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Liechtenstein 133 Liechtenstein
-einherging, da es den Sold nicht regel<
mäßig erhielt und von Freibeuterei lebte,
mußte neu gekleidet und disciplinirt wer.
den. Der Fürst, seinen Credit benutzend,
kaufte Leder, Leinwand und was sonst
zur Ausrüstung nöthig war, im Großen;
zahlte den rückständigen Sold aus und
stellte in Kürze ein wohlgerüstetes Heer
dem Feinde entgegen. Die Uebermacht
des Feindes hinderte ihn jedoch an einem
entscheidenden Schritte. Er und der König
von Sardinien mußten sich vor den ver.
bündeten Spaniern und Franzosen über
den Po zurückziehen, während diese sich
immer mehr ausbreiteten und Mitte
December 1743 Mailand besetzten. Der
Fürst nahm mit seiner Armee die Auf»
stellung hinter dem Tessin im Novaresi.
schen. Indessen schickte die Kaiserin im
Februar 1746 neue Verstärkungen und
vereitelte so die Bemühungen der Frau«
zosen, den König von Sardinien auf ihre
Seite zu bringen. Nun war der Fürst in
der Lage, wieder die Offensive zu ergreifen,
er vertrieb den Feind aus dem Mailändi»
schen und zwang ihn, sich auf die Ver«
theidigung der kleineren Herzogthümer
Parma, Guastalla und Piacenza zu be»
schränken. Nach der Einnahme Mailands
rückte der Fürst vor, nahm Pavia, dann
Parma und eben daran Piacenza zu
nehmen, zwang ihn Kränklichkeit, den
Oberbefehl für einige Zeit in des Artil-
lerie-Generals Bot ta Adorno Hände
niederzulegen. Als aber die Franzosen
unter Marschall Mai l lebois im spani«
schen Lager eingerückt waren, übernahm
der Fürst wieder den Oberbefehl und
erwartete gerüstet den feindlichen Angriff.
Am 46. Juni kam es vor Piacenza zur
Schlacht. Vor Tagesanbruch begann die-
selbe und dauerte bis zum Einbruch des
Abends. Der Feind war bedeutend an
Macht überlegen, dreimal bereits mußten die Kaiserlichen zurückweisen, und wer
weiß — wenn Liechtenstein nicht in
Person den Befehl geführt hätte — wo-
hin sich zu Ende des Tages die Schale
geneigt hätte. So aber, obgleich krank,
bestieg er das Roß und blieb bis zum
Ende der Schlacht, alle Dispositionen
selbst treffend und überall im dringenden
Augenblicke gegenwärtig. Die Niederlage
des Gegners war groß. I n förmlicher
Auflösung suchte Alles in'der Flucht stine
Rettung. 6000 Todte und Verwundete
bedeckten die Wahlstatt. und ebenso viele
wurden gefangen. 10 Kanonen, 32 Fah<
nen wurden von den Kaiserlichen erbeutet.
Erst nachdem der Sieg unzweifelhaft war,
übergab 3. das Commando wieder an
Botta Adorno und selbst eilte er nach
Padua, um ärztliche Hilfe zu suchen, ader
schon in Colorno mußte er halt machen,
ein heftiges Fieber bedenklichsten Charak-
ters machte ihm die Weiterreise unmog»
lich. Eines Umstandes sei hier — weil
er für den Fürsten bezeichnend ist — in
Kürze gedacht. Vorsicht halber ließ der
Fürst auS Böhmen auf eigene Kosten
achtzig Kanoniers mit der Post kommen,
die wenige Stunden vor Beginn der
Schlacht ankamen und durch ihre Ge»
schicklichkeit nicht unwesentlich zum Siege
des Tages beigetragen hatten. Nachdem
seine Gesundheit wieder hergestellt war.
kehrte 3. nach Wien zurück, wo er lein
Commando niederlegte und sich gan; der
Vervollkommnung des von ihm mit aller
Aebe gepflegten Artilleriewesens widmete,
wobei er namhafte Summen seines eige»
nen Vermögens verwendete, um in seinen
Versuchen und Reformen nicht durch die
langsamen Wege der ControlSbehörden
aufgehalten zu werden. Auch legte er die
ihm 1747 übertragene Stelle eines Com-
mandanten der Stadt Wien nieder. Im
Jahre 1731 befehligte der Fürst das zu
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Leon-Lomeni, Band 15
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Leon-Lomeni
- Band
- 15
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1866
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 499
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon