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Lodkowitz 336 LobkounH
Friedrich von drr Pfalz zum Oberland^
Hofmeister von Böhmen ernannt. Uebrigrns
zählte er zu den Gemäßigten, widersetzte sich
energisch der Verwüstung deS Präger Doms
und rettete insbesondere das grüße Crucifix
in demselben vor Vernichtung. Jedoch wurde
ihm nach der Schlacht am weißen Berge
wegen seines AdfalleS von der rechtmäßigen
Regierung der Proceß gemacht und er zu
lebenslänglicher Hast im Schlosse Zbirow
vertheilt, in welchem er auch im Jahre
lt»3? starb. Alle seine Gükr wurden in Folge
seiner Verurthcilung consiscirt und kamen
in andere Hände. Wilhelm war zweimal
vermalt. ES ist nicht bckannt, ob sein Sohn
Johann Erd mann. der im Eril zu Un-
garisch'Skaliz lebte und auf einer Reise zu
Pvsiö in Schlesien am 20. November 1048
am Schlagflusse starb, aus d?r ersten oder
zweiten Ehe stammt. Mit diesem Johann
Erd mann erlosch der Zweig der Popel«
Lobkowitz auf Tachau, Patet und Bischoftei«
nic. Di« in der „Beschreibung der bisher be-
kannten böhmischen Privatmünzen und Me»
daillen" auf Tafel XXVII l , unter Nr. 239.
240 u, 241 abgebildeten und auf S, 282 u.
2t>2 beschriebenen Iettons sind auf diesen
W i l h e l m und wahrscheinlich das eine
(Nr. 239) zu seiner zweiten Vermälung mit
5»ibilla von Vnlbstein, die beiden anderen
,Nr. 240 u. 241) zu seiner durch drn Winter»
könig erfolgten Ernennung zum Oberstland»
Hofmeister geprägt worden. — !52. Idenko
Adalbert Popel-3,. der erste Fürst (geb.
13, August 1365. qrst. Zu Wien 15. Juni
1628). der zweite Sohn Ladis laus (II.)
auö drffcn Ehe mit Johanna Brrka von
Dub und Lipa. Erhielt seine Ausbildung
bei den Jesuiten in Prag und vollendete sie
an der dortigen Hochschule. Im Jahre 1334
ging er auf Reisen, blieb bis 1338 in Italien,
1889 und 139l) in Spanien und Portugal.
Nach seiner Rückkehr wurde er im Jahre
1391 Reichöhofrath. Der Fürst zahlte damals
23 Jahre. Von nun an wurde Zdenko
Adalbert zu verschiedenen mehr und minder
wichtigen Missionen verwendet, ging im Jahre
1392 zu den Administratoren Chursachsens
und des Erzstiftes Magdeburg, dann zu dem
Churfürsten von Brandenburg, um Hilfsvolk
gegen die Türken zu erwirken. Zu ähnlichem
Zwecke ging er um die Mitte des Jahres
1595 nach Madrid, andere Missionen voll.
führte er im Jahre 1397 nach Wien. später
an einige deutsche Höfe, dann nach Parma und zum Dogen von Venedig. Als im Jahre
1399 Erzherzog MathiaS von den Türken
zurückgedrängt wurde, mußte Zdenko
Adalbert nach Prag und Znaim reisen,
um dort die Ausrüstung und das Vorrücken
der Ersutztruppcn zu betreiben. Im Jahre
1399 wurde Zdenko von Kaiser Ru«
dolph I I . zum Oberstkanzler von Böhmen
ernannt. In dieser wichtigen Stellung war er
vertrauter Rath der Kaiser Rudolph und
Mathias, und indem er
sich der utraquistischen
Partei entgegengestellt, nahm er entscheiden»
den Einfluß auf die damaligen Ereignisse und
stand treu zu seinem Kaiser. Er n/idcrrieth
nicht nur den bekannten Majestätsbrief, son-
dern auch, als er das am 10. Juli !609
dem Kaiser abgedrungene Document als
oberster Kanzler des Königreichs untcrschrei«
ben sollte, verweigerte er standhaft die Unter«
fertigung und es mußte somit an seiner
Stelle der Oberstburggraf Adam von Stern«
berg mitfertigen. Auf dem Prager Land-
tage des Jahres 1617 schlug er den Erzherzog
Ferdinand zum Thronfolger des Kaisers
Math ias vor und setzte auch seine Wahl
zum Könige durch. Wo er konnte, trat er zum
Schuhe der katholischen Kirche auf und im
Streite der Braunaucr mit ihrem Abte, wegen
Erbauung einer protestantischen Kirche, nahm
er sich energisch ihres Abtes an und gab den
Vraunauern im Namen des Kaisers den ge«
messenen Befehl, 'dem Abte die Schlüssel der
Kirche auszufolgen und sich mit dem Voll«
zuge dieses Auftrages bei der böhmischen
Hofkanzlei in Prag auszuweisen. Während
der durch den berüchtigten Fenstersturz ge<
kennzeichneten Ereignisse vom 23. Mai 1618
befand sich Zdenko in Wien an der Seite
seines Monarchen und entging auf diese Art
wohl dem Geschicke Slavata's und Mar<
t in i tz'. deren beider sich seine energische Gar»
tin Polyrena ^S. 329, Nr. 45) angenom«
men, sie in ihrem Hause versteckt und ihnen
Mittel zur Flucht verschasst, dafür aber selbst
Unbilden von den aufrührerischen Baronen
zu erdulden hatte. Auf dem Landtage des
Jahres 1619 (18. bis 22. Mai) entsetzten dic
Stände ihn und noch mehrere Große des
Reiches, die zum Könige hielten, ihrer Aemter
und Würden, verwiesen ihn deS Landes und
consiscirten seine Güter. Wahrend dieser
Vorgänge im Vaterlande begleitete Zdenko
Ferdinand I I . zur Kaiserwahl nach Frank«
fürt und wurde dort zum Lohne seiner treuen
und ersprießlichen Dienste ln.it Decxet vom
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Leon-Lomeni, Band 15
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Leon-Lomeni
- Band
- 15
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1866
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 499
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon