Seite - 153 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Leon-Lomeni, Band 15
Bild der Seite - 153 -
Text der Seite - 153 -
Liechtenstein 133 Liechtenstein
Rousseles dargereicht, war seine ein
zige Labung nach dem übermenschlichen
Kampfe. Wie Hormayr treffend be«
merkt: „ein noch herrlicheres Denkma
als jenes des Fürsten Wenzel von Erz
-im Wiener Zeughause, ist die Stelle des
Armeebefehls des Erzherzogs General-
tissitnus vom 24. Mai, der unter den
sämmtlichen, der öffentlichen Dankbarkeit
würdigen Soldaten von Aspern, die
daselbst „die ersten Soldaten der Welt"
heißen, den Fürsten ganz allein Vorzugs
weise nennt und von ihm schreibt: „Der
-Herr General der Cavallerie Fürst I o
bann von Liechtenstein hat seinen
Namen verewigt. Dieses Gefühl und
meine warme Anhänglichkeit an seine
Person verbürgt ihm die Dankbarkeit
unseres Monarchen. Ich kann ihn nur
mit dem öffentlichen Ausdrucke meiner
Achtung lohnen". In der That waren es
<aber auch der Fürst Johann und sein
General»Quartiermeister Radetzky,
welche den blutig erfochtenen Sieg als
solchen retteten. Man hatte ja schon
wegen Massena's heroischer Gegen»
wehr sich angeschickt, die Disposition zur
Netratte der Oesterreicher gegen den
Bifamberg zu entwerfen, als Fürst I o«
h ann wüthend herbeisprengte und seinen
lumpigen Hut in die Augen drückend,
aufschrie: „Was? retir iren? — Wa.
uumnichtgar! — Die Schlachtist
jagewonnen, sie räumen ja das
Schlachtfeld und gehen hinüber!"
Auf diese Nachricht kamen erst die Glück-
wünsche und nahmen gar kein Ende mehr,
so. daß an eine Benützung des Sieges gar
nicht gedacht wurde. I n der Schlacht bei
Wagram führte er am ersten Schlacht»
tage, 3. Juli, die von ihm befehligte
Cavallerie unter dem heftigsten Kugel<
regen so kaltblütig wie am Erercierplatze.
Siue Kanonenkugel riß das in gestrecktem Galopp ausholende Pferd des Fürsten
zusammen; indeß der Fürst unter dem
getödteten Pferde dahin gestreckt lag,
blieb er mitten unter dem verheerenden
Kartätschenfeuer des Feindes unverletzt;
schwang sich, nachdem er sich unter der
Pferdelast emporgerafft, auf das nächste
Dragonerpferd und ging wieder in den
Kampf. Bisher unverwundet aus so vie-
len Kämpfen hervorgegangen, erhielt er
in diesem letzten, den er noch mitge»
fochten, am 6. Juli, von einer auf
kurze Entfernung abgegebenen feindlichen
Decharge eine leichte Conwsion und sein
Pferd wurde verwundet. Nachdem Erz«
herzog Karl am 31. Juli bei Littau den
Oberbefehl des Heeres niedergelegt, er-
hielt Fürst Johann denselben. Noch
wurde ihm das schwere Opfer, am
. October d. I . , am Jahrestage des
westphälischen Friedens, dm Wiener Frie-
den zu unterzeichnen, mitChamvagny,
dem Herzog von Cadore. Für die von
schweren Summen abhängige frühere
Räumung Wiens, bot der Fürst den
dortigen Wechselhäusern seine sammt»
lichen Besitzungen zum Unterpfande an'
ein wahrhaft fürstlicher Zug, wie Hor»
mayr schreibt, dagegen ein zweiter nie
vorkommen wird, und das souveräne
fürstliche Haus Liechtenstein als das
erste Haus der Bürger Wiens für ewige
Zeiten sich darstellt. Von dieser Zeit trat
der Fürst vom Kriegsschauplätze und
ebte für sich und seine Familie, sorgte
unermüdet für das Wohl seiner Unter»
Hanen und widmete sich mit Vorliebe
der Pflege der Künste und Wissenschaften.
Für die Kunst that er unendlich >viel.
„Er vollendete", wie sein Biograph
chrieb, „was hierin jener Fürst Li ech-
en stein, von den Wienern „der reiche
Hanns Adam" oder „der Crösus
Oesterreichs" genannt, der Gründer der
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Leon-Lomeni, Band 15
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Leon-Lomeni
- Band
- 15
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1866
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 499
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon