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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Leon-Lomeni, Band 15
Seite - 333 -
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Seite - 333 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Leon-Lomeni, Band 15

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Lobkonnh 333 Lobkowitz Anfangsbuchstaben. Von dieser Seite wurde nun Alles in Bewegung geseht, um den allmäch- tigen Minister zu stürzen. „Einem Manne", so ging es nun ans diesem Kreise in andere über, „dem der Verrath des Zürstenberg'schen Todes« urtheils möglich war, von dem müsse man auch den Verrath der österreichischen Staats» geheimnisse, Frankteich betreffend, besorgen", und mehrere von dcs Fürsten Widersachern aufgestachelte deutsche Gesandte erklärten ge« radczu: „Ihre Höfe könnten dem Kaisrr kein Vertrauen schenken, su lange Lobkowitz Theil an den Geschäften habe". Man schritt nun wciter. verhaftete des Fürsten vertraute» sten Secretär Ferr i , brachte ihn auf die Folter, aber auch diese vermochte nicht einen Laut des Verdachtes grgen seinen Hcrrn ab- zuzwingen. Ungeachtet dessen war der Fürst nicht zu bewegen, freiwillig den Hof zu ver- lassen und seine Stellung aufzugeben. Der berühmte Esaias Pufend orf, damals schwc» dischcr Gesandter am kaiserlichen Hofe, schreibt (den 27. März l6?ö): „Der Fürst sei dazu durchaus nicht zu bereden, sondern entschlossen, den Ausgang abzuwarten, in der unbezweifrl» ten Hoffnung, es werde dem Kaiser, welcher seine Treue in vielen wichtigen Dingen und absonderlich bei der Wahl zu Frankfurt ge» nugsam probirt hatte, an Beständigkeit nicht mangeln, ihn gegen seine Angeber zu vrr» theidigcn und wenigstens zur Verantwortung kommen zu lassen. Wie sehr er sich aber in seiner Rechnung betrogen, hat die Erfahrung gelehrt,". Der Widerwille, den die Kaiserin Claudia FelicitaS gegcn Lobkowitz hegte, trug wohl das Meiste zu seinem so vorbereiteten Sturze bei. Der Fürst hatte Fich eines Tages im Gemache des Kaisers befun» den, als dieser Witwer geworden, zur Wahl einer neuen Gemalin schreitend, die Gildnisse von verschiedenen ihm zur Braut vorgeschlage. nen Prinzessinen in seinem Gemache aufgestellt hatte. Der Kaiser fragte den Fürstrn vor die- ser interessanten Gallerte um Rath: welche Prinzessin er wählen solle, sagte ihm aber von keinem der Bildnisse den Namen. Wen« zel Euseb rieth zur pfälzischen Prinzessin und ging an dem Porträte der Erzherzogin Claudia mit einer ironischen Bemerkung vorüber. lind eben diese wurde des Kaisers Gemalin. Der Kaiser selbst, schreibt Pu fen» dor f , war damals gegen Lobkowitz erbittert, „Y^oä Hß Oeni^outauH vii^ins kauä L»ti5 rsvorontsi' locutus kusrat,". Auch war der Kaisexin die Bemerkung Wen« zcl Euseb's nicht verborgen geblieben. Nun war der Moment gekommen, wo der rück» sichislose mißliebige Spötter vom Hofe mt« fernt werden konnte. Am l6. October berief Kaiser Leopold den Fürsten von Schwär- zenberg. die Grafen Lamberg, Monte» cucul i und Zinzendorf, den Hofkanzler Paul Hocher und den Secretär Abele zu einer geheimen Conferenz, die bis um Mitter» nacht dauerte und einzig nur Lobko WitzenS Sturz zum Zwecke hatte. Als der Fürst am t8. Octobel wie gewöhnlich in den geheimen Rath kam. überreichte ihm der Hofkanzler Hocher im Namen des Kaisers das Hofdecret, das ihn aller Ehren und Aemter entsetzte und ihm befahl, „innerhalb drei Tagen slch vom Hofe und aus drr Stadt zu machen und Zu Raud» nitz in Böhmen auf seinem Gute sich aufzu» halten, von da sich nicht wieder wegzubegeben. noch mit einem Menschen Briefe zu verwech» ftln. Die Ursache dessen soll er zu wissen nicht begehren". Ueber die Ursa» chen seines Falles trug man sich in Wien mit den widersprechendsten Gerüchten. Einver» ständniß mit den Franzosen, Correspondenz mit den Rebellen in Ungarn und dergleichen Unsinn mehr wurde gerathen. „Gewiß ist's", sagt Rink im Leben Leopolds, „daß ihn viele für schuldig erkannten, angesehen ihm auch viele, denen er si ch mit seiner al l- zufreyen rai l lL i - iy verhaßt gemacht, in die Haare wo l l ten" Pufendorf in seiner Relation an den Staatsrath zu Stock» Holm meldet aber: „Es ist übrigens der Fürst von 3. vlr NttFlli vt Heuti28imi inZynll, aber wenn ich es ihm ohne Scheu sagen soll, ilon 8iQg inixtura äomsutiae, hat auch durch solche wunderliche Conversation und unge» wohnlichen inoäum aFonäi bei dcnrn, so ihn recht kannten, sich den Namen eines Phan» tasten zu Wege gebracht. Cr trauet sich dabei allzuviel zu, und indem er auf seine Ersah» rung pochet, verachtet er andere neben sich. machet sich auch nichts daraus, andere ohne Noth zu offendiren, deßwegen er auch nach» gehend nicht viel Freunde gefunden und wenig beklaget worden." Wie bemerkt, hat er sich, wie bei den Jesuiten, auch beim Wiener Ma» gistrate verhaßt gemacht. Die Unsauberkeit der Straßen der Stadt hatte der Fürst öfter, aber immer vergebens gerügt. An einem recht reg» nerischen Tage beschied er den Bürgermeister zu sich, gab aber, als er kam, Geschäfte vor, die ihn fortzufahren nöthigten und lud den Bürgermeister ein, mitzufahren. Der Kutscher
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Leon-Lomeni, Band 15
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Leon-Lomeni
Band
15
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1866
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
499
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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