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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Leon-Lomeni, Band 15
Seite - 334 -
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Seite - 334 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Leon-Lomeni, Band 15

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Lobkowib 334 Lobkowitz hatte Befehl, in die kothigstc Straße zu fahren und im tiefsten Kothe mit dem Wagcn still zu halten, und that. wie ihm geheißen. „Hier", rief nun der Fürst, „wird der Herr Bürger> meister absteigen müssen, weil mir eben Ge< schäfte beifallen, die mich in eine andere Stadtgegend rufen." Der Bürgermeister sollte aussteigen, aber an dieser Stelle war der Kotd denn doch gar zu arg, und er bat den Fürsten, den Kutscher einige Schritte weiter fahren zu lassen. Da entgegnete aber der Fürst-. „Herr Bürgermeister, die Straßen de» pcndiren von seiner Aufsicht, also werden sie sich gegen ihren Vorgesetzten wohl nicht übel verhalten" — und der Bürgermeister, in Staatskleidern und seidenen Strümpfen, mußte uolsus volous in den Koth, da er am dicksten und höchsten lag. Das Mittel half endlich, „denn die Füße erinnerten an den Kopf", die Unsauberkeit der Straßen verschwand — we< nigstens auf einige Zeit. Wenn also Lobko< witz als Hof« und Staatsmann die Regentin, den Hof, die Geistlichkeit und der gemeinen Stadt Wien ansehnlichen Rath in solcher Weise gegen sich aufbrachte, was konnten seine übrigen Verdienste noch nützen?! Rink (im Ledm Leopold'S. S. ?lli) sagt: „Seine Bonmots werden noch auf diese Stunde an dem kaiserlichen Hofe täglich repetiret, ob« gleich manchmal dabei die Natur ohne Kleidung erscheint". Der spa« nische Gesandte am kaiserlichen Hofe, Iohaim Sagrcdo, schildert ihn so: I^iucexä ä<3 1.ubkovvit2, c^ ui koc teinpory su^rsmi ^ul2,e Hlasiüti'i lnuu^iti luu^itul, cayax «8t <it, bktis iäoneuL, gui äiseeluat, huici aulau uoceat, Huicl prosit; «oä äum i'edu.t> Maxims Lsriiä udiguo^ooas iuspsi-- Fit st Kr«, vi o ridUL usz;otii5 intöin- guioguam äüesriüt, extüro« xai-uiu, äiligit, nvo tamsQ otiara LS iI»3Uill lZius rivali ».N2t. Der Fürst selbst war bestürzt und nie- dergeschlagen über seinen unerwarteten Sturz. Am 20. August frühe mußte er abreisen, von einer Compagnie Dragoner cscortirt, die da- für verantwortlich war, den Fürsten an den Ort seiner Verbannung in Böhmen zu über- liefer«. Er wurde aller seiner Aemter — selbst des Ordens, des goldenen Vließes, den er am 18. September 1643, also vor 30 Jahren, erhielt — verluftig erklärt und sein Vermögen confiscirt. Im Exil, wohin ihm später die Versicherung seines Kaisers, daß er nichts Strafwürdiges begangen habe, alS mächtiger Trost folgte, gewann der Fürst seine Fassung wieder. Die ironische Lebensanschauung, die seinen Sturz veranlaßt, wurde nun sein Trost. Von dem Zimmer, das er bewohnte, hatte er die eine Hälfte auf das Prunkvollste, ganz im Hofgeschmacke ausgestattet, die andere Hälfte stellte das Innere einer ärmlichen Bauernhütte dar, und die Wände waren mit Spöttereien und Witzen auf seine Feinde überfülle. So, sagte er zu Freunden, die ihn besuchten, könne er am besten der Vorzeit und Gegenwart, scincs ehemaligen und jetzigen Zustandes sich erinnern. Auch die Grabschrift, welche er als Exulant sich fertigte, verrieth jene. Stimmung und endigte, nach einem kurzen Abriß seiner Biographie, also: „Ich war I Graf — Fürst — Herzog > bin I Staub — Schatten — Nichts I Erwägt es, ihr Großen, denn klein ist der Raum > der Tod und Leben trennt > Erwäg es auch du. o Wanderer! > Wünsche mir Ruhe und geh' von bannen." Zwei Jahre nach seinem Falle starb die Kaiserin Claudia und acht Monate nachher folgte ihr die pfal' zische Prinzessin Eleonora Magdalena als Gemalin Leopold's; aber Lobkowitz überlebte diesen für ihn so günstigen Um- schwung der Verhältnisse nur um wenige Wochen. Er starb, 69 Jahre alt, und zwar wie man glaubt und wie auch ein gleichzei« tiger Schriftsteller (Marquis Rochefort in seinen Memoiren, S. üt>ü) sagt — vergiftet. Gar viele mochten eine Wiedervergeltung ge« fürchtet haben! Aber die neue Kaiserin suchte an Witwe und Kindern das dem Vater zu« gefügte Unrecht wieder gut zu machen; ja der Kaiser selbst bot dazu die Hand, indem er, der Familie die confiscirten Güter wieder gab und den ältesten Sohn zu den höchsten Hof» ämtern beförderte. Für den Glanz und die Macht seines Hauses hat Fürst Wenzel Euseb wesentlich gewirkt. Als er im Jahre 1631 aus eigenen Mitteln ein Kürassier»Negi' ment errichtete, gab ihm der Kaiser den dritten Theil der Nassau-Saarbrück'schen Herrschaft Weilburg, wofür er jedoch, nachdem die Con» siscation derselben wieder aufgehoben wurde, eine k. Verschreibung von 20U.000 fl. rhein. erhielt. Im Jahre 1641 erwirkte er die Umäw derung der Herrschaft Neustadt an der Wald» nabe in eine gefürstete Grafschaft Sternstein, nach der sich die Lobkowitz noch heute ge> fürstete Grafen von Sternstein schreiben. Am 2l. Juli 1646 erwarb er von Kaiser Feroi« nand I I I . das schlesische Fürstenthum Sagan und erhielt den Titel eines Herzogs von
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Leon-Lomeni, Band 15
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Leon-Lomeni
Band
15
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1866
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
499
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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