassen. Als die Katastrophe bei Ulm
stattfand, lag der Fürst krank zu Felds»
berg, und auf dem Krankenbette traf ihn
das Schreibendes Kaisers, aus welchem
ihm die Gefahr des Vaterlandes und der
Residenz bekannt, und ihm der Befehl
über einArmeecorps gegeben wurde, das
noch gar nicht bestand. Aus den Trum»
mein der gefragenen Armee und auS
den sechsten Bataillons sollte nun eine
neue Armee erst geschaffen werden. Der
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Leon-Lomeni, Band 15
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Leon-Lomeni
- Band
- 15
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1866
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 499
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon