Seite - 338 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Leon-Lomeni, Band 15
Bild der Seite - 338 -
Text der Seite - 338 -
Lobkawitz 338 Lobkowitz
secretär bei dem böhmischen Gubernium.
Zwei Jahre später zum Kreishauptmann
des Budweiser Kreises ernannt, bewährte
er bereits damals jenen Geist der Huma
nitar, der noch heute seinen Namen in
einer der wichtigsten Provinzen des
Kaiserstaates in gesegnetem Andenken
erhalten hat. Im Jahre 1823 wurde 3.
Vice-Präfident des galizischen Landes«
guberniums, im folgenden Jahre Gou-
verneur von Galizien. indem ihm zuvor
noch die geheime Rathswürde verliehen
worden war. Mit noch nicht vollendeten
dreißig Jahren nahm 3. eine so wichtige
Stelle ein. denn der Posten eines Statt»
Halters — oder wie er damals hieß, Gou-
verneurs in Galizien — war nicht nur
wichtig, sondern auch ungemein schwierig.
Indem es sich der Fürst zur Aufgabe
machte, die ziemlich verkommenen geistigen
und materiellen Interessen und namentlich
das Schulwesen des Landes zu fördern,
so richtete er auch sein Augenmerk
darauf, das bisherige Verhältniß des
Kionlandes zur Centralregierung in
Wien, welches noch viel zu wünschen
übrig ließ, inniger, zuthunlicher zu ge>
stalten, und Adel und Bevölkerung mit
der Abhängigkeit von Wien auszusöhnen.
Sein humaner Geist, seine Leutseligkeit,
seine Freude an Kunst und künstlerischem
Schaffen, sein fein gebildeter, dabei nichts
weniger als adelsstolzer Geist, kamen
ihm bei seinen Bestrebungen wesentlich
zu Hilfe. Bald nahm das plötzliche
und verheerende Auftreten der Cholera
(1830) die ganze Energie des Staats-
mcmnes in Anspruch. Zu dem Wüthen der
noch völlig ungekannten Seuche gesellten
sich falsche Gerüchte von Vergiftungen,
wodurch die Aufregung noch mehr wuchs
und die Volksleidenfchaften in drohende
Gährung geriethen. Der Fürst be»
schwichtigte die bestürzten Maffen, traf die erforderlichen Anordnungen, damit
die Kranken untergebracht und gepflegt
wurden; mit dem Zunehmen der Seuche
verdoppelte er seine Thätigkeit und zeigte
sich ohne Rücksicht auf seine Person
überall, wo seine Gegenwart beruhigend
und ermunternd einwirken konnte. Die«
ses Verhalten des Fürsten in der trauri'
gen Epoche gewann ihm die Sympathien
der Bevölkerung in solchem Maße, daß
es vornehmlich diese waren, die ihm
seine schwierige Stellung bei Ausbruch
der polnischen Revolution im Nachbar-
staate erleichterte und es ihm möglich
machten, nachdem der Aufstand nieder-
gedrückt war und Schaaren von Fluch«
tigen das angrenzende Bruderland über-
schwemmten, die Ruhe in Galizien ohne
Gewaltmaßregeln aufrecht zu erhalten.
Der Fürst ließ die schütz» und wehrlosen
Flüchtigen ungehindert in das Land,
behandelte sie mit Schonung und Huma-
nität, gestattete Einzelnen selbst Zutritt
in sein Haus und suchte, was in seinen
Kräften stand. daS Loos der Verbannten
zu erleichtern. Dieser humane Geist aber
trug ihm bald böse Früchte. Diese
Humanität wurde von diplomatischem
Gesichtspuncte als eine Sünde angesehen
und gegen den Fürsten begann eine
mächtige Partei rührig zu werden, welche
auch im Jahre 1832 seine unvorgesehene
Abberufung von Galizien herbeiführte.
Sowohl in den österreichischen Adels» als
Bcamtenkreisen, erweckte dieser Vorgang
Befremden, ja Mißstimmung. Der Fürst
lelbft, der anfänglich der allgemeinen
Hofkammer zugetheilt wurde, ertrug
diese Demüthigung mit staatsmännischer
Ruhe und Fassung. I n Kürze wurde er
zum Hofkanzler bei der vereinigten k. k.
Hofkanzlei in Wien ernannt. Als im
Jahre 1834 der damalige Finanzminister
Franz Graf Klebelsberg sBd. XN,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Leon-Lomeni, Band 15
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Leon-Lomeni
- Band
- 15
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1866
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 499
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon