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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Leon-Lomeni, Band 15
Seite - 332 -
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Seite - 332 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Leon-Lomeni, Band 15

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LobkowiH 332 Lobko witz lassung zu snnem Falle will man in dem nickt erwiesenen Bruche eines Staatsgeheim« nisseö suchen, den weiteren in seinen hoch erbitterten Gegnern am kais. Hofe. unt^r den Jesuiten und im Magistrate. Der politische Anlaß wäre demnach folgender gewesen. Der Landgraf Wi lhelm von Fü rste nb er g war Fürst des heil. röm. Reiches und Gesandter des Churfürsten von Cöln. Im Solde Frank« reichs, das ihm noch am Ende seiner Tage alö Abt zu St. - Germain de Prez eine Iahresrentc von Hundertfünfzigtausend Lwres verschaffte, war er die Hauptursache des Krieges zwischen Frankreich, Holland und Oesterreich und daher von Kaiser Leopold als Reichsfeind und treuloser Unterthan ge« ächtet worden. Im Februar des Jahres 4674 ließ ihn der Kaiser zu Cöln arretiren und allrn Protesten Frankreichs ob Verletzung des Völkerrechts u. s. w. zu Trotz, nach Wien führen, wo ihm der Proceß gemacht wurde. Im geheimen Rathe von vier Mini- strrn, unter denen Lobtowitz den Vorsitz führte, wurde das Todesurtheil Fürsten« berg's ausgesprochen und schon am folgen den Tage sollte er enthauptet werden. Lob» kowitz stimmte gegen diese Ansicht dcr ver« urtheilenden Minister aus völkerrechtlichen und politischen Gründen, wurde aber überstimmt und tonnte an dem Spruche nichts ändern Das im Cabinetsrathe ausgefertigte Urtheil, dessen Vollzug auf den nächsten Tag fest. geseht war. ließ er in seinem Arbeitszimmer offen liegen, und es blieb noch dort, alö er sich aus dem Hause entfernte. Einer seiner Diener fand eö dort, las eS und eilte — wohl um sich ein Stück Geld zu verdienen — mit der Nachricht zum päpstlichen Nun» tius. Dieser wollte es nun in keiner Weise dulden, daß ein StandeScollegc durch des Scharfrichters Hand und auf Befehl der weltlichen Obrigkeit hingerichtet werde, begab sich mit dem frühesten Morgen zum Kaiser und reclamirte im Namen des Papstes den Bischof, damit er von geistlicher Behörde ge. richtet werde. Der fromme Kaiser wurde ängstlich und befahl vor der Hand einen Stillstand jeder weiteren Procedur, Aber daS Urtheil über Fürstenberg war im geheimen Rathe des Kaisers beschlossen worden. Wie war der Nuntius zur Kenntniß desselben ge< kommen? Diese Frage quälte den Monarchen und er verlangte von d?m Nuntius, dem er ja auch willfahrt, offene Mittheilung, und als dieser sich noch immer weigerte, erklärte der Kaiser, den Nuntius nicht eher aus dem Ge> mache entlassen zu wollen, bis dieser Alles entdeckt haben werde, dagegen den Landgra< frn ohne weiteres zu begnadigen, sobald ihm der Nuntius eröffnet haben werde, von wem und wie er die Nachricht von dessen Verurthri« lung erhalten habe. Der kaiserlichen Gnade für seinen Schützling im VorauS versichert und keine weiteren Folgen seines Geständnisses argwöhnend, erzählte nun der päpstliche Legat, daß ihm die Nachricht aus dem Lobkowitzischen Hause zugekommen sei. Von diesem Augen« blicke verlor der Fürst das vorher genossene Vertrauen seines Kaisers und wurde für einen heimlichen Freund Frankreichs gehalten. Da er überdieß mit dem Landgrafen von Fürsten« berg verwandt war, so wurde diese Stim- mung des Kaisers von den Feinden des Für> sten, unter denen die Jesuiten obenan standm, benützt, um ihn vollrnds zu stürzen. Die Ursache des Ordens, den Fürsten zu hassen, war ja für diesen auch groß genug. Der Fürst war ihr offener Gegner, der ihnen in allen ihren Unternehmungen mit seiner ganzen Macht und oft fühlbar genug entgegentrat. So hatten sie einmal wieder von dem Kaiser die Zusage eines bedeutenden Stück Landes, welches zu den Domänen gehörte, erhalten. Die Sache ging aber vor ihrer endgiltigen Entscheidung durch die Hände des Fürsten. Als nun die IesmtcN'Deputation vor dem Für« sten in dieser Angelegenheit erschien, wies er ihnen auf einem Crucifir die vier Buchstaben I. N. 15. I. und fragte, ob sie die Bedeutung derselben verstünden? Der Sprecher der De« vuwtion erwiederte, daß ihm keine andere Erklärung dafür bekannt sei, als die: 5e8us Isk2a,r6uu8 N».»x ^uäaooi'um. Das mag wohl für gewöhnlich der Fall sein, entgegnete der Fürst, für dieseö Mal aber heißt es: 5.^ m Illkit Nopoi-tadunt, ^Lsliitao, und damit ent- ließ er sie und der Orden erhielt das Stück Land nicht. Auch hatte der Fürst schon zu wiederholten Malen darauf angetragen, dir unermeßlichen Güter, welche der Orden in Oesterreich und Böhmen besaß, einzuziehen und zur Bestreitung der Kriegskosten zu ver- kaufen. Bei der dem Fürsten selten fehlenden guten, ja ironischen Laune pflegte er oft zu sagen: „Die Ungarn, Juden und Iesuiter be- rauben den Kaiser der schönsten Güter", oder auch: „Eine VI I schadet dem Kaiser mehr, als das gesammte Türkenheer". Mit der V I I deutete er auf die in den Worten Vngarn, luden und lesuiten vorkommenden lateinischen
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Leon-Lomeni, Band 15
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Leon-Lomeni
Band
15
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1866
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
499
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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